Kurz & knapp #75: Petrol Girls, Denzel Curry, Prince, Umbrella Academy…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Petrol Girls, Denzel Curry, Prince, PnB Rock, Quantic, The Wrong Turn, Jamie Lenman, Injury Reserve, Mndsgn, The Umbrella Academy & Ein besonderes Leben.

 

Petrol Girls „Cut & Stitch“

Der Kampf um eine gerechte Welt hält an. Petrol Girls widmen ihm mit „Cut & Stitch“ einen Soundtrack, der ein- statt ausschließt. Ist das Patriarch erst einmal gestürzt, hilft das auch Männern, die unter Alphamännern leiden. Sängerin Ren Aldridge schreit, singt und spricht über die Post-Hardcore-Unterlagen, bekommt am Mikrofon aber auch Unterstützung ihrer männlichen Bandmitglieder. Aldridge füllt die Rolle der Galionsfigur mit Bravour aus. Nicht nur, weil sie kann, was sie tut, sondern auch, weil sie etwas Wichtiges zu sagen hat. +++ Rapper Denzel Curry hält es für Miami unten: „Come take a look at my city and its culture / City full of vultures, city full of Zoes / City full of gangsters that’s stickin‘ to the code”. Sein viertes Studioalbum „Zuu“ ist eine Konzeptplatte, die in teils cleveren, teils klischeebeladenen Zeilen das Bild einer faszinierenden Stadt nachzeichnet. Zwischen Party-Tourismus und „Scarface“-Romantik liegt viel mehr. Curry spricht es auf Beats an, die so funky wie hart klingen. Mit „Zuu“ liefert der 24-Jährige das rundeste Album seiner Karriere ab, dessen Stärken deutlich überwiegen. +++ Auf dem fünften posthum erschienenen Album „Originals“ interpretiert Prince 15 Stücke, die er zwar geschrieben, aber an andere Künstler abgegeben hat. So klingt es fast schon unwirklich, wenn der 2016 verstorbene Musiker „Manic Monday“ (The Bangles), „The Glamorous Life“ (Sheila E.) oder „Nothing Compares 2 U“ (Sinéad O’Connor) singt. Dadurch ist „Originals“ zumindest aus musikgeschichtlicher Sichtweise ein spannendes Album.

 

PnB Rock „TrapStar Turnt PopStar“

PnB Rock gibt sich auf seinem zweiten Studioalbum nicht mehr mit den kleinen Brötchen zufrieden. „TrapStar Turnt PopStar“ schielt auf den ganz großen Erfolg, verpasst es aber, mit Ideen zu überzeugen. 18 Songs bilden ein Doppelalbum, das trotzdem nur auf übersichtliche 53 Minuten kommt. Die Masse an gleichen Sounds (Trap & Autotune) und Inhalten (Frauen & Erfolg) erschlägt dennoch. Dabei kann der aus Philadelphia stammende Rapper auch anders: In „Middle Child“ mit XXXTentacion setzt er beispielsweise zu einer astreinen Rückschau auf sein Leben an. Hätte er das „Star“ etwas kleiner geschrieben, hätte die Platte ein Überraschungshit werden können. +++ Unter dem Namen Quantic veröffentlicht Will Holland Tanzflächen-orientierten Jazz, der sich an Funk, Elektro und karibischen Rhythmen bedient. Ein weiterer Beweis für diese musikalische Vielseitigkeit: Das neue Album „Atlantic Oscillations“. Die Platte entstand ursprünglich mit einem elektronischen Setup. Während des Entstehungsprozesses öffnete sich Holland aber auch für Live-Instrumente. So viel Offenheit lockte die Sängerinnen Denitia, Alice Russell und Nidia Góngora ins Studio, die als musikalische Leuchttürme zwischen den instrumentalen Stücke agieren. „Atlantic Oscillations“ lässt sich nur schwer fassen, klingt dennoch wie aus einem Guss. +++ Wem Quantic zu feingeistig ist, knüppelt sich das Hirn mit „Bring Your Own Madness“ von The Wrong Turn weich. Die Stuttgarter Metal-Band fordert musikalisch nicht heraus, sondern gibt sich dem bewährten Konzept aus Schreien und Klargesang hin. Dass das Quintett in Songs wie „Angel On The Left, Devil On The Right” und “Caged In A Casket” anständige Sachen sagt, unterstreicht die Hörempfehlung nur.

 

Jamie Lenman „Shuffle“

“Shuffle” fasst Jamie Lenmans popkulturelle Vorlieben zusammen. Der Ex-Reuben-Frontmann covert auf dem Album alles, was ihn inspiriert und begleitet. Dabei macht er weder vor Stilen noch vor Formaten halt. Lenman verarbeitet instrumentale Filmmusik („Taxi Driver“), covert die Beatles in härterer Manier („Hey Jude“) und bastelt aus einem Kapitel seines Lieblingsbuches ein Hörspiel („You’re The Boss“). Dass das alles trotzdem in einem Hördurchgang funktioniert, ist die große Leistung von Lenman. +++ Das Hip-Hop-Trio Injury Reserve geht einen alternativen Weg und schießt auf seinem selbstbetitelten Debütalbum gegen Instagram-Rapper, denen Klamotten wichtiger sind als die Musik. Einem modernen Soundbild verschließen sich Injury Reserve trotzdem nicht. Neben klassischem Boombap packen sie auch elektronische Experimente aus. Irgendwo zwischen Tyler, The Creator und Ho99o9 pendeln sich die drei Musiker aus Arizona ein und fühlen sich damit hörbar wohl. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein Tipp für Fans von Hip-Hop-Beats: Produzent Mndsgn. versammelt unter dem passenden Titel „Snax“ ein gutes Dutzend Sample-lastiger Beatskizzen. Eine kurzweilige Angelegenheit, die gut ins Ohr geht.

 

The Umbrella Academy

Netflix hat nun eigene X-Men. The Umbrella Academy basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Gerard Way (Frontmann von My Chemical Romance) und Gabriel Bá. Darin adoptiert ein Wissenschaftler sieben Kinder mit außergewöhnlichen Kräften, um sie – ähnlich wie Marvels Mutanten – zu einem Superheldenteam auszubilden. Das geht allerdings schief und die Geschwisterbande bricht auseinander – bis sie eine drohende Apokalypse wieder zusammenschweißt. „The Umbrella Academy“ glänzt durch einen patenten Cast rund um bekannte Namen wie Ellen Page und Mary J. Blige. Trotz so vieler Hauptfiguren bekommt jede einzelne im Laufe der zehn Episoden genug Raum, um sich zu entwickeln. Auf typische Superhelden-Action mit bunten Kostümen wird verzichtet, wodurch sich die Serie von der Genre-Konkurrenz abhebt. Das motiviert bis zur letzten Folge und macht Lust auf die zweite Staffel, die Netflix bereits im April bestellte. +++ In der Autobiografie „I’m Special: And Other Lies We Tell Ourselves” erzählt der Schriftsteller Ryan O’Connell von seinem Leben als schüchterner Homosexueller mit Bewegungsstörungen. Netflix verfilmte das Buch nun unter dem Titel Ein besonderes Leben. In den acht Episoden der Comedy-Serie spielt sich O’Connell selbst und schreckt auch nicht vor expliziten und unangenehmen Szenen zurück. Die Nebendarstellerinnen rund um die überfürsorgliche Mutter Karen (Jessica Hecht), Arbeitsfreundin Kim (Punam Patel) und Schreckschraubenchefin Olivia (Marla Mindelle) stehen dem Spiel von O’Connell in Nichts nach.

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