Review: Star Wars – Die letzten Jedi

Fans und Kritiker sind sich nicht einig: Ist „Star Wars: Die letzten Jedi“ langweilig und überladen oder ein Meisterwerk, das auf einer Stufe mit „Das Imperium schlägt zurück“ steht?

 

Ganz so groß wie auf Episode sieben war die Vorfreude auf den achten Teil der „Star Wars“-Hauptreihe zwar nicht, doch der Hype-Zug rollte trotzdem los und überschritt wenige Wochen nach Kinostart die magische Box-Office-Marke von einer Milliarde Dollar. Welchen Weg Luke Skywalker seit seinem Verschwinden eingeschlagen hat, ob er Rey unter seine Fittiche nimmt und was Kylo Ren zu all dem zu sagen hat, waren die Kernfragen, mit denen „Das Erwachen der Macht“ die Kinobesucher in eine Wartezeit von zwei Jahren schickte. Wie sich das „neue Star Wars“ anfühlen würde, war mittlerweile bekannt, doch die offenen Fragen trieben dennoch Millionen Menschen auf der ganzen Welt – China ausgenommen – in die Lichtspielhäuser. Die, die rauskamen, waren sich nicht einig: Der Rolling Stone bezeichnete „Die letzten Jedi“ als langweilig, The Independent als einen Film, mit dem man einfach eine gute Zeit haben muss.

 

Für neue Wege mit dem Bekannten brechen

 

Trotz fantastischer Weltraumschlachten sollten die Figuren der Hauptgrund für den Kinoticketkauf sein. Widerstandspilot Poe Dameron löst Finn als wichtigste männliche Hauptrolle ab. Dieser spielt den hitzköpfigen, aber gutherzigen Helden so gut, dass dessen meuterisches Verhalten für den Zuschauer in jeder Leinwandminute nachvollziehbar ist. Überhaupt besitzen die meisten Figuren Ecken und Kanten, die sie zu mehrdimensionalen Charakteren machen. Das beschränkt sich nicht nur auf die Konflikte von Rey und Kylo Ren, die zwischen den unterschiedlichen Seiten der Macht immer wieder zu schwanken scheinen. Sicherlich kann über einzelne Figuren gestritten werden. Nicht zuletzt Mark Hamill selbst äußerte Bedenken über die Darstellung von Luke Skywalker. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson hatte jedoch den Mut, neue Wege zu gehen und die Zuschauer zu überraschen.

 

„Die letzten Jedi“ wartet mit einer so üppigen Besetzung auf, dass selbst kleinere Rollen von A-Liga-Darstellern verkörpert werden. Doch was Benicio del Toro in der Sequel-Trilogie macht, hat ein Samuel L. Jackson als Mace Windu auch in der Prequel-Trilogie getan. Statt sich über eine Verschwendung von Talent zu beschweren, sollte sich der Zuschauer über Qualität auch in den kleinsten Ecken des Films freuen. Überhaupt sind viele Kritikpunkte, die der Film ertragen muss, nicht neu und ziehen sich bereits seit den Anfangstagen durch das komplette Franchise. Unnötige Figuren, die die Merchandise-Verkäufe ankurbeln sollen, gab es schon vor der Disney-Übernahme. Bud-Spencer-Humor wird seit den ersten Dialogen zwischen Han Solo und Chewbecca gepflegt. Und wie Snoke war auch der Imperator ein gesichtsloser Platzhalter, der den Gesamtplot und nicht seine eigene Geschichte voranbringen sollte.

 

Für die Spannung Fehler in Kauf nehmen

 

Es wäre unfair, alle Schwächen aufzuzählen, die „Star Wars: Die letzten Jedi“ hat. Dafür ist der Film unter dem Strich zu gelungen. Logikfehler wie die Verfolgungsjagd der beiden Mutterschiffe, die Jahrzehnte nach dem Todesstern nicht durch eine Langstreckenwaffe oder kleinere Jäger gestoppt werden kann, werden zugunsten der Spannung in Kauf genommen. Der Film verkauft den Zuschauer aber nicht für dumm und gibt zumindest den Versuch einer Erklärung. Statt sich auf die Fehler und Ungereimtheiten zu konzentrieren, sollte der Fokus auf die Entdeckungen gelegt werden, die der Film bietet. Denn alles lässt sich bei einem Durchlauf gar nicht erfassen. „Die letzten Jedi“ ist ein Film, der Langzeit-Fans genug Raum für Interpretationen gibt, „Star Wars“-Anfänger aber nicht überfordert. Da „Star Wars“ kulturelles Allgemeingut ist, werden aber auch Neulinge kurze Auftritte wie die eines kleinen grünen Jedimeisters mit einer Gänsehaut honorieren.

 

„Wir kämpfen nicht gegen das, was wir hassen, wir kämpfen für das, was wir lieben“, sagt die liebenswerte Rose Tico im Finale. Ein einprägsamer Satz, den der Zuschauer auch zur inneren Standortbestimmung in der echten Welt heranziehen kann. Überhaupt bietet „Die letzten Jedi“ einige Bezugspunkte, die dem Zuschauer aus der Tagesschau bekannt sein könnten. Wenn Finn in Canto Bight eintrifft, ist er von der wohlhabenden Stadt begeistert. Rose weist ihn darauf hin, dass der Prunk nur durch den Waffenhandel möglich ist. Ein Waffenhandel, der vom Konflikt zwischen der Ersten Ordnung und dem Widerstand profitiert. So erklärt der Film nebenbei, weshalb es möglicherweise nach dem Ende des Imperiums wieder zu einer derartigen Auseinandersetzung kommen konnte.

 

„Die letzten Jedi“ ist ein Rausch in Überlänge: Figuren, die dem Zuschauer wichtig sind, bildgewaltige Szenen und ein Musikeinsatz, der so intensiv ist, wie in keinem „Star Wars“-Film zuvor. Wo „Das Erwachen der Macht“ die Fans abholte und in das neue „Star Wars“-Zeitalter einführte, ist „Die letzten Jedi“ das konsequente Fortführen einer Geschichte, die auf das Trilogie-Finale Lust macht.

 

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  1. Star Wars: Die letzten Jedi – eine Abrechnung – like it is '93 // das Popkultur-Magazin

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