2014 – Freunde blicken zurück (Teil 1)

Vergangene Woche konntet ihr bereits meinen ausführlichen Jahresrückblick 2014 lesen, doch nun sind befreundete Musiker, Blogger, Redakteure und Kreative an der Reihe. Ich habe nach den High- und vielleicht auch Lowlights der letzten 12 Monate gefragt und die entsprechenden Antworten in Hülle und Fülle bekommen. Viel Spaß mit dem ersten von zwei Teilen „2014 – Freunde blicken zurück“.

 

Sickless

(Rapper, wirscheissengold)
www.wirscheissengold.de/#wsg

 

Bon Sör! Mein Name ist Sickless und ich trete heute meine heilige Meinung über das vergangene Jahr breit! Erstmal grüße ich den Initiator, der übrigens auch meinen Pressetext geschrieben hat. Und weil er einfach ein dufter Typ ist!

Da ich ein alter Hiphopfuchs bin, bewegen sich meine Jahreshighlights im (mittlerweile gar nicht mehr so) überschaubaren Boomtschakk. Allen voran hat natürlich Hafti demonstriert, wie Promotion und Marketing funktioniert. Mich hat er schlussendlich vollends gecatcht und meine erste Reaktion auf „Lass die Affen aus dem Zoo“ war nur verstörtes Kopfnicken. Wahnsinnig cineastisch auch alles. Tolle Arbeit an der Stelle auch an EASYdoesIT, die 2014 0 to a 100 real quick gegangen sind.

Hiphop to the fullest gab’s dann bei den Gebrüdern Mädness und Döll, die nicht nur über den Vokalen punkten, sondern auch mit erstklassigen Produktionen und replay-würdigen Bewegtbildern. Positiv erwähnenswert ist in dem Zuge auch das wachsende Interesse an den Beatbastlern, denen die Bekanntheit bisher verwehrt wurde. Sei es das Suff-Triumvirat der Betty Ford Boys, CarpetPatrol, Kollege Schnürschuh, Dexter (2 der 5 Hiphop-Elemente abgehakt, #fääschn), Enaka, Drum Quixote, Sterio, iamnobodi, Farhot und so weiter. Man kollaboriert fröhlich umher, sehr zur Freude der Konsumenten und Fans.

Extrem gestört hat mich dieses Jahr der Fakt, dass es musikalisch gesehen ein extrem gehaltvolles Jahr war – aber die Berichterstattung (und leider auch 70% der Hiphop-„Fans“) mal wieder ausschließlich Kindergarten-Ansagen, Fäkal-Humor, Disstracks und andere Fremschamdarbietungen thematisierte. Ich nenne keine Namen, ihr wisst was ich mein.

Ich merke schon, das könnte ein bisschen ausarten jetzt. Ich glaube, ich scrolle einfach mal meine satt gefütterte Spotify-Liste durch und mach einfach mal ein wenig Namedropping: Antilopengang & Zugezogen Maskulin (finde den „linken“ Touch der Themenwahl sehr interessant, da auch auf politischer Ebene viel in diese Richtung passiert), Dissythekid (frischer neuer Wind aus dem Untergrund, produziert sich außerdem komplett selbst), Run The Jewelz (solo unterwegs sind Killer Mike und EL-P schon eine echte Bereicherung für die Szene, gemeinsam als Team dann sogar allgegenwärtiger Kandidat zum Hiphop-Album des Jahres), Freddie Gibbs & Madlib („Pinata“ ist ein wahnsinniger Grower, auch Monate danach immer noch ein bisschen geiler als beim letzten Durchgang), Schoolboy Q (war ja auch noch dieses Jahr oder? Viele Hits, Q in flowlicher Höchstform, vor allem auf „Break the Bank“ und „Man ofthe Year“), IsaiahRashad (wieder Top Dawg Entertainment, wieder absolut wundervoll durchproduziert), SZA (Soul-Stimme des Jahres, genießt Straßenkredibilität und singt auf „Ronnie Drake“ für mich die Hook des Jahres, achja: TDE!), J.Cole (ist mittlerweile dort angekommen, wo er seit langem hingehört), Action Bronsons „Easy Rider“ (Performance des Jahres!), Black Milk (der wahre Erbe von J.Dilla, believe it or not!), Pusha T (auf „Nostalgia“ gewohnt auf King Push Niveau), die Dipset-Reunion mit Cam’Ron und Juelz Santana (Diplo macht’s möglich), die Shady „Cvpher“ (die auch komplett ohne Beat auskommt), Joey Bada$$ dreht bei „Christ Conscious“ ordentlich die Ansagen-Zeiger. Kendrick Lamar beweist weiterhin, dass er das Zeug zum neuen MJ hat. Mac Millers „Faces“-Mixtape geht zwar leider unter, ist aber dafür umso erwachsener und boombapiger. Marz released mit „Hoes. Flows. Kollabos“ das Underground-Mixtape des Jahres.

