Kurz & knapp #8: ASD, A$AP Rocky, Daredevil, Rocket League, Moon Knight…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: ASD, Marsimoto, A$AP Rocky, Celo & Abdi, Refused, Daredevil, Nas, Rocket League, LEGO Jurassic World, Moon Knight, Hulk, Batman und Ant-Man.

 

ASD „Blockbasta“

Es fühlt sich wie eine Reise 12 Jahre in die Vergangenheit an, als wir in kurzen Hosen im Matheunterricht saßen und nur daran gedacht haben, wie der heiße Nachmittag verbracht werden soll. ASD lieferten uns damals mit ihrem Sensationsalbum „Wer hätte das gedacht?“ den passenden Sommersoundtrack dazu. Zwischen 2003 und 2015 ist in der HipHop-Szene viel passiert. Die damaligen Top-Rapper Afrob und Samy Deluxe wurden mittlerweile von den Sidos und Bushidos in Sachen Popularität abgelöst – es schleicht sich daher das Gefühl ein, dass das neue Kollaboalbum „Blockbasta“ eher untergehen wird. Musikalisch schließt die Platte an den Vorgänger an: Neben Themensongs wie „Tortellini Augen“, Überall ist Krieg“ und „Bruda“ stehen vor allem die „Sneak Preview“-igen Abgehnummern à la „Mittelfinga hoch“ „Legendär/Populär“, „Airhorn“ oder „Antihaltung“ im Mittelpunkt. Gerade diese Momente funktionieren ausgesprochen gut und lassen vergessen, dass das Gesamtwerk dann doch etwas aus der Zeit fällt. Saubere aber einfache Doppelreime und Afrobs nach wie vor recht kalter und ungelenker Flow klingen nicht wie Rap 2015. Aber genau das ist irgendwie der Charme von „Blockbasta“. Als wären wir wieder die Kids Anfang der 2000er, die in den warmen Freibadmonaten schon mit ein paar knalligen HipHop-Nummern zufrieden waren. Nicht mehr und nicht weniger. Marterias Alter-Ego Marsimoto ist ebenfalls zurück und liefert mit „Ring der Nebelungen“ ein dermaßen hochwertig produziertes Album ab, dass man aus dem Kopfnicken gar nicht mehr herauskommt. Die deutschsprachige Version von Quasimoto ist mit Radauhymnen wie „Anarchie“ oder „Illegalize It“ ordentlich auf Krawall aus und macht neben den hervorragend ausgearbeiteten Beats vor allem auf textlicher Ebene dank ausgefuchster Wortspiele und cleverer Ideen wieder richtig Spaß. Marsis Album Nummer Vier wirkt wie aus einem Guss, macht nix wirklich neu, dafür alles besser. Kiffer-Lifestyle, den auch überzeugte Nichtkiffer feiern können.

 

A$AP Rocky „At.Long.Last.A$AP“

Mit seinem zweiten Album „At.Long.Last.A$AP“ meldet sich A$AP Rocky zurück. Trotz eines verfrühten Leaks im Internet kann das Album auf finanzieller Ebene als Erfolg verbucht werden. Was aber viel wichtiger ist, der Longplayer überzeugt auch aus musikalischer Sicht. Samplelastige HipHop-Kost, die mal hymnische Kampfansage („Holy Ghost“), mal Ohrwurm par excellence („Excuse Me“), mal bedrohliches Bassgrollen („M‘$“) und mal einfach nur chillige Feierabendmucke („Everyday“) sein kann. Ein verdammt vielseitiges Album, das mit seinen 18 Anspielpunkten hier und da zwar ein paar Längen besitzt, dennoch genau das richtige für die heißen Tage des Sommers ist. “Bonchance” heißt das neue Album des Azzlack-Tag-Teams Celo & Abdi. 14 Tracks plus 3 Bonusstücke, die dank durchgängiger Beatschusterei von m3 und textlicher Kohärenz in sich völlig geschlossen klingen. Das Faszinierende an den Straßengeschichten der beiden Frankfurter ist, dass es darin in der Regel nicht um den nächsten Mutterfick geht, sondern um blumig ausformulierte Berichte aus den dunklen Seitengassen der Bankenmetropole. Das Duo ergänzt sich dabei perfekt, wobei vor allem Abdi dank verstärkter Flowspielereien etwas mehr heraussticht. Unterhaltsamer und besser ausproduziert bekommt man deutsche Straßenrap-Attitüde derzeit wohl nirgendwo anders geboten. Beenden wir diese sehr HipHop-lastige Ausgabe mit einem echten Gitarrenmusikkracher: Mit „Freedom“ veröffentlichen Refused nach 17 Jahren Wartezeit endlich ein neues Album, das durch eine Stilvielfalt besticht, die von der lauten Dampfwalze („Dawkins Christ“) über rotzige Popnummern mit frechem Kinderchor („Françafrique“) bis hin zu von Bläsern unterstützten Beinahsommerhits („War On The Palaces“) reicht. Die zehn Stücke verteilt auf eine knappe Dreiviertelstunde können sich eben nicht so recht entscheiden, ob sie dich nun melodiös zum tanzen oder brachial zum springen bringen möchten. Freunde mit Genre-Stempel werden sich hier die Zähne ausbeißen bis sie merken, dass man derartig gute Musik überhaupt nicht in Schubladen stecken sollte.

