Kurz & knapp #14: Bushido & Shindy, Master Of None, The Gift, Jessica Jones…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Little Simz, Coheed And Cambria, Bushido & Shindy, Lil Wayne, Antilopen Gang, Master Of None, The Gift, Die Highligen drei Könige, Marvel’s Jessica Jones, Spider-Gewn und Asterix.

 

Little Simz „A Curious Tale Of Trials + Persons“

Die 21-jährige Little Simz aus London hat mit „A Curious Tale Of Trials + Persons“ ein grandioses Rap-Album auf Menschen mit Musikgeschmack losgelassen, das hierzulande – dem minimalen Werbeaufwand geschuldet – wahrscheinlich völlig zu unrecht untergehen wird. Denn trotz jugendlichen Alters spittet sich Rapperin, Model und Schauspielerin Simbi Ajikawo, wie Little Simz mit bürgerlichem Namen heißt, über soulig zurückgelehnte Beats (u.a. von Iamnobodi), haut komplexe Reimketten raus als wären es Aufwärmübungen und spricht Themen an, die man nicht oft und energisch genug ansprechen kann: „Women can be kings“. 34 Minuten reichen der jungen Frau, um sich auf den 9 Tracks plus dem Interlude als selbstbewusste und nahezu komplette Künstlerin zu präsentieren. +++ Das ambitionierte Schaffen der Progressive-/Alternative-Rockband Coheed And Cambria rund um die „The Amory Wars“-Geschichte, die sie auf ihren bisherigen sieben Alben erzählt haben, ist einmalig in der Musikwelt. Damit ist nun aber erst einmal Schluss, denn die neue Platte „The Color Before The Sun“ ist völlig losgelöst davon und kommt somit ohne benötigtes Vorwissen aus. Das ist gegenüber Die-Hard-Fans mutig, die sich seit dem Vorgänger von 2013 eine Fortsetzung wünschen. Für unbedarfte Hörer aber auch eine Chance, den Einstieg in die durchaus poppig-orchestrale Musik zu finden. Entsprechend einladend und radiotauglich klingen Stücke wie „Island“ oder „Peace To The Mountain“. Es gibt einiges zu entdecken auf „The Color Before The Sun“: Streicher treffen auf Ohrwurmrefrains, eine akustische Nummer in der Mitte des Albums nimmt etwas Dampf raus und die Singleauskopplung „You Got Spirit, Kid“ bringt diesen mit „Oh oh oh“-Rufen wieder zurück. Das nächste Album darf gerne wieder so befreit von allen einst selbstauferlegten Strukturen sein.

 

Bushido & Shindy „Cla$$ic“

Statt aufgeschnappte „Watch The Throne“- oder Drake-Kopievorwürfe in die Kommentarbereiche des Internets zu hacken, sollten sich die Menschen auf das konzentrieren, was die Musik auf „Cla$$ic“ – das Kollaboalbum von Bushido & Shindy – beim Hören mit einem macht. Die 14 Tracks überraschen, da sie sich nicht in gängige „16-Bars-und-dann-die-Hook“-Strukturen zwängen, innerhalb eines Songs schon mal den Beat wechseln und auf alberne Themensongs verzichten. Inhaltlich wird der eigene Status besungen, der sich nicht erst seit diesem Album an Protzvillas in Kleinmachnow und dem Tragen von allem Teuren außer Fred-Perry-Klamotten messen lässt. Dazwischen gibt es giftige Ansagen gegen Presse und Szene, die sich erstmal wie eklige Pöbeleien anhören, aber –wenn es beispielsweise um Bushidos Ehe geht – Real-Talk ist, von dem sich all die selbsternannten Inhaltsrapper eine riesige Scheibe abschneiden können. Denn neben all dem Prolltum steckt in diesem dermaßen hochwertig produzierten Album jede Menge Substanz, die sich mit einem Hördurchgang gar nicht aufnehmen lässt. +++ Zum Abschluss noch kurz und knapp zwei kostenlose Download-Tipps: Lil Wayne erschlägt den Hörer mit seinem 95-minütigen Mixtape „No Ceilings 2“ zwar, feiert aber – mit Abstrichen – ein gelungenes Comeback. Etwas mehr Granaten statt Lückenfüller und „Tha Carter V“ kann kommen. Die Antilopen Gang legt stattdessen durchgängig qualitativ hochwertig nach und gibt allen, die sich ihr letztjähriges Album „Aversion“ nicht kaufen wollten nun die Chance, sie trotzdem kennenzulernen. „Abwasser“ nennt sich das Zwischendurchprojekt mit 14 Tracks und fasst das, was die Band ausmacht gut zusammen.

