Review: Jail da Hustler – Ghetto Gold

Jail da Hustler ist ein Kind der Straße. 1983 mit Mutter und Stiefvater im sozialen Brennpunkt von Bremerhaven-Lehe aufgewachsen, schlug er früh eine kriminelle Laufbahn. All das kommt nun auf seinem Album „Ghetto Gold“ zusammen.

 

Was in der Presseinfo fast schon glorifiziert und stolz erwähnt wird („Mit 18 wird das erste Mal ein SEK der Polizei gegen ihn aktiv. Vorwurf: Organisiertes Verbrechen.“), wird auf „Ghetto Gold“ konsequent fortgeführt. Jail sticht ohne mit der Wimper zu zucken Leute ab, schlägt sich mit Groß und Klein, verballert sein Magazin, zieht Mitmenschen ab oder vercheckt Stuff an der Ecke.

 

Von Family Drink mit synthetischen Beats untermalt und von Jail mit hölzernen Aussagen ergänzt, wird das kriminelle Leben ordentlich romantisiert. So bekommt der Hörer auf „Ärger“ erklärt, dass Jail unfickbar und eine echte Gefahr für die Menschheit wäre, auf „Lehe“ wird seine gefährliche Heimat repräsentiert und das als „Serious Beach Track“ beschriebene „Gangster Grill“ ist der obligatorische Song über seine Anziehungskraft bei den weiblichen Wesen.

 

Doch das soll nicht klingen, als wäre „Ghetto Gold“ ein misslungenes Gangsta-Rap-Album. Jail kann definitiv rappen. Er flowt sich aggressiv und fließend über jede ihm vorgelegte musikalische Unterlage. Dirty-South-Sounds haben in Deutschland selten so gut funktioniert. Nichtsdestotrotz schafft es der Bremerhavener lyrisch nicht an die oberen Ränge der Szene heran. Ihm fehlen die nötigen stilistischen Mittel, um seine Texte interessant und unterhaltsam zu gestalten. Zusätzlich reicht die Themenauswahl nie über das übliche Szeneficken, Representen und Lärmmachen hinaus.

 

Jail präsentiert sich auf „Ghetto Gold“ als das was er ist: Ein Gangster, der lieber Crunk als Jay-Z hört. Doch was bei anderen durch bewusstes Übertreiben oder Wortwitz noch einigermaßen unterhaltsam rüberkommt, wird von JDH häufig zu plump und gewaltverherrlichend präsentiert. Ein Stück mehr Liebe zum Detail und „Ghetto Gold“ wäre das deutschsprachige Dirty-South-Meisterwerk schlechthin geworden.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.




Facebook
Instagram
Twitter
YouTube