Kurz & knapp #65: Döll, Spidergawd, Callejon, Creed II, Die Conners, Fyre…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Döll, Spidergawd, Voidnaut, Razzmattazz, Spielbergs, Callejon, Pedro The Lion, Evil Within, Murder Mountain, Plötzlich Familie, Creed II, Die Conners, Fyre & Trigger Warning With Killer Mike.

 

Döll „Nie oder jetzt.“

Für Döll ist Boombap keine Frage des Stilmittels, sondern eine Lebenseinstellung. Auf dem Album „Nie oder jetzt.“ führt der Hesse das fort, was er 2015 auf seiner EP „Weit entfernt“ begann: Er liefert einen für heutigen Rap unüblichen Seelenstriptease, der sich um Spielsucht, Ex-Freundinnen und den eigenen Status in der Hip-Hop-Szene dreht. Dank dieser Platte beginnt das Rap-Jahr mit einem Höhepunkt. +++ Spidergawd spielen auch auf ihrer fünften Platte “Spidergawd V” Hardrock mit einem Kniff. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug gehört ein Saxofon zur Stammbesetzung, was den Songs noch mehr Eigenständigkeit verleiht. Herausgekommen sind gewohnt druckvolle Hits, die mit voller Absicht in Melodien baden. Besser kann das Jahr für Gitarrenmusikfreunde nicht starten. +++ Auf ihrem Debütalbum „Nadir“ leidet die Metalband Voidnaut unter keinerlei Startschwierigkeiten. Druckvoll spielen sich die Griechen durch neun riffgeladene Songs, die musikalische Härte und gutturalen Gesang mit wunderschönen Melodien und Klargesang in Einklang bringen. Statt des titelgebenden Nadirs passt Zenith deutlich besser zu den 38 gelungenen Minuten. ++++ 2015 spielten Razzmattazz als Support für Nazareth. Und genau da passt die Hard-Rock-Band aus Reutlingen hin. Ihr Zielgruppen-Sound klingt auch auf dem vierten Album „Hallelujah“ wie aus einer anderen Zeit. „Rock’n’Roll“, schreien die Harley-Davidson-Besitzer und werden sich vermutlich nicht an den zehn kernigen Songs übers Outlaw-Dasein satthören können.

 

Spielbergs „This Is Not The End“

Über mangelnden Hype können sich Spielbergs aus Oslo nicht beschweren. Ihr Debütalbum „This Is Not The End“ löst die Vorschusslorbeeren nun ein. Auf den zwölf Stücken pendelt ihr zugänglicher Indie-Rock zwischen Simplizität und Komplexität. So ist „Distant Star“ ein melodieverliebter Hit und „McDonalds (Please Don’t Fuck Up My Order)“ ein fast schon post-rockiger Achtminuten-Brocken. Musik, auf die sich zurecht alle einigen können. +++ Auf ihrem zweiten Cover-Album „Hartgeld im Club“ knöpft sich die Metalcore-Band Callejon deutschsprachige Rap-Songs vor. Die Ergebnisse fallen okay bis gewöhnungsbedürftig aus. Wenn schon die Vorlage einen Hang zur Rockmusik hat („Willst Du“ von Alligatoah“, „So perfekt“ von Casper“ oder „Urlaub fürs Gehirn“ von K.I.Z.“), geht der Reiz schnell verloren. Bei völlig rockfremden Stücke wie Bausas „Was du Liebe nennst“ oder Rins „Bros“ geht der Plan erstaunlicherweise auf. Trotzdem fällt „Hartgeld im Club“ weder provokativ noch innovativ aus. Das Spannendste an diesem Projekt bleibt leider das Cover-Artwork. +++ Mit „Phoenix“ erscheint das erste Album von Pedro The Lion seit 15 Jahren. Bandkopf David Bazan hatte Probleme, Inspiration und anschließend Mitmusiker zu finden. Dem Endergebnis hört man die Startschwierigkeiten nicht an. Der Emo-Rock versprüht eine unwiderstehliche Schwermut, in die sich die Hörer_innen fallen lassen können. Heimat, harte Jobs und Selbstliebe – Bazan verpackt tiefgründige Themen in Melodien, die nie kitschig wirken. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein Tipp für Fans der härteren Gangart: Evil Within geben mit ihrem Dark-Metal-Epos „Darker Than You“ ordentlich auf die Fresse. Dabei überzeugt vor allem die Mischung aus Jon Lagens Growls und Maria Galiatsous Gesang.