Mein Live-Highlight war dieses Jahr definitiv OutKast auf dem splash!-Festival. So lang dabei, so unfassbar viele Hits – und immer noch so hungrig und professionell. Chapeau! Auf die Bühne kommen mit „Bombs Over Baghdad“ und „ATLiens“ hintereinander – das muss man sich tracklistmäßig mal erlauben können! Und diese Show, diese Harmonie! Einen Wermutstropfen musste es allerdings geben: Die beiden gucken sich backstage nicht mal mit dem Arsch an, leben in zwei verschiedenen Containern und kommunizieren über eigene persönliche Betreuer. Da musste das Bild der heilen Hiphopwelt leider dahinbröckeln. Im Bereich Non-Hiphop hat bei mir die österreichische Indie-Band Bilderbuch, den bleibendsten Eindruck hinterlassen. Irrsinnige Musikvideos, schauspielerische Höchstleistungen, kreative Texte und einen tollen Sinn für Ästhetik. Falco lässt grüßen.

 

Tim Gerrits

(Singer-Songwriter)
http://www.timgerrits.eu

 

Bester Film: Also dieses Jahr habe ich viel Schrott, aber auch viel gutes gesehen. Was die bekannteren Sachen angeht, habe ich mit „Guardians Of The Galaxy“ und „The LEGO Movie“ sehr viel Spaß gehabt. Erst vor ein paar Wochen habe ich den FIlm “Mommy” im Kino gesehen, der mein Filmjahr zwar dramatisch, aber sehr gut abgeschlossen hat.

Bestes Buch: “Irre – Wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen” von Manfred Lütz. Endlich mal jemand, der aufräumt mit den Vorurteilen gegenüber psychisch kranken Menschen und einem Hilft, sich und andere besser zu verstehen.

Bestes Comic: Dieses Jahr halten sich die Comics von Nichtlustig und Cyanide and Happiness ganz gut die Waage. Vielleicht ist das aber auch nur mein Humor

Beste Ausstellungen, Theaterstücke und andere Events: Auch dieses Jahr nimmt diesen Platz das Rocken am Brocken Festival ein. Bei einer Wanderung durch den Harz auf einem Steinfelsen vor so vielen Leuten spielen zu dürfen, vergisst man nicht so einfach.

Bestes Album: Dieses mal muss es an zwei Interpreten gehen: Spaceman Spiff – „Endlich Nichts“ und ClickClickDecker – „Ich glaub dir gar nichts und irgendwie doch alles“. Zwei deutschsprachige Alben, die einen nicht nur musikalisch weit weg bringen, sondern auch textlich wunderbare Bilder malen.

Bestes Konzert: Enno Bunger und Spaceman Spiff in Berlin: Wenn zwei wunderbare Bands aufeinander treffen und das Publikum für eine tolle Atmosphäre sorgt, kann man sich einfach zurücklehnen, die Augen schließen und genießen.

Bestes Videospiel: „South Park – The Stick Of Truth“: Vor allem für South-Park-Fans ein absolutes Muss! Vollgepackt mit bösen, grenzwertigen aber absolut lustigen Witzen.

YouTube-/TV-Highlights: Auf YouTube habe ich mich dieses Jahr vollkommen in Science-Kanälen verloren. Im Fernsehen sind inzwischen nur noch John Oliver mit “Last Week Tonight” und Jan Böhmermanns Neo Magazin ein Grund für mich, die Mediatheken einzuschalten.

Größter Scheiß: Pegida. Was sich in den letzten Wochen für eine Stimmung entwickelt hat, macht mich nicht nur traurig, sondern auch äußersts besorgt.

Beste Dokumentationen: Ich kam erst dieses Jahr dazu, die tolle Disneynature Dokumentation “The Crimson Wing: Mystery Of The Flamingos” zu sehen. Tolle Bilder und ein unbeschreiblich schöner Soundtrack, geschrieben von der Cinematic Orchestra.

Andere Höhepunkte: Den Bachelor erhalten, eine neue Stelle bekommen, viel neue Musik entdeckt, neue Länder bereist, endlich mal wieder Kicken gewesen, viele neue Freunde getroffen und alte behalten.

