50 Song Memoir: Ein Guide durch Stephin Merritts Mammutwerk

The Magnetic Fields „50 Song Memoir“

The Magnetic Fields haben ein biografisches Album über ihren Frontmann Stephin Merritt veröffentlicht. Darauf enthalten: 50 Lieder, von denen jedes für ein Jahr im Leben des Musikers steht.

 

Zwischen 1966 und 2015 lassen Magnetic Fields kein Lebensjahr von Stephin Merritt aus – einem Mann, der mehrere Bands hatte, ein gestandener Solokünstler ist und viele Soundtracks und Musicals geschrieben hat! Oder um es in nackten Zahlen zusammenzufassen: Merritts Leben ergibt 50 Songs, die auf fünf Platten verteilt wurden.

 

So arbeitsintensiv die Entstehung dieses Albums gewesen sein muss, muss sich auch die Annäherung des Konsumenten mit „50 Song Memoir“ anfühlen. Denn wie geht man ein Album an, das nicht nur ein ambitioniertes Konzept besitzt, sondern dieses auch auf rund 150 Minuten streckt? Gibt es herausragende Anspielpunkte oder funktioniert die Platte nur am Stück?

 

[amazon_link asins=’B01MRKJCKM‘ template=’ProductAd‘ store=’likeitis93-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’cebe2ff4-c552-11e7-9229-b975763d4b30′]„It’s mostly love and music, so don’t dig for much of a storyline“, schreibt Merritt zwar auf der Rückseite der Platte, doch ganz so einfach kommt er damit nicht durch. „50 Song Memoir“ ist ein faszinierender Ritt durch ein Leben, in dem mehr passiert ist als 9-to-5-Jobs und jährliche Sommerurlaube am Mittelmeer. Etwas mehr als „love and music“ muss also drin sein.

 

1966 bis 1975

1967 gibt es erste Lebenstipps: „Be nice, or come back as a cockroach“ lautet das Motto des zweijährigen Stephin. Mit den Zeilen „I think I’ll make another world / and fill it with whatever I want / No one can say I can or can’t” geht es 1971 in die erste Lebenskrise. Merritt selbst sprach dem Song Einfluss durch die legendäre Rockband The Zombies zu. Wirklich konkret wird es aber erst in „It Could Have Been Paradise“, das für das Jahr 1973 steht. Hier beschreibt Merritt seine damaligen Lebensumstände auf Hawaii und schließt mit der Erkenntnis, dass dies kein Paradies war, denn sonst wäre er noch immer dort.

 

 

1976 bis 1985

„Some people don’t know how to dance“, singt Merritt auf „Hustle 76“. Auf diesem Disco-angehauchten Beat ist das kaum zu glauben. Seine Jugend verbrachte der junge Stephin scheinbar tanzend. Mit „Foxx and I“ widmet er dem Synthesizer TB-303 von Roland eine entsprechende Hymne mit heftigem Elektroeinschlag, bevor er 1985 mit „Why I Am Not A Teenager“ seiner Teenie-Zeit per Akkordeon Lebewohl sagt.

 

 

1986 bis 1995

1988 verschwendet Merritt erste Gedanken an ein Musical. Edith Whartons Roman „Ethan Frome“ möchte er umsetzen und besingt das mit einer in Watte eingewickelten „La la la“-Hook. 1991 wäre nicht der Zeitpunkt gewesen, um ein so anspruchsvolles Projekt anzugehen, denn sein Selbstbewusstsein scheint am Boden: „The day I finally croak / because my life is a joke“. Da hilft nur noch Galgenhumor, der sich in Form von „A Serious Mistake“ bis ins Jahr 1995 zieht: „When will this comedy turn sour / a year, a month, a week, an hour?“

 

 

1996 bis 2005

An der Seite von Claudia Gonson besingt Stephin Merritt mit „Ghosts of the Marathon Dancers“ das Jahr 2000. Und auch wenn Ted Hope als Produzent und Ang Lee als Regisseur abgesprungen sind, mit 35 Jahren haut ihn so schnell nichts mehr aus der Bahn.

 

 

2006 bis 2015

Was für eine Abneigung Stephin 2008 plötzlich gegen das Surfen entwickelt hat, ist unklar. Wenn dabei ein so herrlich schlurfiges Lied herauskommt, ist aber alles in Ordnung: „Boring people go surfing / In those horrible shorts“. Doch der Spaß zog sich nicht durch die kompletten 2000er Jahre. Merritts basslastige Stimme entfaltet sich nämlich dann am besten, wenn er über die Liebe singt. Am besten über die unglückliche Liebe: „Till You Come Back to Me“ hofft er 2009 entsprechend brummig. Und wenn man kurz vor dem 50. Lebensjahr steht, kann man am Beispiel von New York auch mal die Schnelllebigkeit dieser Welt besingen: „You can never go back to New York / Cause it changes as quick as the weather“.

 

 

Was für ein Leben!

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