Kurz & knapp #61: Greta Van Fleet, Idles, Thrice, Muse, Sabrina, Verschwörung…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Greta Van Fleet, Idles, Odeville, We Were Promised Jetpacks, Rebecca Lou, Fatherson, Thrice, Serious Klein, Muse, The Smashing Pumpkins, Mr Eazi, Juliet Naked, Chilling Adventures of Sabrina & Verschwörung.

 

Greta Van Fleet „Anthem Of The Peaceful Army“

Sie sind das nächste große Ding im Rock’n’Roll, klingen aber, als wären sie es schon in den Siebzigern gewesen. Nach der Debüt-EP „From The Fires“ von 2017 legen Greta Van Fleet mit der Langspielplatte „Anthem Of The Peaceful Army“ nach. Kaum ein Kritiker bemüht nicht die Vergleiche mit Led Zeppelin. Wer den Classic-Rock der vierköpfigen Band jedoch darauf reduziert, macht es sich zu einfach. Dafür ist das Songwriting zu komplex, was schon der langsam in Fahrt kommende Opener „Age Of Man“ beweist. Bleibt zu hoffen, dass Greta Van Fleet nicht als hochgehyptes Liebhaberstück alter Männer endet. +++ Idles spielen auf ihrem zweiten Album “Joy As An Act of Resistance” Punkrock mit Niveau. Statt peinlichem Hodengeschaukel brechen sie mit Männlichkeitsklischees, die seit Generationen überdauern: „I’m a real boy / Boy, and I cry / I love myself / And I want to try / This is why you never see your father cry / This is why you never see your father cry / This is why you never see your father”. Dabei spricht Joe Talbot mehr, als dass er singt. Der Eingängigkeit schadet das nicht. Stücke wie “I’m Scum“ oder „Danny Nedelko“ bleiben trotzdem im Ohr. +++ Odeville bewegen sich auf „Rom“ zwischen Hochglanz und Spucke. So singen sie auf „8 MM“ zu Klavierklängen über Zwischenmenschlichkeiten und rattern im darauffolgenden „Bitte ja bitte gleich“ zu schweren Gitarren ihren Hass auf die Gesellschaft herunter. Wenn ein Song wie „Die Verlangsamung der Zeit“ das Jungsein thematisiert und passend dazu ein Jugendchor einsetzt, verabschieden sich die Hamburger endgültig vom Spannungsreichtum. „Rom“ bietet Musik nach Maß, die sich wenig traut, aber trotzdem Spaß macht.

 

WWPJ „The More I Sleep The Less I Dream“

Vor Eingängigkeit triefende Hooks wollten We Were Promised Jetpacks auf ihrem vierten Studioalbum “The More I Sleep the Less I Dream” zwar nicht schreiben, bei “Tut nicht weh FM” könnten die Schotten trotzdem laufen. Der Opener „Impossible“ baut sich langsam auf, das darauffolgende „In Light“ lässt nicht locker und die restlichen acht Stücke pendeln sich in einer Laut-leise-Dynamik ein. Die Indie-Rock-Formel, die in den letzten 15 Jahren aufging, bringt auch diese Platte erfolgreich über die Ziellinie. +++ Als Riot-Grrrl-Walze macht sich Rebecca Lou auf ihrer Debüt-EP „Skeletons“ am besten. Doch nicht nur Punkrocksongs wie „Bitch U Look Good“ beherrscht die Dänin. Wer ganz genau hinhört, kann auf „I Wanne Be Your Everything“ sogar eine Prise Melancholie heraushören. Rotzigkeit schwingt aber auf allen sechs Stücken mit und davon profitiert diese Veröffentlichung. +++ Indie-Rock erster Güteklasse kommt von Fatherson. Auf ihrem dritten Studioalbum „Sum of All Your Parts“ spielt das schottische Trio widerborstige („The Rain“), eingängige („Making Waves“) und verträumte Gitarrenmusik („Nothing To No One“), die dem sechssaitigen Instrument immer wieder Raum zum Rummucken gibt. Popmomente stehen dennoch im Vordergrund. Die zeichnen sich aber durch Stil aus. +++ Thrice atmen nach dem Meisterwerk „To Be Everywhere Is To Be Nowhere“ von 2016 durch. Ihr zehntes Studioalbum “Palms” hat weniger Schwere inne, büßt deshalb aber nicht an Qualität ein. Ob Pianoballade („Everything Belongs“), Gitarrenmomente („Hold Up A Light“) oder Pop fürs Radio („The Grey“) – die Stärke der Platte liegt in ihrer Abwechslung.

