Review: No Way Out – Gegen die Flammen

Der “Tron: Legacy”-Macher hat einen Film über den opferreichsten Feuerwehreinsatz seit den Anschlägen vom 11. September gemacht. Und das ist ihm trotz eines so sensiblen Themas zum Glück gelungen.

 

Kalifornien und Arizona gelten als die am stärksten von Wald- und Buschbränden betroffenen Bundesstaaten der USA. Um die damit einhergehenden Gefahren für Bevölkerung und Natur zu bekämpfen, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Elitefeuerwehreinheiten aufgebaut. Die sogenannten „Hotshots“ bestehen pro Einsatztruppe aus rund 20 Mitgliedern, die in unmittelbarer Feuernähe Brandschneisen schlagen, um dem Feuer den Brennstoff zu entziehen. Mit Arbeitsstunden zwischen zehn und 16 Stunden ist der Job nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich. Während der Bekämpfung eines unkontrollierbaren Feuers bei Yarnell in Arizona kam es 2013 zu einem Unglück. 19 von 20 Feuerwehrmänner der Granite Mountain Hotshot Crew starben in den Flammen.

 

Ein Drahtseilakt zwischen Faktentreue und Unterhaltung

 

Seit den Terroranschlägen vom 11. September kamen nicht mehr so viele Feuerwehrmänner bei einem einzigen Einsatz ums Leben. In der Geschichte der Hotshots gilt das Yarnell Hill Fire nach dem Loop Fire von 1966 mit zwölf Toten und dem South Canyon Fire von 1994 mit neun Toten als die opferreichste Tragödie überhaupt. Joseph Kosinski, der sich zuvor für „Tron: Legacy“ und „Oblivion“ mit Tom Cruise verantwortlich zeichnete, hat mit „No Way Out – Gegen die Flammen“ einen Film über diese Katastrophe gedreht. Und das ist keine leichte Aufgabe. Zwischen Faktentreue und Unterhaltung zu pendeln, ohne das Andenken der Verstorben unangemessen zu heroisieren oder für ikonische Szenen zu verdrehen, ist ein Drahtseilakt.

 

Zum Glück wirkt „No Way Out“ nie wie ein Heldenepos, das seine Figuren zu Übermenschen hochstilisiert. Stattdessen schafft es der Film, trotz eines Casts von zwei Fußballmannschaften, die Motivationen einzelner Feuerwehrmänner nachvollziehbar zu beleuchten. Josh Brolin spielt den Anführer Eric Marsh, der versucht seine früheren Süchte mit der neuen Sucht nach Adrenalin zu unterdrücken. In Brendan McDonough – gemimt von Miles Teller – sieht er eine jüngere Version von sich, die ebenfalls von den Drogen weggekommen ist und nun versucht durch die neue Aufgabe ein besserer Vater zu werden. Dabei ist der Film nicht emotional, weil er die leicht zu erreichenden Knöpfe drückt, sondern weil er Geschichten erzählt, die bodenständig und authentisch wirken.

 

Egal, ob Navy SEALs oder Feuerwehrleute

 

Bis zur finalen Tragödie versprüht „No Way Out“ ein gutes Gefühl von Teamgeist und Zielstrebigkeit. Ob Feuerwehrleute oder eine Gruppe von Soldaten spielt dabei keine Rolle. Ton und Umgang sind ähnlich und damit genau das, was Außenstehende von amerikanischen Berufsbildern dieser Art erwarten. Durch das Einbinden der Familien kommt zudem eine Ebene hinzu, die die Werte der Figuren vermitteln sollen. Filme wie „Act of Valor“ machen es ähnlich, wenn vor dem nächsten Einsatz noch einmal alle SEALs samt ihrer Familien zusammensitzen. Das verdeutlicht, für welche Heimat gekämpft werden muss. Egal ob in Somalia gegen Terroristen oder an der Heimatfront gegen eine Feuerwalze.

 

Eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, die von kilometerlangen Feuerwänden zerstört werden, machen greifbar, was für Gefahren die Feuerwehrmänner ausgesetzt sind. Die computergenerierten Flammen sehen in der Wüste Arizonas erschreckend echt aus. Umstürzende Bäume, Klapperschlangen und das Marschieren auf unwegsamen Gelände verdeutlichen das hohe Risiko, das der Beruf des Waldbrandbekämpfers in sich birgt. „Es ist zehn Uhr morgens und wir haben schon 40 Grad“, klagt einer der „Hotshots“ während der Entfernung von Gräsern und Sträuchern. Das kommt selbst im kühlen Kinosaal rüber. „No Way Out – Gegen die Flammen“ ist ein bildgewaltiges Action-Drama, das den Zuschauer mit einem bedrückenden Gefühl nach Hause schickt.

 

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