Antilopen Gang: „Freiburg ist eine verachtenswerte Stadt!“

19.1.2018 - Freiburg, E-Werk

Am 19. Januar 2018 spielte die Antilopen Gang im ausverkauften E-Werk in Freiburg. Und das, obwohl sie die Stadt verachten.

 

Ziemlich genau ein Jahr nachdem die Antilopen Gang mit „Anarchie und Alltag“ auf Platz 1 der deutschen Album-Charts landete, kehrte sie nach Freiburg zurück. Dass das Konzert nicht wie schon einmal im White Rabbit, sondern im E-Werk stattfand, hatte zwei Gründe: Erstens wäre der sympathische Club am Leopoldring viel zu klein für den Andrang der rund 800 Fans gewesen und zweitens scheinen die Besitzer nicht mehr sonderlich gut auf die drei Rapper zu sprechen sein. Panik Panzer klärte während der Show im E-Werk auf: „Angeblich haben wir im White Rabbit so viel gesoffen wie noch keine Band vor uns!“ Ob sie daraus gelernt haben, ist nicht sicher. An diesem Abend wirkten sie jedenfalls nüchtern.

 

Genügend Zeit zum Vorglühen hätten Koljah, Panik Panzer und Danger Dan aufbringen können. Denn Veedel Kaztro durfte eine knappe Stunde Musik aus seinem aktuellen Album „Frank und die Jungs“ präsentieren, bis die drei Herren unterlegt von Queens „We Are The Champions“ auf die Bühne kamen. Die Show begann solide, bis nach rund 30 Minuten der Banner mit dem Antilopen-Gang-Logo fiel. Darunter kam ein zweites Banner mit bedrohlich anmutendem Kampfjet zum Vorschein. Klanglich unterstrich eine hinzugekommene Band – bestehend aus Schlagzeuger, Bassist und Gitarrist – den optischen Umbruch. Wer die Augen schloss, konnte die Antilopen Gang von da an mit ihren Labelchefs den Toten Hosen verwechseln.

 

Musikalisch war die Show komplett durchdacht. Vom ruhigen Pianoeinstieg bis zum finalen Abriss mit „Fick die Uni“ ging die Reihenfolge der Setlist sowie die Art der Darbietung auf. Zwischen den ständig wechselnden Laut-Leise-Momenten stach neben Hits wie „DIE KYNGZ SIND BACK!!!1“ und „Pizza“ vor allem „Enkeltrick“ hervor. Panik Panzer forderte das E-Werk zum kollektiven Schiefgesang auf, was er nicht hätte tun müssen. Denn mitgesungen wurde ohnehin. Pfeffi- und Wodka-Shots trugen zur miserablen Qualität des Dargebotenen bei. Wobei das Publikum gar nicht besoffen sein konnte. Das E-Werk war mit dem Ansturm der trinkwütigen Feiermeute völlig überfordert. Die Konsequenz: Lange Schlangen und genervte Gesichter.

 

 

In der Konzerthalle war davon glücklicherweise wenig zu spüren. Die Antilopen-Gang legte sich ins Zeug, verließ sich aber nicht nur auf die Musik. Danger Dan suchte den Körperkontakt mit dem Publikum, ließ sich beim Stage-Diving sogar durch die Halle reichen. Panik Panzer spielte das Ekel, das Freiburg und all seine Einwohner verachtete. Und Koljah? Koljah war auch da. Denn gerade gegen einen hochmotivierten Panik Panzer hatte dieser wenig Chancen aufzufallen. Panzer grüßte auf Bitte eines Zuschauers aus der ersten, einen Zuschauer aus einer der hinteren Reihen. Nachdem sich dieser zu erkennen gab, widmete Panzer ihm und seinem ganzen Leben den nächsten Song: „Flop“. Mal sehen, in welchem Freiburger Club sich die Antilopen Gang nächstes Jahr Freunde machen wird.

 

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