Kurz & knapp #51: Quiet Slang, Mahlstrom, Chvrches, Explained, Deadpool 2, The Rain…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Svalbard, Quiet Slang, The Get Up Kids, Warmduscher, Mahlstrom, City Light Thief, Lena Stoehrfaktor, Chvrches, Agent Blå, Explained, Deadpool 2 & The Rain.

 

Svalbard „It’s Hard To Have Hope“

Songtitel wie “Unpaid Intern”, “Revenge Porn”, “Feminazi?!” oder „Pro-Life?!“ zeigen, in welche Richtung Svalbard inhaltlich gehen. Und so unangenehm die besungenen Themen sind, klingt auch die Musik auf dem Album „It’s Hard To Have Hope“. Denn die Briten machen Hardcore, der Fressen mit Anlauf einschlägt. Das heißt jedoch nicht, dass die Hörer plumpes Geknüppel zu erwarten haben. Die acht Stücke strotzen nur so vor Melodien und Post-Rock-Elementen. Vielmehr ist „It’s Hard To Have Hope“ eine Platte, die sich nur schwer in Genre-Schubladen pressen lässt und genau deshalb so unwiderstehlich ist. +++ Die Punk-Rocker von Beach Slang haben die Gitarren an den Nagel gehängt und unter dem Namen Quiet Slang alte Songs mit Streichern und Piano neu eingespielt. Das dabei entstandene Album “Everything Matters But No One Is Listening” klingt aber keinesfalls wie ein schlechter Witz. Im Gegenteil: Die Band rund um Sänger James Alex könnte für eine ganz neue Käuferschicht interessant werden. Stücke wie „Spin the Dial“, „Young Hearts“ oder „Future Mixtape for the Art Kids“ befeuern in ihren Unplugged-Versionen Alex‘ Songwriter-Qualitäten. Tiefe und Tragik können sich einen Hauch besser entfalten als zu den schweren Gitarren der Hauptband. Einziges Problem: Wer sich nicht darauf einlässt, wird aus den zehn Stücke nur ein ganz langes Lied heraushören. +++ Sieben Jahren sind seit dem letzten Album “There Are Rules” vergangen. Nun sind The Get Up Kids zurück und servieren mit der EP „Kicker“ den Soundtrack zu ihrer Tischfußballleidenschaft. Das darauf enthaltene Menü besteht aus vier einfachen Rocknummern, die mit guter Laune auf bevorstehende Grillpartys einstimmen. Viel hat sich an der Emo-Punk-Formel nicht geändert, worüber sich Fans, die lange auf ein Lebenszeichen warten mussten, sicherlich freuen werden.

 

Warmduscher „Whale City“

Es ist so monoton wie faszinierend, was Warmduscher auf „Whale City“ fabriziert haben. Die Post-Punker aus London rattern ihre Riffs und Rhythmen motorisch herunter. Der Textvortrag passt sich dem an, traut sich nur selten aus seinem Sprechduktus auszubrechen und in richtigen Gesang zu wechseln. Irgendwo wischen Muckertum und Rotzigkeit pendelt sich das nicht einmal eine halbe Stunde andauernde Spektakel ein. Und danach weiß man nicht, ob das nun geil oder anstrengend war. Im besten Falle beides. +++ „Was ist heute schon normal?“, schallt es dem Hörer auf dem Opener „Hyper-Normal“ entgegen. Damit geben Mahlstrom eine inhaltliche Marschrichtung für ihr drittes Release „Maeander“ vor, von der sie im Laufe der restlichen neun Songs kaum abweichen. Die Stuttgarter Emo-Hardcore-irgendwas-Punks beschäftigen sich mit dem Zustand der Welt. Dabei blitzen unter dem harten Kern immer wieder Melodien hervor. Lange halten die sich jedoch nicht im Scheinwerferlicht, denn dafür ist das Thema zu ernst. Weil wir so viel zu tun haben, sehen wir die wirklichen Probleme nicht. Ganz nach dem Motto: „Was da draußen vorgeht, zieht hoffentlich vorbei.“ Ein Album, das so gelungen wie wichtig ist. +++ Auch wenn die Platte „Nothing Is Simple“ heißt, könnte der Zugang zum dritten Album von City Light Thief nicht einfacher sein. Die Grevenboicher machen Post-Hardcore, der vom ersten bis zum letzten Song ins Ohr geht. Sänger Benjamin Mirtschin überzeugt dabei mit einer Stimme, die auf Stücken wie „Death Trip“ auch die ganz hohen Töne trifft. Melodie scheint sowieso wichtiger als Härte, was der Platte eine gewisse Zahnlosigkeit verleiht. Schnell schweift der Hörer ab, was schade ist, denn damit verpasst er die vielen musikalischen Spielereien.

