Review: Wu-Tang Clan – The Saga Continues

Der Wu-Tang Clan verzichtet auf neumodischen Schnickschnack und veröffentlicht mit “The Saga Continues” ein Album, das schon vor 15 Jahren hätte erscheinen können. Ob es heute noch funktioniert, haben wir geprüft.

 

Wenn der Wu-Tang Clan 2017 ein Album veröffentlicht, ist das so aufregend wie ein Tag in der Lüneburger Heide. Trotzdem ist mit „The Saga Continues“ das nunmehr siebte Studioalbum der zehnköpfigen HipHop-Supergroup erschienen. Und wie erwartet haben in der ersten Woche lediglich Martin Shkreli und rund 25.000 andere Hörer zugegriffen. Verglichen mit den Platinerfolgen, die die Rapper aus Staten Island zwischen 1993 und 2001 feiern konnten, ist das ernüchternd. Wer sich jedoch nur für die Qualität der Musik interessiert, dem dürften die Plattenverkäufe so egal sein wie die 300 Rapper, die im Laufe der Jahre im Dunstkreis des großen W mitgeschwommen sind.

 

Der Kern des Wu-Tang Clans besteht aus RZA, GZA, Method Man, Raekwon, Ghostface Killah, Inspectah Deck, U-God, Masta Killa, Cappadonna und Ol‘ Dirty Bastard. Auf „The Saga Continues“ sind U-God und der 2004 verstorbene Ol‘ Dirty Bastard nicht zu hören. Mitglieder wie GZA und Masta Killa greifen nur auf je einem Track zum Mikrofon. Im Fokus der Platte stehen der Wu-Tang-Anführer RZA sowie Wu-Tang-DJ Mathematics. Im Tag Team haben sie die Platte produziert, was beinharte Fans beruhigen dürfte. Musikalisch hochtrabende Experimente wie auf „8 Diagrams“ haben keinen Platz gefunden. Stattdessen werden die Boxen mit samplebasierten Brettern entstaubt.

 

Neben den Originalmitgliedern sind auch eine Handvoll Gäste zu hören, die mit ein paar Ausnahmen nicht bekannt sein dürften. Die Ausnahmen sind Big Puns Sohn Chris Rivers, Sean Price, Killah Priest und der in den Jungbrunnen gefallene Redman. „And these white folks love me like a Starbucks / Fuck with one dude, you gotta fuck with all us”, bewirbt sich Method Mans Bruder im Geiste entsprechend großmäulig als zehntes Clan-Mitglied. Starke Augenblicke gibt es auf “The Saga Continues” zuhauf. Leider werden diese mit wahllos zusammengewürfelten Massenkollaborationen verwässert. Am Ende bleiben Fetzen hängen, aber keine unvergesslichen Wu-Tang-Momente.

 

„You guys ready? Yo, y’all mother-motherfuckin‘ there?”, fragt RZA im Intro und begreift wahrscheinlich selbst, dass das nur eine Floskel ist. Auf „The Saga Continues“ muss sich niemand vorbereiten. Die Platte befriedigt einen ganz bestimmten Musikgeschmack, den es seit mindestens drei Dekaden gibt. Wer einen Abenteuerurlaub sucht, sollte diesen bei den Lils und Youngs irgendwas buchen. Wer dagegen einen unaufgeregten Trip dorthin machen möchte, wo er schon einmal war, sollte ein Bahnticket in die Lüneburger Heide ziehen.

 

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