Von PaRappa bis Def Jam Rapstar: HipHop & Videospiele

Der berühmteste Videospiel-Rapper: Parappa!

„Youngbloods can’t spell but they could rock you in PlayStation“, rappte schon Mos Def. Doch was passiert, wenn HipHop und Videospiele tatsächlich zusammenkommen?

 

Aus rein finanzieller Sicht sollten sich Videospielentwickler den Markt der Beats und Rhymes nicht entgehen lassen. Das ist bei der Größe der Zielgruppe offensichtlicher als die Tatsache, dass Slick Rick trotz Augenklappe kein Pirat ist. Leider ist die Liste von (guten) Games, die auf der HipHop-Kultur basieren, auch 2017 noch überschaubar. Wir haben uns trotzdem umgeschaut und eine Liste mit den High- und Lowlights der Hippity-Hoppity-Spiele zusammengestellt.

 

Def Jam schickt Rapper in den Ring

Die populärsten Videospiele im HipHop-Kosmos wurden unter dem Banner des legendären Labels Def Jam veröffentlicht. Mit „Vendetta“ (2003), „Fight For NY“ (2004) und „Icon“ (2007) erschienen drei Games, in denen mit Rappern wie DMX, Ludacris, Method Man, Snoop Dogg, The Game oder T.I. ordentlich Schläge und Tritte verteilet werden konnten. Die Prügelspiele gehören Gameplay-technisch nicht zu den ausgefuchstesten des Genres, dennoch hat es etwas, wenn sich Paul Wall und Lil Jon – untermalt von einem heftigen Rap-Soundtrack – ordentlich die Grills polieren.

 

 

Mode-Designer macht Graffiti spielbar

Es wirkt auf den ersten Blick reichlich bizarr und ist es auf den zweiten noch immer: 2006 bringt Nashorn-Pulli-Macher Marc Ecko das Action-Adventure „Getting Up: Contents Under Pressure” heraus. Darin muss der Spieler in der Rolle des Sprühers Trane mit Pieces und Tags gegen die korrupte Regierung von New Radius protestieren. Neben der Malerei gibt es reichlich Beat-‘Em-Action und den obligatorisch coolen Soundtrack. Ein durchwachsen aufgenommenes Spiel, das bis heute – mit Ausnahme von kurzen Sprüheinlagen wie in der GTA-Reihe – keine Nachahmer gefunden hat.

 

 

Das Spiel für Wohnzimmer-Rapper

Es musste passieren, ist deshalb trotzdem nicht gut. Statt die aus „Singstar“ bekannten Popnummern durften Wohnzimmer-Stars 2010 mit „Def Jam Rapstar“ ihre Lieblingssongs von LL Cool J, Kanye West oder Outkast zum Besten geben. In der deutschen Version sind auch Stücke von Kool Savas, Azad, Deichkind und Peter Fox dabei.

 

 

Bust-A-Groove in richtig

2008 konnten nicht allzu gelenkige Tanzbegeisterte die virtuelle PVC-Matte ausrollen und in Evolved Games Rhythmusspiel „B-Boy“ Headspins und Windmills ausführen. Bekannte Tänzer wie Crazy Legs, Mouse oder Physicx leihen dem Spieler ihre digitalen Körper und bewegen sich zu feinen Breakbeats bis die PlayStation-2-Controller auseinanderfallen. Das Spiel ging leider komplett unter, macht zwischen den unzähligen idiotischen Rhythmusspielen aber wenigstens Sinn.

 

 

Ein rappender Hund, der auf Realness scheißt

Und noch ein Rhythmusspiel, in dem die Tanzschuhe jedoch mit dem Mikrofon getauscht werden. In dem nach ihm benannten Abenteuer von 1996 nimmt es Sonys Rap-Hündchen PaRappa The Rapper mit der HipHop-Kultur nicht allzu ernst. Er rappt sich mit humoristischen Texten durch eine bunte Comicwelt, um seinen Schwarm Sunny Funny zu erobern. Klingt albern? Ist es auch. Das Spiel wurde 1999 mit einem Spin-Off und 2001 mit einem regulären Nachfolger belohnt. Am 4. April 2017 erschien eine überarbeitete Version für die PlayStation 4.

 

 

50 Cent ballert wild um sich

2006 mit „Bulletproof“ und 2009 mit „Blood On The Sand“ wurden zwei Games veröffentlicht, in denen der muskulöse Rapper 50 Cent und seine G-Unit die Hauptrollen ausfüllten. Rein spielerisch waren die Third-Person-Shooter keine Großtaten, aber zumindest brachten sie dank des pumpenden Soundtracks die Boxen des Fernsehers zum Wackeln. Während der Rapper in „Bulletproof“ noch auf der Suche nach dem Schützen ist, der neunmal auf ihn geschossen hat, wurde in „Blood On The Sand“ komplett auf eine ansatzweise sinnige Story verzichtet. Die G-Unit gibt ein Konzert im Mittleren Osten, erhält anschließend aber nicht die versprochene Gage von 10 Millionen US-Dollar. Stattdessen händigt der Konzertveranstalter den erzürnten Rappern ein wertvolles Artefakt aus, das wiederum von Terroristen gestohlen wird. Was folgt, ist nicht nur übertriebenes Waffengelaber, sondern so handfeste wie dumme Baller-Action.

 

 

Fleisch über Deutschland

Die Idee ist super und das Spiel ist es für die begrenzten Mittel ihrer Macher ebenfalls. Dennoch ist das 2015 veröffentlichte Handy-Game „Beef Over Germany“ spielerisch und technisch sowas von gestern, dass sich die Old School vorkommen muss, als wurde sie gestern eingeschult. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines deutschsprachigen Rappers wie Eko Fresh, Massiv oder Kollegah, um à la „Def Jam Vendetta“ Punchlines ohne Lines zu verteilen. Nach nur wenigen Runden ist die Motivation leider verflogen.

 

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