Review: Lyricsburg Knights – Don’t mess with the Knights

Wer nicht genug Selbstbewusstsein hat, schon morgens einen Fick auf alles und jeden zu geben, könnte mit „Don’t mess with the Knights“ von den Lyricsburg Knights eine Motivationsspritze par excellence erhalten. Musik, die die Tafelrunde damals vor den Keilereien mit den Sachsen gehört hätte.

 

 

Aufmerksame Rap-Hörer könnten zumindest einen Teil der Lyricsburg Knights bereits kennen: Miami Weisz machte in der Vergangenheit im Rahmen der „Es rappelt in der Kiste!“-EP gemeinsame Sache mit Edgar Wasser. Doch das war gestern, denn nun bringen die Knights ihr erstes gemeinsames Release unter Menschen mit Internetanschluss. Entstanden ist mit seinen 35 Minuten ein kurzes aber auch kurzweiliges Album, das von der Marschrichtung her voll auf Angriffskampf setzt: „Don’t mess with the Knights“.

 

Klar, wir bekommen auch den einen oder anderen Themensong wie die Kapuzenpullover-Ode „Put the Hoodie on“ oder die Alltagsbewältigung „AWIL“ per kostenpflichtigem Download geliefert, doch hängen bleiben vor allem die Hodenschaukelstücke, die die Protagonisten zu überzeichneten Characters machen, welche Galgenhumor mit persönlicher Szenekritik kreuzen: „Keine Panik, wir sind echt nicht so gut, sonst hätten wir ja Seiten in Backspin und Juice“. Hörer, die zum ersten Mal mit den beiden Künstlern zu tun haben, könnten den Witz womöglich nicht in der Gänze verstehen. Den Knights wird es reichlich egal sein. So lange am Ende des Tages ein cooles Drum-Pattern oder eine ausgefuchste Line herumkommen, braucht es keine Themensongs über die Ex-Freundin, den eigenen Kiez oder das Erwachsenwerden.

 

Halten wir also fest: Wenn man es böse meint, ist „Style over Substance“ der größte Kritikpunkt, den man den Knights machen könnte. Aber warum sollte das eigentlich Anlass sein, die Soll-Seite zu füllen? Zählt auf der Haben-Seite nicht einzig und allein die Unterhaltung? „Don’t mess with the Knights“ pumpt mit seinen großartigen Ohrwurm-Hooks ordentlich die Brust auf und liefert mehr Hymnen als die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Wo einem angenehm belanglose Representer-Tracks wie „Off The Hook“ oder „Someincredibleholyghostshit” ein gutes Gefühl geben, sind Wortspielexperimente wie „Münzen machen“ wirklich nur belanglos. Die vertonte Verwandlungsszene der Power Rangers funktioniert in der Welt der Lyricsburg Knights eben durchaus am besten.

 

Instrumental gibt es eine weite Bandbreite von angenehm prolligen Synthies bis hin zu warmen Soul-Samples. Die Qualität der Beats bewegt sich dabei auf einem konstant hohen Niveau und die zurückgelehnten Flows drängen sich auf ihnen stringent gen Endgegner. Die Lyricsburg Knights zeigen routiniert, dass sie ihr Handwerk in beiden Disziplinen beherrschen. Da ist es nur exemplarisch, wenn eine Zeile wie „Ich zeig euch jetzt mal, wie man vernünftig rappt“ die einzige Line auf dem Album ist, die eben nicht vernünftig gerappt wurde. „Don’t mess with the Knights“ ist ein Werk, das man schon nach dem ersten Hördurchgang verstanden hat… bis man merkt, dass da ja immer noch etwas mehr dahinter steckt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich potentielle Hörer nicht von dem stolzen Preis vergraulen lassen.

 

„Don’t mess with the Knights“ erschien am 10.10.2014 über Bandcamp.

 

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