 

Muse „Simulation Theory“

Mit „You Should’ve Known“ liefert Serious Klein ein im Sound diverses, aber dennoch stimmiges Debütalbum ab. Weich und hart schließt sich für den Rapper nicht aus. Auf „Voodoo Money“ berichtet er zu einer gefährlich rollenden Basslinie über falsche Lebensentscheidungen. Das smoothe „Thought I Let You Know“ mit Jerome Thomas im Refrain richtet sich hingegen an seinen Sohn. Der im Ruhrgebiet lebende Serious Klein setzt mit „You Should’ve Know“ ein starkes Ausrufezeichen. +++ “Simulation Theory” von Muse klingt wie das von “Stranger Things” inspirierte Cover-Artwork aussieht: Retro-Charme und Achtziger-Synthies ergeben die beste Gitarrenplatte des Jahres. Dabei spielen die Saiteninstrumente auf dem achten Studioalbum des britischen Trios überhaupt keine Rolle. Der für Arenen produzierte Elektropop setzt sich mit dem vorherrschenden politischen Klima auseinander: „When friends are thin on the ground and they try to divide us / We must find a way / We have entered the fray and we will not obey / We must find a way”. Nach dem klassischen Rockalbum “Drones” von 2015 trauen sich Muse mit “Simulation Theory” wieder mehr. Und das geht auf. +++ Auch wenn „Shiny and Oh So Bright, Vol. 1 / LP: No Past. No Future. No Sun.” alles andere als spektakulär ausfällt, holen Billy Corgan und seine Smashing Pumpkins viele Alt-Fans ab. Streicher und Gitarren tänzeln um einen Corgan herum, der sich nach dem akustischen Soloalbum von 2017 als Frontmann einer Alternative-Rockband wieder wohlfühlt. +++ Mr Eazi präsentiert auf seinem Mixtape „Life Is Eazi, Vol. 2: Lagos To London“ eine Mischung aus Dancehall, R’n’B und Hip-Hop. Die 15 Songs entstanden in den titelgebenden Städten, klingen aber nicht nach hektischen Geschäftsreisen. Stattdessen beherrschen auf „Lagos To London“ smoothe und vor allem melodische Beats das Soundbild. Die minimalistische Klangästhetik des nigerianischen Musikers ist unwiderstehlich und bringt – entschuldigt das billige Fazit – den Sommer noch ein letztes Mal für 2018 zurück.

 

Juliet, Naked

Nick Hornbys Bücher lesen sich, als hätte der britische Autor beim Schreiben immer eine Verfilmung im Kopf. Kein Wunder, dass die Hälfte seiner Werke bereits in Bewegtbild gebannt wurde. „Our Idiot Brother“-Regisseur Jesse Peretz nahm sich nun Juliet, Naked zur Brust. Die romantische Komödie erzählt von der Dreiecksbeziehung zwischen einem berühmten Sänger (Ethan Hawke), einem Fan (Chris O’Dowd) und einer Freundin (Rose Byrne), die die Obsession ihres Freundes erst nervt, sich dann aber selbst in den Star verliebt. „Juliet, Naked“ ist ein süßer Zwischendurchfilm, der dank seiner sympathischen Darsteller unterhält. +++ Chilling Adventures of Sabrina verschreckt diejenigen, die sich ein Remake der Sitcom „Sabrina – Total Verhext!“ erhofften. Statt sympathischer Tanten, sprechendem Kater und jugendfreiem Humor gibt es bei der Netflix-Sabrina Nekromanie, Horror und Blut. Angesiedelt im „Riverdale“-Universum wirkt die Serie wie eine Halloween-Version von Archies Abenteuern. Kiernan Shipka verkörpert die Rolle der jugendlichen Hexe mit einer Selbstverständlichkeit, die die Geschichte erst glaubhaft macht. Die zehn Episoden der ersten Staffel erzeugen nicht aufgrund von mangelnder Qualität Alpträume, sondern dank der gruseligen Inszenierung. +++ Mit Verschwörung drehte Regisseur Fede Alvarez die filmische Fortsetzung von Stieg Larssons Millenium-Romantrilogie. Claire Foy mimt darin eine Hackerin, die sich mit dem Staat und der organisierten Kriminalität anlegt. Der Thriller überzeugt durch seine Hauptdarstellerin, die angemessen zäh, glaubwürdig und trotz der harten Schale empathisch spielt. Passend dazu wirkt das eisige Stockholm wie eine Kulisse, die nur für diesen Film gebaut wurde. Nach den Horrorfilmen „Don’t Breath“ und „Evil Dead“ beweist sich Alvarez mit „Verschwörung“ auch in einem anderen Genre.

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