Olli Schulz in Freiburg: Nach zehn Jahren Frieden geschlossen

19.7.2018 - Freiburg, ZMF

Volles Zelt: Olli Schulz auf dem ZMF

Zehn Jahre mied Olli Schulz Freiburg. Am 20. Juli 2018 kehrte er zurück und erklärte auf dem Zelt-Musik-Festival, warum es so lange dauerte.

 

„Ich bin in Freiburg, ich schaue in viele einfache Gesichter“, witzelt Olli Schulz über sein Publikum. Das erträgt den Spaß. Nicht so wie die Menschen in Erfurt, die angeblich überhaupt keinen Humor besitzen. Olli Schulz weiß, dass er ein geborener Entertainer ist. Seine wahre Leidenschaft liegt aber in anderen Bereichen. Der 44-Jährige hat sich gegen die Pimmelwitze und für die Musik entschieden. Pro Sieben ist nicht mehr, Joko und Klaas haben neue Sidekicks und „Schulz & Böhmermann“ hielt dem Quotendruck nicht stand.

 

Stattdessen nun mit „Scheiß Leben, gut erzählt“ das vierte Soloalbum – werden die Platten mit Der Hund Marie dazugerechnet, sogar das siebte. Olli zeigt sich darauf experimentierfreudig. Nicht bei allen Kritikern kam das gut an. Die Gäste des Zelt-Musik-Festivals zeigen sich hingegen gnädig und schenken Olli sogar für Streitbares wie dem Reggae-Stück „Wölfe“ Liebe. Überhaupt kann er sich auf seine Gäste verlassen. Olli ist dankbar und erlaubt, dass während seiner Show auf das Smartphone geschaut und mit dem Partner geknutscht werden kann.

 

„Ficken, Olli!“, ruft zwar niemand rein, aus stillen Mäuschen besteht das Publikum trotzdem nicht. „Hör auf zu brüllen oder such dir eine Kleinkunstbühne“, schreit Olli Schulz einem Reinrufer unter tosendem Applaus entgegen. Einem anderen lautstarken Wichtigtuer, der den Musiker mit einer Jukebox verwechselt, bietet er nicht ganz ernst gemeint an, einfach die Planung der nächsten Tour zu übernehmen. Dabei sind Klagen über die Setlist unangebracht. Zwischen Songs der neuen Platte schleichen sich immer wieder Klassiker ein. „Königskind“, „So lange einsam“, „Spielerfrau“, „So muss es beginnen“ – alte Fans bekommen immer wieder die Chance, mit Textsicherheit vor den „Fest & flauschig“-Hörern anzugeben.

 

Wobei sich an diesem heißen Sommerabend niemand mit Eitel- und Überheblichkeiten schmücken sollte. Olli selbst geht als gutes Beispiel voran, bricht „Wenn es gut ist“ nach wenigen Takten ab, um noch einmal von vorne zu beginnen. Er hat sich versungen, findet das Lied aber viel zu schön, um so einzusteigen. So ist er, der Typ, der seine fünfköpfige Band per Freestyle-Rap vorstellt und anschließend mit dem Tourmanager ein Mikrofonwerfen veranstaltet.

 

„Ganz nett der Olli Schulz, schade, dass er zurückgeblieben ist“, zieht er ein Fazit aus dem, was dagegen Kollegen über ihn denken. Zumindest behauptet er das im Spaß. Olli opfert sich, damit seine Zuschauer eine gute Zeit haben. Zum Kasper macht er sich immer wieder, wenn er beispielsweise ungelenk tanzt, peinliche Anekdoten erzählt oder andere Künstler imitiert. So entspannt und angekommen wie an diesem Abend, wirkte er dabei aber selten bis nie.

 

Vor zehn Jahren war Olli das letzte Mal in Freiburg und da sah die Sache noch anders aus. Damals spielte er gemeinsam mit Gisbert zu Knyphausen vor 50 Leuten im Jazzhaus. Eine Zeit, an die sich Olli nur ungern zurückerinnert. Die Zugabe nutzt er, um alte Wunden zu schließen. Damals war er hochverschuldet, hatte eine schwangere Freundin und erfuhr zehn Minuten vor dem Auftritt vom Tod seiner Oma. Er habe kein Problem mit Freiburg, aber die Stadt erinnere ihn an einen Lebensabschnitt, in dem er nicht glücklich war. Gut, dass Freiburg und Olli Schulz auf dem ZMF Frieden geschlossen haben.

 

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