 

The Gift

Zusammen mit dem Filmschaffenden Alan Yang hat Amerikas Vorzeige-Comedian Aziz Ansari die Netflix-Serie Master Of None aus der Taufe gehoben. Staffel 1 beinhaltet 10 halbstündige Episoden, in denen es sich um Dev Shahs Leben als wenig bekannter Werbespot-Schauspieler in New York City dreht. Dabei werden Themen wie Freundschaft, das Verhältnis zu den Eltern, Langzeitbeziehungen und das Kinderkriegen angesprochen. Eben genau das, was dreißigjährige Großstädter in einer von der Popkultur geprägten Welt so bewegt. Die Serie schafft es perfekt, ihre Figuren sympathisch und nachvollziehbar darzustellen, verzichtet auf das billige abfrühstücken von Pointen und baut stattdessen auf in sich unterhaltsame Dialoge und die natürliche Komik jedes einzelnen Schauspielers. Eine wirklich liebevoll gemachte und für die humoristische Ausrichtung erstaunlich ruhig erzählte Serie, die man am besten an einem Wochenende vollständig durchschaut. +++ Mit dem Psycho-Thriller The Gift feiert Schauspieler Joel Edgerton nicht nur sein Regiedebüt, sondern mimt auch den Antagonisten Gordon Moseley. Oder etwa doch nicht? Denn zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, fällt bis zum Ende des wirklich guten 108-minütigen Films schwer. Simon und Robyn Callum (Jason Bateman & Rebecca Hall) ziehen zurück in die Heimat und treffen dort auf Gordon – einen alten Schulkameraden von Simon. Dieser sucht den Kontakt mit dem Ehepaar und wird dabei immer aufdringlicher. Es scheint mehr hinter der Bekanntschaft zwischen den Männern zu stecken, was Robyn zunehmend belastet. Der Film ist clever erzählt, indem – beispielsweise beim Angriff von Arbeitsrivale Danny McDonald – unerwartete Twists eingebaut wurden, die nicht nur der Überraschung wegen da sind, sondern auch um die Entwicklung der Figuren voranzutreiben. Das, plus ein paar Scarejumps, die jeden Horrorfilm der Marke „Insidious“ wie einen Besuch im Teletubbieland aussehen lassen, runden einen sehr guten Film ab, der den Zuschauer bis zum Abspann glücklicherweise über vieles im Unklaren lässt.

 

