Review: Rogue One – A Star Wars Story

Dass ein Film, der lediglich auf einem Satz aus „Krieg der Sterne“ basiert, so viel Aufmerksamkeit generiert, ist beachtlich. Doch kann der „Godzilla“-Regisseur Gareth Edwards mit „Rogue One: A Star Wars Story“ dem Qualitäts- und vor allem Erfolgsdruck des gigantischen Science-Fiction-Franchises standhalten?

 

Mit „Episode 7“ brach vor einem Jahr ein „Star Wars“-Hype los, der nicht zu stoppen war. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich auch George Lucas‘ Science-Fiction-Franchise dem heute üblichen Veröffentlichungswahn à la Marvel in abgeschwächter Form unterwerfen muss und im Jahresrhythmus einen neuen Film veröffentlicht. Sorgen, durch dieses Überangebot an Audiovisuellem könne die hohe Qualität des siebten Saga-Teils nicht gehalten werden, wurden von ersten Trailern zu „Rogue One: A Star Wars Story“ wegwischt. Diese versprachen eine düstere, gar kriegerischere Atmosphäre und damit einen Film, der sich deutlich von der bunten Spielzeugoptik der vorangegangenen Streifen abhebt.

 

„Rogue One“ ist nicht „Episode 8“, sondern ein „Star Wars“-Ableger, der neben der Hauptreihe existiert. Das fällt gleich zu Beginn auf, denn der Film verzichtet auf den für „Star Wars“ typischen Lauftext, in dem sonst zusammengefasst wird, was bisher geschah. Was vor „Rogue One“ geschah, ist nicht wichtig, denn dieser Film ist selbst eine Vorgeschichte und basiert im Grunde nur auf einem Satz aus „Star Wars: A New Hope“ von 1977: „Für diese Baupläne sind viele Menschen gestorben.“ In „Rogue One“ geht eine Gruppe von Rebellen auf eine selbstmörderische Mission, um die Baupläne des ersten Todessterns zu stehlen, dank derer Luke Skywalker diesen in Episode 4 zerstören kann.

 

Darth Vader wirkt noch bedrohlicher

 

Kriegsfilm statt Märchen, Handfeuerwaffe statt Lichtschwert, Jedha statt Tatooine – es ist unheimlich spannend, das „Star Wars“-Universum noch einmal losgelöst von den großen Episoden kennenzulernen. „Rogue One“ macht das Leben in der weit entfernten Galaxie greifbarer, zeigt es aus der Sicht der kleinen Leute. Dadurch wirkt Darth Vader in seinen kurzen Auftritten noch bedrohlicher, denn Jedi-Kräfte sind nichts Allgegenwärtiges. Das „Expanded Universe“, das Geschichten fernab der Haupt-Story erzählt, hat die Romane, Videospiele, Comics und TV-Serien verlassen, um auf der Kinoleinwand auch die Gelegenheitsgucker zu erreichen.

 

Dabei ist „Rogue One“ ein von Regisseur Gareth Edwards stimmig inszeniertes Werk, was man nach dessen „Godzilla“-Debakel von 2014 nicht unbedingt hätte erwarten können. Der Film nimmt sich zu Beginn zwar viel Zeit, die Rebellen Jyn Erso (Felicity Jones) und Cassian Andor (Diego Luna) vorzustellen und auf die finale Mission einzustimmen, doch dieser langsame Start steht hervorragend im Kontrast zur bildgewaltigen Schlacht ab der Filmmitte. Die Sorge, Felicity Jones würde ihrer Kollegin Daisy Ridley aus „Das Erwachen der Macht“ ähneln, war unbegründet. Ähnlichkeiten sind zwar offensichtlich, aber wo Rey eine Karriere als sensible Luke-Skywalker-Nachfolgerin anstrebt, ist Jyn eine taffe Ganovin mit Herz.

 

„Rogue One“ wertet Episode 4 auf

 

Neben jeder Menge Fan-Service, der unter anderem durch Gastauftritte von Darth Vader, R2D2 und C3PO eingestreut wird, nutzen die Macher mit „Rogue One“ auch die Möglichkeit, Logiklöcher aus Episode 4 zu schließen. Beispielsweise wird nachvollziehbar erklärt, weshalb ein gigantisches Kriegsinstrument wie der Todesstern eine so dämliche Schwachstelle besitzt. Nichteingeweihten, die mit „Rogue One“ einen ersten Berührungspunkt zu „Star Wars“ bekommen, wird dadurch einiges an Spaß entgehen. Langeweile kommt spätestens ab der zweiten Hälfte, die deutlich actionhaltiger als die erste ist, dennoch nicht auf.

 

Und auch zwischen all der düsteren Stimmung gibt es ein paar Lacher und die typisch knuffigen Star-Wars-Maskottchen, die in der Vergangenheit durch Figuren wie Chewbecca und Jar-Jar Binks vertreten wurden. In diesem Falle ist es der herrlich von Alam Tudyk vertonte Droide K-2S0. Wir befinden uns zwar noch am Anfang der „Veröffentlichungsflut“, doch auch mit „Rogue One“ hat „Star Wars“ mehr als zufriedenstellend abgeliefert. 2017 folgt „Episode 8“ und 2018 der nächste Film der Anthology-Reihe. Ein Titel wurde noch nicht genannt, dafür aber Inhalt und Hauptdarsteller: Alden Ehrenreich wird den jungen Han Solo verkörpern. Ich habe ein verdammt gutes Gefühl bei alldem!

 

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