Doin‘ Time in Times Square: Das Home-Video aus der Hölle

Charlie Ahearn lebte in den achtziger Jahren auf dem Times Square. Sein Kurzfilm „Doin‘ Time in Times Square“ zeigt, weshalb Touristen diese Ecke New Yorks damals noch gemieden haben.

 

1983 erschien mit “Wild Style” ein Film, der die Hip-Hop-Szene maßgeblich prägte. Auch in Deutschland fühlten sich viele Jugendliche nach der Erstausstrahlung im ZDF am 7. April 1983 dazu animiert, sich mit dem Thema Hip-Hop zu beschäftigen. Denn „Wild Style“ gilt nicht nur als ein Zeitzeugnis einer Jugendkultur, die langsam begann, sich im Mainstream festzusetzen, sondern auch als erster Film mit derartigen Inhalten.

 

Das kulturelle Potenzial einer Stadt

 

Charlie Ahearn war der Schöpfer des Projekts. Als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent trägt „Wild Style“ seine Handschrift. 1973 zog Ahearn nach New York, um sich als Künstler zu etablieren. Das Rohe, Dreckige, aber auch das kulturelle Potenzial der Stadt inspirierten ihn. Er setzte vor und nach „Wild Style“ weitere Projekte um, die das Leben in der Stadt, die niemals schläft, aus seiner Sicht zeigten.

 

Zwischen 1981 und 1993 lebte er mit seiner Familie am Times Square. Eine Zeit, in der das Theaterviertel weit entfernt war von den Glanzzeiten der vierziger und fünfziger Jahre. Statt Hochkultur übernahmen Peep-Shows und zwielichtige Gestalten die Straßen. Ahearn schien das, was sich unter seinem Apartment auf der 43rd Street abspielte, dennoch zu faszinieren. Er schnappte sich seine Kamera und filmte mit.

 

Veränderungen kommen

 

Entstanden ist der Kurzfilm „Doin‘ Time in Times Square“. Ein 39-minütiger Zusammenschnitt, der das harte Leben New Yorks schonungslos und unkommentiert zeigt. Dabei werden Prügeleien, das Gebaren verzweifelter Menschen und Einsätze der Polizei immer wieder durch Aufnahmen von dem, was innerhalb des Apartments passiert, unterbrochen. Das brachte dem Film den Untertitel „the home video from hell“ ein.

 

Bisher war das Werk nur auf DVD erhältlich. Vor einigen Monaten stellte Charlie Ahearn den Kurzfilm jedoch auf seinem vimeo-Kanal zum kostenlosen Streaming bereit. Ein Blick lohnt sich, denn „Doin‘ Time in Times Square“ zeigt den heute von Leuchtreklamen überfluteten Platz von einer Seite, den sich Touristen kaum vorstellen können. Die Zeit schreitet voran und mit ihr kommen Veränderungen. „Doin‘ Time in Times Square“ verdeutlicht, wie das konkret aussehen kann.

 

Hier geht’s zum kompletten Film: Doin‘ Time In Times Square

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