Review: Donjon

Was passiert, wenn sich vier französische Comiczeichner zusammenschließen, um das Fantasy-Genre auf die Schippe zu nehmen? Sie kreieren eine absurd witzige Comicreihe mit einem genialen Konzept und monumentalen Ausmaßen: „Donjon“.

 

Christophe Blain, Manu Larcenet,  Joann Sfar und Lewis Trondheim parodieren die klassische Jagd nach Ruhm, Ehre, XP und Loot im Dungeon, die man beispielsweise aus Spielen wie „Diablo“ kennt, auf perfide Art und  Weise: In ihrer Welt, der „Terra Amata“, ist der Dungeon ein kapitalistisches Großkunstwerk, das einzig und allein aus einem Grund existiert – um den Abenteurern ihr Geld abzuknöpfen. Die eigentliche Hauptfigur der Geschichten ist Donjon, eine riesige Burg mit Kellern und Verliesen, die nach dem Hauptturm französischer Burgen benannt ist (der englische Begriff Dungeon leitet sich ebenfalls hiervon ab).

 

Wer das Ausmaß der Comicserie erfassen will, sollte sich zuerst über das Konzept hinter „Donjon“ informieren. Denn untergliedert in drei Haupt- sowie drei Nebenserien und auf über 300 Alben geplant, steckt eine großartige Idee in den bunten Bildern. In der ersten der drei Hauptserien, dem „Morgengrauen“, lernt man Hyazinth de Cavallère kennen. Eine junge Eule voller Abenteuerlust und Idealismus, die enttäuscht von der Sittenlosigkeit der Welt zum Kapitalisten wird und sich anschickt, den Donjon gewinnbringend für andere Abenteurer zu eröffnen. In den ersten 100 Bänden ( Level -99 bis Level 0) erzählen Trondheim und Kollegen wie das Donjon zu dem wurde, was es im „Zenit“ (der zweiten Hauptserie) ist. Im „Zenit“ begleiten wir dann den Enterich Herbert von Vaucanson und Marvin den stolzen Drachisten, die als Angestellte im Donjon arbeiten (dies geschieht von Level 1 bis 100). Eule Hyazinth, hier als „Wärter“ bekannt, ist als Leiter des Donjons nur noch eine Nebenfigur. In der „Abenddämmerung“ ( der dritten Hauptserie) wird vom Untergang des Donjons und der „Terra Amata“ erzählt. Der stark gealterte Marvin ist der Lehrmeister eines jungen Hasen, der „roter Marvin“ genannt wird. Der Zeichenstil der 100 „Abenddämmerung“-Bände ist, verglichen mit den beiden anderen Hauptserien, der düsterste, was die apokalyptische Stimmung  unterstreicht.

 

„Donjon“ ist randvoll mit Absurditäten und harter Gewalt. So wird Herbert von seinem Auftraggeber das Herz herausgerissen, ein Dorf voll fremdenfeindlicher Hasen wird niedergebrannt und ein sprechender Gürtel verbietet ein Schwert zu ziehen, bis drei große Taten mit den bloßen Händen vollbracht wurden. Die drei Nebenserien, von denen „Bonus“ leider noch nicht auf Deutsch verlegt wurde, versorgen den Leser mit zusätzlichen Hintergrundinformationen zur Comicreihe. In „Monster“ widmen sich beispielsweise wechselnde Zeichner jeweils einem Lebewesen der „Terra Amata“ und in „Parade“ werden kleinere Abenteuer von Marvin und Herbert erzählt.

 

Wie schon erwähnt, ist die Serie auf über 300 Bände angelegt, doch leider lassen sich die Herren Zeichner mit den Veröffentlichungen der restlichen Bücher sehr viel Zeit. Seit 1998 erschienen die ersten sechs Bände des „Zenit“, fünf Bände aus dem „Morgengrauen“ sowie die ersten sechs Bände der „Abenddämmerung“. „Monster“ umfasst zurzeit zwölf Bände und „Parade“ fünf. Da seit 2009 kein neues Buch der Reihe mehr in den Handel kam, könnte man fast meinen, dass sich Trondheim, Sfar, Blain und Larcenet derzeit mit spannenderen Projekten zu beschäftigen scheinen, was ich angesichts der Genialität von „Donjon“ jedoch zutiefst verurteilen möchte. Reißt euch zusammen, Jungs!

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