 

Christine

(Bloggerin)
www.totallygamergirl.com

 

Zunächst einmal vielen Dank an Stefan für die Einladung zum Jahresrückblick 2014. Ihr werdet vermutlich rasch bemerken, dass meine Highlights nicht immer aktuell sind, geschweige denn aus dem Jahr 2014 stammen. Als Mama komme ich nur selten ins Kino, zur sogenannten Primetime habe ich oft noch gar keine Zeit, um vorm TV zu sitzen – davon abgesehen – dass ich gar kein TV-Programm habe … und mit in Ruhe Musik hören, ist auch nicht immer viel. Obwohl ich in vielen Dingen inzwischen total hinterm Mond lebe, habe ich natürlich auch meine Favoriten, die ich folgend für euch aufgeschrieben habe.

Film des Jahres: Dieses Jahr habe ich es sogar zwei Mal ins Kino geschafft, was seit ich Mama bin mehr als nur Seltenheitswert hat. Gesehen wurden „Guardians Of The Galaxy“ und „Der Hobbit 2 – Smaugs Einöde“. Beide haben mir gefallen, wobei ganz oben letztlich mit wenig Vorsprung „Der Hobbit“ steht.

Buch des Jahres: Hier ist „Agent 6“ von Tom Rob Smith mein Gewinner. Mit dem Buch habe ich auch endlich die Reihe abgeschlossen, die mir generell sehr gut gefallen hat. Wobei mir die Vorgänger „Kind 44“ und „Kolyma“ unterm Strich einen Ticken besser gefallen haben, was wohl nicht zuletzt am Setting liegen dürfte.

Musik des Jahres: „The Last Goodbye“ von Billy Boyd. Ich war sehr überrascht, als Peter Jackson ein Video mit dem Lied bei Facebook postete, denn damit habe ich so überhaupt nicht gerechnet. Ich mochte schon „Edge Of Night“ in „Die Rückkehr des Königs“. Schlicht, aber sehr schön.

Serie des Jahres: „Marvel’s Agents Of S.H.I.E.L.D.“ – gar keine Frage. Ich habe die Serie dieses Jahr für mich entdeckt und bin total begeistert. In den letzten Jahren habe ich zunehmend Interesse für Marvel entwickelt und viele der Filme gesehen. Vor allem Clark Gregg (Phil Coulson) und Ming-Na Wen (Melinda May) haben eine Menge dazu beigetragen, dass ich die Serie genossen habe. Sehr sehenswert war für mich allerdings auch „House Of Cards“. Kevin Spacey spielt seine Rolle hervorragend und die Thematik ist nicht so ausgelutscht, wie manch andere.

Spiel des Jahres: „Child Of Light“ – klein, aber fein. Leider fehlt mir manchmal für die ganz großen Umfangsgiganten die Zeit. Dafür hat mich „Child Of Light“ umso mehr verzaubert. Das Rollenspiel hat keine superumfangreiche Story und könnte auch in Sachen Tiefgang noch ein wenig von der Konkurrenz lernen. Trotzdem ist es ein kleines, liebenswertes und zauberhaftes Spiel.

DLC des Jahres: „BioShock: Infinite Burial At Sea – Episode 2“. Schon das Hauptspiel finde ich toll, eines meiner Highlights 2013. Während ich „Burial At Sea – Episode 1“ nicht so berauschend fand, hat mich der zweite Teil überzeugt. Die Story ist gut und das Gameplay hervorragend. Irrational Games hat sich da definitiv sehr viel Mühe gegeben. Stealth ist nicht meine größte Leidenschaft, aber hier hat es gepasst. Ich bin ehrlich, mit dem Gameplay von „Burial At Sea – Episode 2“ und Elizabeth als Protagonistin hätte ich gern ein eigenständiges Spiel.

Enttäuschung des Jahres: „Assassin’s Creed: Unity“ – leider. Ich wollte endlich wieder zurück zur Reihe, weil ich mich sofort in das Setting verliebt habe, als das Spiel angekündigt wurde. Kaum ein Spiel hat mich dieses Jahr überhaupt so sehr gereizt wie dieses. Doch am Ende kam die ganz große Enttäuschung. Schon die Ankündigung der Systemanforderungen dämpfte meine Euphorie enorm, meine Grafikkarte wäre von der Generation her zwar gerade noch jung genug, ist aber eine Preisklasse unter dem, was in den Mindestanforderungen genannt wird. Dazu der sehr holprige und von Technikproblemen geplagte Release. Am Ende war die Verunsicherung so groß, dass ich das Spiel bis heute nicht habe. Schade, ich habe mich sehr auf einen Ausflug in das virtuelle Paris gefreut.

