Die Alin Coen Band live: Nicht perfekt & deshalb perfekt

12.9.2018 - Freiburg, Jazzhaus

das Live-Album „Alles was ich hab“ von 2016

Obwohl oder gerade weil die Alin Coen Band am 12. September im Freiburger Jazzhaus halbfertige Lieder gespielt und Songs abgebrochen hat, kam ihr Konzert so gut an.

 

Vor zehn Jahren taten sich Alin, Jan, Philipp und Fabian zusammen, um die Alin Coen Band zu gründen. Seitdem spielte sich das Quartett einmal quer durch Deutschland und ließ dabei kaum eine Möglichkeit aus, den Menschen ihren Folk-Songwriter-Pop-Rock näherzubringen. Auftritte beim Bundesvision Song Contest, bei TV Noir und bei Inas Nacht inklusive. Im Freiburger Jazzhaus wurden zwar nur Handykameras auf die sympathische Band gerichtet, ein fernsehreifes Konzert spielten sie dennoch.

 

Sieben Jahre sind eine lange Zeit

 

Die Alin Coen Band bot den Zuhörern einen Querschnitt durch ihre Diskografie: Von unveröffentlichten Stücken wie „Beben“ bis zu älteren Songs wie „Same Boat“, die sie bereits bei ihrem ersten Freiburgbesuch spielten, war alles dabei. Sieben Jahre ist ihr letzter Freiburg-Auftritt im josfritzcafé her. Das ist eine lange Zeit, in der sich ihre Anhängerschaft deutlich vergrößert hat. Das Jazzhaus war zwar nicht ausverkauft, aber so voll, dass ein Fortbewegen zwischen den Zuschauerreihen nicht ohne Körperkontakt möglich war.

 

„Beben“ war nicht das einzige unveröffentlichte Lied, das Alin präsentierte. Selbst ein halbfertiges Stück hat sich in das Programm geschlichen. Es wird Zeit für eine neue Platte. Vier Jahre sind seit dem letzten regulären Studioalbum „We’re Not the Ones We Thought We Were“ vergangen. Lust auf eine neue Veröffentlichung scheint es von Seiten Alins zu geben. „Ist jemand im Publikum, der unsere nächste Platte aufnehmen will?“, fragte sie zum Scherz. Ein Scherz, in dem sicherlich ein kleines Fünkchen Wahrheit steckte.

 

 

Abbruchgrund: Haar im Mund

 

Musikalisch boten Alin und ihre drei Mitmusiker eine so liebenswerte wie abwechslungsreiche Vorstellung. Liebenswert, weil sich Alin auch von kleinen Komplikationen nicht aus der Ruhe bringen ließ. Als ihr ein Haar in den Mund geriet, brach sie den Song mit einem Lächeln ab, entschuldigte sich dafür und begann unter Applaus noch einmal von vorne. Abwechslungsreich, weil Alin auf Gitarre, Flügel und Keyboard zurückgriff, den Ablauf mit einem längeren Soloteil auflockerte und sowohl englisch- als auch deutschsprachige Lieder spielte.

 

Zwischen den Songs erzählte Alin immer wieder Anekdoten, die die Inhalte ihrer Texte erläutern sollten. Ob der ökologische Fußabdruck, der durch zu viel Konsum entsteht, oder ihre Gedanken zum Thema Babyklappen – sie erhob dabei nicht den Zeigefinger, sondern legte vorsichtig ihre Meinung dar. Da waren die Geschichten über ihre Bandmitglieder, die sie statt einer Vorstellungsrunde erzählte, fast schon harmlos. Manchmal ist es eben besser, wenn eine Band nicht dem perfekten Konzerterlebnis hinterherjagt.

 

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