Glosse: Hey Musikfan, Bock auf Klassik?

Beethoven

Beethoven hätte die 10. Sinfonie vermutlich selbst gerne beendet. // Foto: Meatle auf Pixabay

Die Telekom beendet mithilfe einer KI die 10. Sinfonie von Beethoven. Was hätte der Komponist wohl dazu gesagt?

 

Mozarts letzte Komposition “Requiem in d-Moll” erschien vor 230 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war Wolfgang Amadeus bereits tot. Ehefrau Constanze ließ das Werk von Freunden und Schülern ihres Mannes vervollständigen. Dieses Glück hatte Beethoven nicht. Seine letzte Komposition – die 10. Sinfonie – beendete die Telekom nun mithilfe einer künstlichen Intelligenz.

 

Darauf scheint Europas größtes Telekommunikationsunternehmen sehr stolz zu sein. Werbespots laufen im TV und Internet rauf und runter. Alle sollen mitbekommen, dass wir es hier mit einer Sensation zu tun haben – möglich gemacht von dem Unternehmen mit dem unerträglich eingängigen Audio-Jingle, das aus nur zwei Tönen besteht.

 

Doch was passiert hier wirklich? Die Telekom hat sich mit Musikinformatikern – ja, sowas gibt’s – und Computerwissenschaftlern verbündet, um Ludwig Van als akustischen Werbeträger für den hauseigenen Streaming-Dienst Magenta TV zu missbrauchen. Denn wer sich über das Hochkultur-Spektakel des Jahrhunderts informieren möchte, kommt nicht um Werbung für den Netflix-Abklatsch herum, dessen größte Leistung eine Talkshow mit Johannes B. Kerner ist.

 

Auf der offiziellen Webseite zur Sinfonie-Premiere am 27. Oktober – MagentaMusik 360 – ploppen die Werbebanner nur so auf. “Da-da-da-daaaa!” heißt es auf einem. Darunter eine mit Charme und Witz getarnte Kundenbefragung: “Hey Musikfan! Was hältst du eigentlich von Klassik?” Gegenfrage: Unter welchen Umständen?

 

Worüber würde sich der Komponist wohl mehr ärgern: Dass seine 10. Sinfonie ohne sein Zutun beendet oder sie zur Werbefläche für die Telekom wurde? Hätte Frau Beethoven doch nur ein Auge drauf gehabt.

 

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.




Facebook
Instagram
Twitter
YouTube