Hospital Handshakes: Rocky Votolato spielte zum vierten Mal in Freiburg

2.6.2015 - Freiburg, White Rabbit

Votolatos aktuelles Album

Am 2.6. gastierte Liedermacher Rocky Votolato zum bereits vierten Mal in Freiburg. Neben verrauchten Klamotten nahmen die Zuschauer vor allem Erinnerungen an ein musikalisch sauberes Konzert im White Rabbit mit.

 

Wahrscheinlich dem endlich eingebrochenem Sommer geschuldet, füllte sich das White Rabbit am Leopoldring nur behäbig. Viertel nach zehn stand der Hamburger Perry O’Parson vor einem entsprechend überschaubaren Publikum, das seinen wunderschönen englisch- und deutschsprachigen Akustiknummern teilweise sitzend lauschte. Nach einer Handvoll Songs  übernahmen die fünf Herren von Musée Mécanique die Bühne und rundeten das insgesamt einstündige Vorprogramm mit ihren beinahe schon orchestralen Folkstücken ab.  Sowohl die Portlander als auch Perry, der später in Rocky Votolatos Band mitmusizierte, hatten mit einem reaktionsarmen und sehr unruhigen Publikum zu kämpfen, was gerade Musée Mécanique sichtlich frustrierte. Schade, denn etwas Aufmerksamkeit hätten beide verdient gehabt. Wenigstens war der Laden am Ende üppig gefüllt.

 

Ob es an einer nicht optimal verlaufenen Vorbereitung, einer verspäteten Anreise oder einer Kombination aus beidem lag, ist nicht klar, doch bevor Rocky Votolato und Band mit ihrer Show kurz vor 23 Uhr begannen, konnten die Zuschauer erst einmal einen ausführlichen Soundcheck genießen. Die dadurch entstandene Pause zwischen Vor- und Hauptgruppe befeuerte nicht gerade die Stimmung, die zumindest für überzeugte Nichtraucher in dieser Raucherlokalität langsam aber sicher in den Keller glitt. Doch Musik heilt alle Wunden und spätestens als Rocky mit „Boxcutter“ – dem Opener seiner aktuellen Platte „Hospital Handshakes“ – die Bühne betrat, wurde die Luft wieder besser: „Trust that everything’s happening is perfect.“ Zwanzig aktive Karrierejahre hat der ehemalige Waxwing-Frontmann mittlerweile auf dem Buckel, sein charismatisches und sicheres Auftreten legte auch an diesem Abend davon Zeugnis ab.

 

 

Die treibenden melancholischen von Mundharmonika unterstützten Stücke des Texaners brachten die vordersten Reihen erst auf die Beine und später in Bewegung. Ob das traurig schöne „Royal“, das energiegeladene „Sawdust And Shavings“ oder ein Song von der neuen gemeinsamen Split-Single mit Buddy Chuck Ragan – tolle Musik, die einen trotz allen Ärgernissen zum Bleiben bewegte, gab es genug. Der bis zur Bandvorstellung relativ wortkarge Rocky Votolato taute dann auch noch in Sachen Kommunikation auf. „Mit mir ist nicht gut Kirschen essen“, prahlte er vor dem Publikum mit seinen Deutschkenntnissen, um anschließend kurz den in der Luft liegenden Weedgeruch anzusprechen. Eine Stunde plus zwei Zugaben nahm sich der 38-jährige für Freiburg Zeit und machte damit im Grunde alles richtig. Wahrscheinlich dem Dienstagabend geschuldet, hielten es trotzdem nicht alle Gäste bis zum finalen Song durch.

 

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