 

Nas: Time Is Illmatic

Seit April ist die erste Staffel der Netflix-Serie Daredevil in aller Munde. In 13 Episoden nimmt es der blinde Anwalt Matt Murdock sowohl im Gerichtssaal als auch nachts auf den Straßen New Yorks in der Rolle des titelgebenden Superhelden Daredevil mit kriminellem Gesocks auf – seinen außerordentlich gut ausgeprägten Restsinnen sei Dank. Die Serie begeistert durch einen sehr düsteren und erwachsenen Look, der sich auch in der harten Gewaltdarstellung widerspiegelt. Eine bunte Marvel-Produktion à la Avengers ist hier nicht zu erwarten. Dafür bekommt der Zuschauer eine nervenaufreibende Geschichte mit handgemachter Action geboten. Charlie Cox ist dabei eine gelungene Wahl für die Rolle des Daredevils, geht bei dem restlichen Cast rund um den sympathischen Buddy Foggy und den wirklich grandios bösen Antagonisten etwas unter, was aber wirklich nur Meckern auf hohem Niveau ist. Spätestens nach der vierten Episode hatte mich die Serie. Eine zweite Staffel wurde bereits angekündigt. Mit einem Jahr Verspätung ist nun auch in Deutschland die Dokumentation Nas: Time Is Illmatic erschienen. One9 und Erik Parker zeigen in der 75-minütigen Doku, wie Nas‘ legendäres Debütalbum „Illmatic“ entstand, das für viele als eine der besten Rap-Platten aller Zeiten gilt. Der Film ist durchweg professionell inszeniert, lässt neben dem Rapper selbst auch wichtige Wegbegleiter wie Bruder Jabari, Vater Olu Dara, MC Serch oder Large Professor zu Wort kommen und präsentiert die Queensbridge Projects nebenbei als zweiten Hauptdarsteller. Denn die Macher frühstücken nicht bloß ein halbherziges Making-Of ab, nein, sie versuchen den damaligen Zeitgeist einzufangen, um Sinn und Faszination des Albums deutlich zu machen. Nach dem Genuss der Dokumentation möchte man nichts anderes als „Illmatic“ auf voller Lautstärker pumpen. Ein besseres Qualitätsmerkmal könnte es für „Time Is Illmatic“ nicht geben. Nicht nur für HipHop-Hörer, sondern allgemein für Musikbegeisterte eine wertvolle Geschichtsstunde.