 

Chvrches „Love Is Dead“

“Kommst mir nicht ins Haus, mein Sohn, mit Autotune und Anglerhut”, rappt Lena Stoehrfaktor auf ihrem neuen Album „Blei“. Diese Line zeigt, wie angriffslustig die Berlinerin auf den zwölf Tracks der Platte ist. Doch ihr Schlachtengesang richtet sich nicht nur gegen die deutsche Rap-Szene. Auch mit Gesellschaftskritik hält sie sich nicht zurück. Dabei vermeidet sie eine oberflächliche Beschreibung von Problemen und lässt stattdessen in Stücken wie „Heldin der Wahrheit“ konkrete Erfahrungen in die Texte einfließen. Zugänglich ist das alles trotzdem nicht. Lena verwendet Wörter wie „Toys“ oder „Wackness“ und gibt vom Flow bis zu den Beats alles dafür, nicht dem Zeitgeist zu entsprechen. Damit werden ihr die großen Bühnen zwar verschlossen bleiben, doch – und das ist viel wichtiger – sie zeigt eindrucksvoll Haltung. +++ Auf ihrem dritten Studioalbum “Love Is Dead” möchten Chvrches große Popmomente erzeugen – also Musik, die nicht nur ins Ohr, sondern auch ins Herz geht. Ersteres schaffen die Schotten mit Bravour. Das mit dem Herz ist dagegen so eine Sache. Dafür klingt ihr Kaugummi-Synth-Pop einfach zu offensichtlich auf Gänsehaut gebügelt. Wer sich schnell von ein bisschen Zuckerguss begeistern lässt, fällt vermutlich in Chvrches‘ Zielgruppe. Alle anderen wissen nicht, ob sie abschalten oder gleich kotzen sollen. +++ Kein Jahr haben Agent Blå verstreichen lassen, um nach ihrem selbstbetitelten Debütalbum mit der Vier-Track-EP „Medium Rare“ nachzulegen. Zur Freude von Indiepop-Fans, die ihr Lieblings-Genre ganz besonders mögen, wenn es von Atmosphäre und Melodien lebt. Dabei steht die Musik im Kontrast zum weiblichen Gesang, der verlockend gelangweilt, fast schon gelallt, vorgetragen wird. Agent Blå sind ein Geheimtipp aus Göteborg, der – wenn die Welt denn fair ist – bald keiner mehr sein wird.

 

Deadpool 2

Komplizierte Sachverhalte einfach und schnell erklären, ist das Konzept der Dokumentationsserie Explained. In unter zwanzig Minuten wird pro Folge ein Thema wie Designer-DNA, Monogamie oder K-Pop beleuchtet. Hierfür werden kompetente, aber auch unterhaltsame Fachleute interviewt und verständliche Bilder und Grafiken gezeigt. Das Format lässt zwar keine tiefgehenden Betrachtungen zu, bietet der Generation YouTube aber Einstiegspunkte in Gebiete, mit denen sie sich vorher (vielleicht) noch nicht beschäftigt hat. Pro Woche erscheint eine neue Episode auf Netflix. +++ Eine Kritik über Deadpool 2 zu schreiben, ist eine ziemlich einfache Sache. Denn ein Verweis auf den ersten Teil würde genügen, um alle wichtigen Punkte abzudecken. Ryan Reynolds Antiheld geht keine neuen Wege, baut stattdessen das aus, was im ersten Teil so gut funktioniert hat. Jeder Satz ist ein Gag, die Action ist blutig und ernst nimmt der Film weder sich noch jedes andere Superheldenuniversum. Das reicht, um zwei Stunden zu unterhalten, aber nicht, um vom Kinosessel gerissen zu werden. Mehr von einem „Deadpool 2“ zu verlangen, wäre aber auch ziemlich dämlich. +++ Netflix hört nicht damit auf, in jedem europäischen Land eigene Serien zu entwickeln, zu produzieren und zu filmen. So entstand letztes Jahr in Deutschland die wohlwollend aufgenommene Mystery-Serie „Dark“. Nun ist Dänemark an der Reihe und stimmt mit The Rain einen ähnlich düsteren Grundton an. Über den Regen breitet sich ein Virus im Land aus, der die Bevölkerung zu Zombies mutieren lässt. Simone und ihr Bruder müssen sich gemeinsam mit einer Gruppe Überlebender durch dieses postapokalyptische Szenario schlagen. Und so generisch der Plot klingt, so mittelmäßig ist er umgesetzt. Ständig bringen nicht nachvollziehbare Entscheidungen der Figuren die Geschichte zum Stolpern. Logiklöcher werden im Laufe der acht Episoden einfach ignoriert. Das ist schade, denn die skandinavische Schlechtwetterkulisse wirkt so unverbraucht, dass sie mehr verdient hätte.

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