Kurz & knapp #52: Namika, Beyoncé & Jay-Z, A$AP Rocky, Trump, Solo…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Namika, ASG, Jennifer Warnes, serpentwithfeet, Beyoncé & Jay-Z, Mike Shinoda, Paul Kalkbrenner, A$AP Rocky, Get Well Soon, Trump: An American Dream, Spielzeug – Das war unsere Kindheit & Solo: A Star Wars Story.

 

Namika „Que Walou“

Nach den großen Erfolgen, die Namika 2015 mit der Single „Lieblingsmensch“ und dem dazugehörigen Album „Nador“ feierte, legt sie nun mit ihrer zweiten Langspielplatte „Que Walou“ nach. Mit zarter Stimme singt sie sich über einen Klangteppich, der zwar Einflüsse aus Hip-Hop, Soul und arabischer Musik erkennen lässt, am Ende aber astreiner Pop ist. Das klingt musikalisch nicht besonders mutig, geht aber ins Ohr. Inhaltlich lässt sich „Que Walou“ in zwei Themenkomplexe einteilen: Das Leben im Allgemeinen und ihr Leben im Speziellen. Ersteres deckt sie mit Stücken ab, in denen sie Werte und Alltag in Deutschland hinterfragt („Alles was zählt“) oder sich mit der Liebe auseinandersetzt („Liebe Liebe“). Letzteres wird durch ein Portrait des Vaters („Ahmed (1960-2002)“) oder eine Liebeserklärung an die Oma („Hände“) repräsentiert. „Que Walou“ ist seichte Mainstream-Musik, die sich zumindest inhaltlich immer wieder traut, aus dem belanglosen Pop-Korsett auszubrechen. +++ „What pop means? It means writing a good fucking song“, erklärte ASG-Frontmann Jason Shi im Interview mit The Heavy Chronicles. Wirklich poppig ist die Musik auf ASGs neuem Album „Sunrise Survive“ trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil: Heavy Metal, Hard Rock, Desert Rock – die Musik mag sich nicht festlegen, treibt lieber Powerchords durch die Boxen, die so wuchtig klingen wie ein Schlag gegen den Schädel. Ein bisschen wie Kyuss, ein bisschen wie Jane’s Addiction, ein bisschen wie Baroness – aber trotzdem eine komplett eigene Schublade, die Freunde von Gitarrenmusik unbedingt öffnen sollten. +++ Ihr fünfzigjähriges Jubiläum als Musikerin feiert Jennifer Warnes mit „Another Time, Another Place“. Nach Partystimmung klingen die zehn Stücke trotzdem nicht, was ein Song wie „So Sad“ bereits im Titel verrät. Der Großteil der Platte besteht aus Covern, die sich irgendwo zwischen Blues, Country und Pop verorten lassen. „Another Time, Another Place“ lebt von einer Intimität, die dem Hörer sehr nahegehen kann. Große Gefühle in schmerzhaft schönen Klängen verpackt – besser hätte Warnes ein halbes Jahrhundert Berufstätigkeit nicht feiern können.

 

serpentwithfeet „soil“

serpentwithfeet hat eine Stimme, die ihresgleichen sucht. Auf seinem Debütalbum „soil“ nutz er diese für R’n’B-Songs über queere Liebe: „I called all your ex-boyfriends and asked them for a kiss / I needed to know if they still carried your fragrance“, ist er in „fragrant“ eifersüchtig auf die Verflossenen seines Neuen. Einfach formulierte und dadurch nachvollziehbare Gefühle. Musikalisch fällt „soil“ hingegen deutlich komplexer aus. Ob das butterweiche „whisper“ oder das bedrohlich rollende „cherubim“ – die Songstrukturen sind teilweise so ausgefuchst, dass die Musik meilenweit an eingängigem Pop vorbeischlittert. Gerade deshalb sollte serpentwithfeet eine Chance gegeben werden, denn Stangenware gibt es zuhauf. „soil“ ist einmalig. +++ Ohne Vorankündigung veröffentlichten Beyoncé & Jay-Z ihr langerwartetes Kollaborationsalbum „Everything is Love“. Darauf präsentieren sie sich als starkes Team, das sich auch mit zusammen 84 Jahren ein „Skurr“ rausdrücken kann, ohne dass es peinlich klingt. Den Eindruck, den sie mit dem im Louvre gedrehten Video zu „Apeshit“ visuell erzeugen, lösen sie auch musikalisch aus. Die neun Stücke klingen nach Popmusik der edelsten Sorte, die gerade durch die Beziehung der beiden Protagonisten auf textlicher Ebene so spannend ist. +++ Anfang des Jahres erschien bereits ein Vorbote in EP-Form. Nun legt Mike Shinoda mit einem Album nach. Und wie es der Name erahnen lässt, beschäftigt sich das Linkin-Park-Mitglied auf „Post Traumatic“ mit seiner mentalen Gesundheit, um die es nach Chester Benningtons Tod nicht gutstand. Entsprechend düster fallen die 16 Songs aus. Shinoda ertränkt seine Hörer trotzdem nicht in Trauer, sondern schafft es immer wieder Hoffnung durchblitzen zu lassen. Dadurch wird „Post Traumatic“ zu einem hochemotionalen, aber auch erträglichen Unterfangen. Fans werden sich besonders darüber freuen, dass Shinoda von geradlinigem Hip-Hop bis zu Radiopop seine komplette musikalische Palette abruft.