Die Highligen drei Könige

Ein Drogen- und Feierfilm, dessen deutscher Titel mit einem „High“-Wortspiel daherkommt, klingt erst einmal nicht wie das Kino-Highlight (höhöhö), auf das man dieses Jahr zwischen Star Wars und Avengers sehnsüchtig gewartet hätte. Doch wer Seth Rogens und Evan Goldbergs 2013er Allstar-Komödie „Das ist das Ende“ mochte, bekommt mit Die Highligen drei Könige sein weihnachtliches Humor-Update. Drei langjährige Freunde (gespielt von Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt und Anthony Mackie) treffen sich ein letztes Mal, um die traditionelle vorweihnachtliche Party mit Alkohol und Drogen zu zelebrieren. Berufliche Weiterentwicklung, Vaterschaft und die Liebe machen es den Kumpels jedoch schwer, an alte Bräuche anzuknüpfen. Klingt wie eine Kopie von „Hangover“ mit Schnee und Christbäumen und ist leider auch nicht viel mehr geworden. Seth Rogens bewährter Exzesshumor, der durchaus plump ist, dafür aber mit jeder Menge Popkulturzitaten aufwartet, bringt Rogen-Fans sicherlich zum lachen, alle anderen höchstens zum schmunzeln. Der ganze Film fühlt sich an, als wurde er nicht zuende gedacht bzw. als hätten sich die Drehbuchautoren keine Mühe gegeben. So sind Entscheidungen von Figuren zum Teil einfach nicht nachvollziehbar, die Moral am Ende der Geschichte wirkt reichlich aufgesetzt und so manche Szene ist eher Lückenfüller als dringend notwendiges Storyvehikel. Ausschließlich für die Glühweinorgie mit den Kumpels der richtige Film. +++ Nach Daredevil hat nun eine weitere Heldin aus Hell’s Kitchen ihr Netflix-Serienformat abgestaubt. In Marvel’s Jessica Jones tritt die titelgebende Protagonistin als Privatdetektivin gegen den mysteriösen Telepathen Kilgrave an. Krysten Ritter spielt die optisch und seelisch fertige Jessica Jones erfrischend hart und abgefuckt, bringt aber auch die zerbrechliche Seite der Figur eindrucksvoll herüber. So begleitet man eine Heldin, die ergründet werden möchte. Wer ist diese Frau? Warum ist sie so? Wo wird die Reise für sie hingehen? Der düstere und kalte Look sowie die hochwertige Aufmachung erheben die 13 Folgen der ersten Staffel zusätzlich in den Status von Erfolgsproduktionen wie eben „Daredevil“ oder „Narcos“ und „Better Call Saul“. Auch wenn es nach einer Standardfloskel klingen mag: Wer Besitzer eines Netflix-Accounts ist, kommt an „Jessica Jones“ nicht vorbei.

 

Asterix: Der Papyrus des Cäsar

Nachdem sie beim großen Spider-Man-Spektakel „Spider-Verse“ so gut ankam, entschied sich Marvel dazu, Spider-Gwen mit „Drahtseilakt“ einen eigenen Comicband zu spendieren. In einer alternativen Zeitlinie ist nicht Peter Parker, sondern dessen Freundin Gwen Stacy als Spider-Woman unterwegs, um es mit Gegenspielern wie dem Geier oder Matt Murdock aufzunehmen und nebenbei noch Schlagzeugerin bei The Mary Janes zu sein. Doch nicht die etwas überraschungslose, dennoch grundsolide Geschichte rund um das sympathische Teenie-Mädchen ist der Kaufgrund für diesen Comicband, sondern die spektakulären Zeichnungen, die durch grelle Farben und einen eigenen Stil überzeugen. Fernab gängiger Superheldenästhetik haben Jason Latour und Robbi Rodriguez einen erfrischenden Ausflug in eine neue Welt der Spinnenhelden geschaffen. +++ Wer regelmäßig auf Bahnhöfen unterwegs ist, wird bei einem Blick in entsprechende Zeitschriftenläden bemerkt haben, dass es einen neuen Asterix-Band gibt. Überall grinsen einem der kleine mutige Gallier und sein beleibter Freund Obelix entgegen. „Der Papyrus des Cäsar“ heißt der mittlerweile 36. Band der Kult-Comicreihe und wurde von Jean-Yves Ferri geschrieben und von Didier Conrad gezeichnet. Cäsar bringt die Geschichte seines Gallien-Feldzuges zu Papyrus, lässt dabei jedoch das Kapitel mit dem unbeugsamen Dorf komplett aus. Das darf natürlich nicht sein, weshalb sich Majestix und Co. zur Wehr setzen. Alles in allem ist die Geschichte auf ihren 48 Seiten ein kurzes Vergnügen für Zwischendurch, das längst nicht die epische Wirkung wie Klassikerausgaben à la „Asterix bei den Briten“ oder „Die Trabantenstadt“ besitzt. Gags, die zünden, lassen sich an einer Hand abzählen und machen vor allem dann Spaß, wenn heutige Themen wie Datenspionage in Form von Brieftaubenklau auf die Schippe genommen werden.

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