Schock des Jahres: Kinofilme in 3D. Mag vielleicht komisch klingen, ist aber tatsächlich so. Dieses Jahr habe ich zum allerersten Mal überhaupt einen Blockbuster in 3D gesehen, nämlich „Der Hobbit 2“. Während mich der Film selbst begeistern konnte, bin ich dem 3D gänzlich abgeneigt. Schuld ist die Darstellung gewesen. Manchmal war da einfach irgendwo im Bild ein gigantischer Stein, der allerdings unscharf war. Meine Augen lenkt so etwas völlig ab. Die wandern dann gern zu diesen „Störquellen“, statt sich auf die eigentlich interessante Handlung zu konzentrieren. Nicht mein Ding. In Zukunft gehe ich dann auch auf Nummer sicher und sehe mir Filme wieder in 2D an.

Brettspiel des Jahres: „Der verzauberte Turm“. Ein Kinderspiel, welches ich gern mit meiner Tochter spiele. Kurzweilig, aber spannend gestaltet. Gefällt uns beiden gut.

YouTube-Video des Jahres: Der „Dead Island 2“-CGI-Trailer von der E3 2014. Sehr lustig gemacht, passende Musik.

 

Apu Theke

(Lyricsburg Knight)
www.lyricsburgknights.bandcamp.com

 

Filme: American Hustle, Grand Budapest Hotel, Don’t mess with the Knights

Bücher: Die Knights entdecken den Mond

Comics: Don’t mess with the Knights

Ausstellungen, Theater, andere Events: WM 2014 Aftershowparty

Alben: The Alchemist – “A Rapper’s Best Friend 3”, J. Cole – “2014 Forest Hills Drive”, Big Twins – “Tg1”, Issa Gold – “Conversations With A Butterfly”, Dilated Peoples – “Directors Of Photography”, Freddie Gibbs & Madlib – „Pinata“

Konzerte: Nas auf dem Wasen, Freddie Gibbs in Stuttgart

Videospiele: Alles von Gronkh

Youtube/TV: Böhmermann erschießt Slimani und schlägt den Raab.

Größter Scheiß: Lyricsburg Knights – “Don’t mess with the Knights”

Dokumentationen: Seduced and Abandoned , Faszination Knights

 

Benni

(Autor, like it is ’93)
www.twitter.com/HolgerHathart

 

Top 3 Filme: Gone Girl (hat mich echt fertig gemacht), Guardians Of The Galaxy (nett gemachter Blockbuster), The Wolf Of Wallstreet (geil.)

Top 3 Bücher: Zwar nicht 2014 erschienen, aber richtig geflasht hatten mich Stephen Kings „Dunkler Turm Zyklus“, „Metro 2033“ und „Metro 2034“ von Dimitry Glukhovsky. Tatsächlich 2014 erschienen: Simon Wroe – „Chop Chop“.

Top 3 Comics: „Kinderland“ von Mawil, ähm sonst habe ich, glaube ich, keine Comics gelesen…

Top 3 Ausstellungen, Theaterstücke und andere Events: (…) <- Dieser Zeichner, den ich mit Stefan in der Kunsthalle München gesehen habe, Improtheater Tatwort in der Drehleier München, das „Escape The Room“-Spiel (schaut mal ob es das in einer Stadt in eurer Nähe gibt, nicht ganz billig aber geil)

Top 3 Musik (Alben): Haftbefehl – „Russisch Roulette“, La Dispute – „Rooms Of The House“, kein Album aber eine vielversprechende Ankündigung in Liedform: Prinz Porno – „Chillig“.

Top 3 Musik (Konzerte): The Dinosaur Truckers, Ice Age, Celo & Abdi, Veysel, Olexesh

Top 3 Videospiele (nur geschaut, nicht gespielt): „Dark Souls 2“, joa das wars schon, bin kein Zocker

Top 3 YouTube-/TV-Highlights: Wieder “Lost” schauen, “Game Of Thrones”, “Breaking Bad – Barely Legal Pawn”

Top 3 Größter Scheiß: Laptop kaputt, Handy kaputt, Stress auf der Arbeit

Brettspiele: Small World

Sport: Endlich wieder viermal die Woche Fitness

Musikvideos: „Chillig“ von Prinz Porno, „Warum ist Kanye West so scheiße“ von Olli Banjo

Essen: Gemüse vom Balkon, selbstgemachtes Fladenbrot & Hummus, kein Brot mehr kaufen, sondern selbst backen

Trinken: Paulaner Spezi

Kleidung: schleichende Abkehr von Bandshirts und Jeans zu dezenteren Shirts und Chinos

Friends: Meine verschiedenen Spielegruppen

Foes: keine!

 

2014 – Freunde blicken zurück (Teil 2)

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