 

LEGO Jurassic World

Wer jetzt schon Stefan Raabs Autoball-WM vermisst, wird mit dem Download-Spiel Rocket League auf PC oder PlayStation 4 jede Menge Spaß haben. Ob Online, mit Kumpels per Split-Screen oder als Singleplayer, die rasante Mischung aus Fußball- und Rennspiel ist leicht zu erlernen, jedoch schwer zu meistern, bietet dank Tuning- und Customize-Features erfreulich viel Tiefe und ist immer wieder für ein, zwei Runden zwischendurch gut. Hat man es jedoch mit einem zu starken Gegner zu tun, kommt man leider nicht über planloses „Ballhinterherfahren“ hinaus. Trotzdem: Unbedingt checken! Passend zum ultraerfolgreichen Film erschien mit LEGO Jurassic World ein weiteres Spiel des dänischen Klötzchenherstellers. Es ist keine wirkliche Überraschung, dass das Game sich sowohl spielerisch als auch technisch in keinster Weise von seinen unzähligen Vorgängern absetzt. Der Spieler navigiert entweder eine Figur oder einen Dinosaurier durch Szenen aus den vier Filmen. Das Ganze wurde mit so viel Witz und Liebe zum Detail gestaltet, wie man es von den LEGO-Spielen mittlerweile gewohnt ist. Leider kann „Jurassic World“ nicht mit den Open-World-Qualitäten eines „LEGO Marvel Super Heroes“ mithalten. Auch der eine oder andere nicht (mehr) so bekannte Charakter sowie deren an den Haaren herbeigezogenen Fähigkeiten, verleiten durchaus zum Achselzucken. Wer bisher noch keinen Zugang zu den LEGO-Spielen hatte, wird auch mit diesem Game keinen bekommen. Der Rest wird „LEGO Jurassic World“ sicherlich auch unabhängig von diesen Sätzen kaufen.

 

Moon Knight: Blackout

Marvels mysteriöser Antiheld Moon Knight geht mit “Blackout” in die zweite Runde seiner außergewöhnlichen Comicreihe. Nicht unbedingt stringent, aber sehr intelligent erzählt, punktet die Geschichte rund um den Mordanschlag auf einen afrikanischen Politiker durch eine ungewöhnliche Bildsprache, die in einem Kapitel beispielsweise einzig und allein durch Handy- und Sicherheitskamerabilder dargestellt wird. Auch durchaus ungewöhnlich ist, dass Brian Wood (Texte) und Greg Smallwood (Zeichnungen) für diesen zweiten Band bereits Warren Ellis und Declan Shalvey beerbt haben. Ein weiterer Beleg für den spannenden Ansatz, den dieser unbedingt empfehlenswerte Comic verfolgt. In Ausgabe 2 des Hulk-Sonderbandes „Der Omega-Hulk“ nimmt der grüne Riese den Kampf gegen Gammastrahlung auf und versucht entsprechend betroffene Lebewesen zu heilen. Nicht alle wollen das, weshalb es in diesem von Gerry Duggan geschriebenen und von Mark Bagley gezeichneten Comic zu ordentlichen Keilereien kommt. Sogar ein waschechter T-Rex lernt Hulks Faust kennen. Ein actionreiches Heft mit vielen interessanten Moralfragen, das ihr auch ruhig ohne den Genuss des ersten Teils lesen könnt. Auch ein Batman muss mal Urlaub machen. Leider hält ihn schon am Flughafen ein Ökoterrorist auf, der unbedingt gestoppt werden muss. Die 38. Ausgabe der monatlichen Batman-Reihe lohnt sich für Gelegenheitsleser, da Francis Manapuls und Brian Bucellatos Urlaubsvertretungen Benjamin Percy und John Paul Leon hier eine abgeschlossene Kurzgeschichte erzählen. Eine spannende noch dazu, die mit einem im Sepiaton gehaltenem und schick grobem Zeichenstil einen ansehnlichen Eindruck macht. Passend zum Ant-Man-Film, der am 23. Juli in die deutschen Kinos kommt, startete nun eine neue Serie von Autor Nick Spencer und Zeichner Ramon Rosanas. Statt Hank Pyms Geschichte wird in Band 1 „Kleine und große Schwierigkeiten“ die des sympathischen Losers Scott Lang erzählt. Neben einer Stellenausschreibung von Tony „Iron-Man“ Stark beschäftigen den zweiten Ameisenmann vor allem das zerrüttete Verhältnis zu seiner Tochter Cassie und deren Mutter Peggy. Alles in allem ein gelungener Start, der reihenweise Gags abfeuert und dank zig Popkulturreferenzen perfekt in die heutige Zeit passt. Als Bonus gibt es für Nostalgiker am Ende des Bandes die zeitlos gute Origins-Story von 1979.

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