 

Plötzlich Familie

Die True-Crime-Doku Murder Mountain beleuchtet das nordkalifornische Humboldt County, wo das meiste Marihuana der USA produziert wird. Jährlich verschwinden dort dutzende Menschen spurlos, was nicht zuletzt an der Wild-West-Mentalität liegt, die in dieser Gegend noch immer vorherrscht. Im Mittelpunkt der sechs Episoden steht der 29-jährige Garret Rodriguez. „Murder Mountain“ geht aber auch auf die Geschichte des Orts ein, um zu zeigen, wie er zu seinem martialischen Spitznamen kam. Trotz einiger Längen lohnt sich die Doku für True-Crime-Fans unbedingt. +++ Mit einer Adoption möchten Pete (Mark Wahlberg) und Ellie (Rose Byrne) eine Lücke in ihrer Ehe schließen. Die Realität holt sie schnell ein. Aus einem werden drei Kinder, die das Paar auf eine harte Probe stellen. Plötzlich Familie ist eine US-amerikanische Dramedy, die nach den typischen Mustern des Genres funktioniert. „Daddy’s Home“-Regisseur Sean Anders dreht jedoch an den richtigen Stellschrauben, wodurch Zuschauer_innen gerne weinen und lachen. Die Definition von Gutfühlfilm. +++ Creed II – Rocky’s Legacy trägt die Fackel des Franchise nicht nur im deutschen Untertitel. Mit Ivan Dragos Sohn steht Adonis nun auch ein entsprechender Gegner gegenüber. Aber auch wenn der Film nach Sportfilmmaßstäben alles richtig macht, will im Laufe der 130 Minuten keine Spannung aufkommen. Zu vorhersehbar sind die Ausgänge, zu gering die Charakterentwicklungen. Schade, dass Dolph Lundgren und Florian Munteanu wenig Raum gegeben wurde, um die deutlich aufregendere Geschichte der Drago-Familie zu erzählen.

 

Fyre: The Greatest Party That Never Happened

Nachdem ABC einen rassistischen Tweet von Roseanne Barr zum Anlass nahm, eine Verlängerung der Sitcom „Roseanne“ zurückzuziehen, entschieden sich die Macher mit der Spin-Off-Serie Die Conners ohne das weibliche Familienoberhaupt weiterzumachen. Roseannes Alphafrauen-Fußstapfen füllt Tochter Darlene (Sara Gilbert) mit Bravour. Und auch der restliche Cast rund um Vater Dan (John Goodman), Tante Jackie (Laurie Metcalf) und Tochter Becky (Lecy Goranson) gibt sich große Mühe, die Lücke zu schließen. „Die Conners“ wirkt wie eine abgespeckte Version der Originalserie, macht in ihren besten Momenten aber genauso viel Spaß. +++ Fyre: The Greatest Party That Never Happened gibt einen tiefen Einblick in Billy McFarlands Festivalfiasko von 2018. Die Netflix-Doku funktioniert, weil sie – abgesehen von McFarland selbst – die wichtigsten Beteiligten zu Wort kommen lässt. Auch Mitschnitte von Meetings und Telefonaten sowie geleakte E-Mails ermöglichen einen fast schon bedrückenden Einblick in die chaotische Organisation des kolossal gescheiterten Events. Lustig und beklemmend zu gleich. +++ Rapper Killer Mike fühlt sich als Gastgeber von Trigger Warning sichtlich wohl. Die eine Hälfte des sozialkritischen Hip-Hop-Duos Run The Jewels ergründet in der sechsteiligen Netflix-Dokuserie, mit welchen Problemen schwarze US-Bürger_innen konfrontiert werden. Drogen, Gangs, Religion und Armut – Mike lässt kein Thema aus und versucht anhand von Gesprächen und Experimenten Lösungen zu finden. Das gelingt ihm nicht immer, regt aber zum nachdenken an und provoziert darüber hinaus ganz bewusst mit vielen Lachern.

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