Stick To Your Guns live: „It’s a beautiful fucking thing!“

6.7.2016 - Freiburg, Musikkeller Crash

Stick To Your Guns waren am 6. Juli in Freiburg und freuten sich nicht nur über “Refugees Welcome”-Aufkleber in der Altstadt. Am Abend spielten sie noch eine gefeierte Show im Musikkeller Crash.

 

styg3Dem guten Wetter hatten es die Fahrradfahrer auf der Schnewlinstraße an diesem Sommerabend zu verdanken, dass sie nur schwerlich vorankamen. Denn dutzende Konzertbesucher stimmten sich mit Cola, Bier und Gesprächen vor dem Musikkeller Crash im Schein der Abendsonne ein und blockierten dabei den Fahrradweg. Absteigen war fast schon Pflicht für die Drahteselbesitzer, denn wer in seiner Freizeit von bretternden Gitarren, harten Drums und aggressiven Growls begleitet wird, lässt sich von einer Fahrradklingel nicht aus der Ruhe und Geschweige denn in Bewegung bringen. Pünktlich um halb neun war aber Schluss mit der Straßenblockade, denn Supportband Wolf Down startete ihr Programm mit musikalisch heftigen und inhaltlich meinungsstarken Hardcore-Brechern, die von Anfang an klarmachten, dass es hier um das Vertreten von Haltung und Werten geht.

 

styg4„Respektiert die Anderen“, kommentierte Sänger Dave entsprechend seine Bitte, das Rauchen innerhalb des Konzertsaals einzustellen. AfD, Tierausbeuter, Kapitalismusbefürworter und fanatische Religiöse wurden mit weniger netten Worten in die Schranken gewiesen. Bloß nicht alles glauben, selbst tätig werden, dies war die Message der fünf sympathischen Ruhrgebiet-Natives, die immer wieder bekräftigt wurde: „Go with the flow – that’s what we’re taught / and like blind sheep we believe what we’re told“. Die vorderen Reihen wurden ab dem ersten Song angepeitscht und gaben sich sofort dem engagierten Vollkörperkontakt hin. Dave grölte seine zum Mitmachen animierenden Ansagen zwischen den Liedern auf Deutsch runter als wären es noch Textzeilen. Seine – nach dreißig Minuten schweißtreibendem Konzert – abschließenden Worte spuckte er auf Englisch heraus, damit auch wirklich jeder Anwesende begriff, welche Moralvorstellung Wolf Down vertreten.

 

styg2Stick To Your Guns ließen dem Publikum nach diesem gelungenen Start mit Ausrufezeichen nicht viel Zeit, um ein weiteres Mal die Freiburger Fahrradfahrer zu ärgern. Denn bereits kurz vor halb zehn standen Jesse Barnett und seine vier Bandkollegen auf der Bühne, um von „Empty Heads“ über „Nobody“ bis hin zu „The Crown“ Songs aus 13 Jahren Bandgeschichte zu spielen. Der positive Hardcore-Punk mit melodischem Einschlag lockte zum Teil sehr junge und weiblich-männlich ausgewogen durchmischte Besucher an, die noch ein Stück wilder auf die Musik aus Kalifornien reagierten als wenige Minuten zuvor bei Wolf Down. „I think it’s our first time here, I fucking love it“, gab Sänger Jesse bestätigend zu Protokoll und feuerte damit seine Gäste, die zum Großteil schwarze Shirts von Bands wie Sick Of It All, Defeater, Lagwagon, Slipknot und Rise Of The Northstar trugen, entsprechend an.

 

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im Sonnenuntergang nach Hause

Dass Dave von Wolf Down für einen kurzen Moment seine Freunde von Stick To Your Guns auf der Bühne unterstützen durfte, ist keine Überraschung. Auch wenn ein riesiger Ozean namens Atlantik die beiden Bands voneinander trennt, machen gemeinsame Einstellungen sie zu Brüdern im Geiste. Faust in die Luft strecken und etwas gegen die Ausbeutung der nichtwestlichen Welt tun: „I saw a ‚Refugees Welcome‘-Sticker this afternoon. It’s a beautiful fucking thing“, kommentierte Jesse seine Freude darüber, dass es in Deutschland scheinbar genügend Menschen gibt, die das Richtige tun. Auch wenn die Berührungsängste zwischen Publikum und Band von Anfang an recht gering waren, wurden sie spätestens nach dieser Aussage komplett eingestampft. Ein Konzertbesucher umarmte den Sänger aus Übersee sogar kurz, bevor er stage-divend wieder in der Menge verschwand. Ganz arbeitnehmerfreundlich war um halb elf das letzte Lied der Zugabe ausgespielt und zufriedene Crash-Besucher konnten ihre Ohrenstöpsel wieder herausnehmen. Glücklich gingen sie von dannen: Denn das war laut, befreiend und verdammt schön.

 

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