 

Paul Kalkbrenner „Parts of Life“

Keine Frage, was Paul Kalkbrenner anpackt, wird ordentlich. So auch sein fünftes Studioalbum „Parts of Life“. Natürlich bastelt der Berliner keinen Elektro, der ins stille Kämmerlein gehört. Bei Kalkbrenner muss es schon die ganz große Festival-Bühne sein. Und so klingt „Parts of Life“ auch. Die 15 Stücke versprühen eine Lebensfreude, die ungefähr jeden packt. Funktioniert im hippen Eckcafé genauso gut wie auf der Dachterrassenparty. +++ Im Kanye-West-Hype, der einfach nicht abflauen möchte, ist A$AP Rockys drittes Studioalbum „Testing“ leider untergegangen. Dabei hätte die Platte jede Aufmerksamkeit dieser Welt verdient. Der 29-Jährige spielt auf den 15 Stücken mit Sounds und Songstrukturen, ohne dabei die Zugänglichkeit der Musik zu vernachlässigen. „Testing“ ist eine kohärent klingende Platte, die aggressiv beginnt und zum Ende hin immer melodiöser wird. A$AP Rocky scheint sich nicht um Genre-Konventionen zu scheren, muss aber trotzdem aufpassen, dass er seinen einzigartigen Stil im Auge behält, statt sich in zu verkopften Experimenten zu verlieren. +++ Konstantin Gropper verarbeitet auf dem sechsten Album seines Bandprojekts Get Well Soon die Grausamkeiten, die er während seiner REM-Schlafphasen erleiden musste. Wie ein Alptraum klingt „The Horror“ trotzdem nicht. Herausgekommen ist vielmehr die spektakulärste, aber auch sperrigste Platte, die Get Well Soon bisher aufgenommen haben. Die Grenzen zwischen Pop- und orchestraler Filmmusik verschwimmen endgültig. Neben dem klassischen Ensemble rund um Gitarre, Trompete, Geige, Keyboard und Glockenspiel hat sich Gropper an Field Recordings herangewagt. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Musik immer komplexer, damit aber auch spannender wird.

 

Solo: A Star Wars Story

In den Medien ist er allgegenwärtig, doch durch die Netflix-Doku Trump: An American Dream sollten sich auch die Menschen quälen, die den amtierenden US-Präsidenten nicht mehr sehen können. Denn die in vier Kapitel geteilte Dokumentationsreihe beleuchtet Trumps Vergangenheit mit schonungsloser Genauigkeit. Dabei stellen die Macher Trump nicht nur als reich geborenen und leichtsinnigen Spekulanten dar, sondern gehen auch auf seine geschäftlichen Erfolge ein. Dadurch verdeutlicht der Vierteiler, wie sich Trump zu dem Menschen entwickeln konnte, der heute der mächtigste Mann der Welt ist und sich trotzdem täglich mit arroganten und feindseligen Äußerungen blamiert. +++ Spielzeug – Das war unsere Kindheit verrät schon im Titel, worum es geht: In der Netflix-Dokuserie stehen Spielsachen im Fokus, die die Kids damals liebten und heute sammeln. Neben interessanten Gesprächspartnern und tiefgehendem Fachwissen überzeugt die Reihe durch ihren Witz. Auch wenn – wie im Falle von Lego – auf schwierige Kapitel der Firmengeschichte eingegangen wird, erlaubt das schräge Thema lustige Betrachtungsweisen. In den vier Episoden der soeben erschienenen zweiten Staffel geht es um Star Trek, Transformers, LEGO und Hello Kitty. +++ Finanziell hat sich Disney mehr erhofft vom zweiten Anthology-Film. Solo: A Star Wars Story nun zum Abschuss freizugeben, wäre jedoch unfair. Für das, was er ist – nämlich ein leichtverdaulicher Weltraumwestern – macht er seine Sache gut. Alden Ehrenreich spielt den jungen Gesetzlosen Han Solo und wirkt dabei wie eine gelungene Kopie von Harrison Ford. Die Illusion wirkt für deutschsprachige Kinogänger durch die Synchronisation von Florian Clyde sogar noch stärker. Mysterien rund um die ersten Begegnungen mit Chewbacca und Lando Calrissian aufzulösen, nimmt der Figur hingegen das Geheimnisvolle, was ihr eher schadet. „Star Wars“-Fans werden „Solo“ trotzdem lieben. Alle anderen verpassen nichts, wenn sie erst wieder zu Episode 9 ins Kino gehen.

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