The Album Art Of Storm Thorgerson

Pink Floyd „Animals“

 

„Wie das amerikanische Onlineportal Slide-Line erfahren haben will, planen die vier Majorlabels Universal, Sony, Warner und EMI, die klassische CD-Produktion aus wirtschaftlichen Gründen bis 2012 einzustellen“, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Visions Magazins. Möchte man diesen erschreckenden Gerüchten Glauben schenken, dann wäre das – nach der Markteinführung der CD 1982 – für viele Musikliebhaber der nächste große Tiefschlag. Doch der Verlust von Soundqualitäten und dem Greifbaren eines physischen Tonträgers seien mal dahingestellt. Denn ein Bereich, der seit dem kommerziellen Abstieg des Vinyls immer mehr an Bedeutung verliert, ist das klassische Platten-Artwork.

 

Aufwendig designte Cover machten auf den großformatigen Schallplattenhüllen noch mächtig Spaß, bevor man mit der – vielerorts als seelenlos verschrienen – Compact Disc im Grunde von der Kinoleinwand auf den Campingfernseher wechseln musste. Nicht umsonst belegen die ersten 15 Plätze der „100 Greatest Album Covers“-Liste, die dieses Jahr vom Rolling Stone veröffentlicht wurde, ausschließlich Tonträger, die vor dem Debut der CD auf den Markt kamen.

 

Coverdesigner haben mit ihren Arbeiten die Möglichkeit der Musik ein Gesicht zu geben. Der erste Eindruck ist bekanntlich der wichtigste und die grafischen Künstler tragen entscheidend dazu bei, ob dieser gut ist oder eben nicht. Einer, der immer darauf bedacht war, dass mit dem Kauf eines Tonträgers nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen belohnt werden, war der Engländer Storm Thorgerson.

 

Pink Floyd „Wish You Were Here“

 

„Welcome to the visual work of Storm Thorgerson – graphic designer, film maker & tennis fiend”, heißt es auf der Startseite seiner Internetpräsenz. Dort werden unzählige Werke und jede Menge erinnerungswürde Geschichten aus dem Leben des 67jährigen archiviert. Und sowohl von dem einen als auch dem anderen gibt es nach einem halben Jahrhundert Karriere mehr als genug.

 

Berühmt wurde Thorgerson durch seine Cover für Pink-Floyd-Platten. Bilder, die die Menschen kennen wie sonst nur die Sendezeit der Tagesschau. Ob das Prisma auf “Dark Side Of The Moon”, der brennende Anzugträger auf “Wish You Were Here” oder das Londoner Kohlekraftwerk auf “Animals”, diese Arbeiten wurden im Laufe der Zeit legendär und prägten die Optik von Pink Floyd maßgeblich mit. Doch auch für mehrere Dutzend weiterer Künstler war sich Storm Thorgerson nie zu schade zur Kamera zu greifen. Unter anderem nahmen Anthrax, Audioslave, Biffy Clyro, Europe, Genesis, Led Zeppelin, Mars Volta, Megadeth, Muse, Offspring, Ween und die Wombats Thorgersons Können in Anspruch und ließen sich Hüllen zaubern, die nicht zu Unrecht zu wichtigen Kaufargumenten wurden.

 

 

Thorgersons Stil ist bis heute unverkennbar. Bombast trifft auf Alltägliches und fliegt anschließend mit einem halben Bauernhof im Handgepäck ans andere Ende der Welt. Joe Gross schrieb im März dieses Jahres auf der Internetplattform austin360 recht treffend: „Thorgerson was a revolutionary presence in 1970s rock, bringing fine art finesse, psychedelic style and a willingness to blow out a budget on enormous sculptures or dozens of large red balls in the middle of the Sahara to get that perfect photographic image for an album sleeve.”

 

In Zeiten von Photoshop und Illustrator, in denen es mehr gelernte Mediengestalter als registrierte Adobe-Produkte gibt, wirkt ein Storm Thorgerson wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Epoche. „Obviously you can do all sorts of things in a computer that look better for doing them in a computer, but they are computer things”, erklärte er 1997 in einem Radiointerview für „Floydian Slip“. Und während andere Grafikdesigner ein Objekt in einer 2 MB großen jpeg-Datei freistellen, stellt Thorgerson eine 10 Meter hohe Flammenskulptur auf Lanzarote ab. Den Kleinscheiß können eben die anderen machen. Dieser Typ war schon immer larger than life.

 

Werkschau: „Taken By Storm“

In einem Gespräch mit dem Radiomoderator Craig Bailey sprach Thorgerson über die ersten Schritte einer Coverproduktion: „We listen to the album. We also read the lyrics. And we also often talk to the band.” Diese Herangehensweise beweist, dass das herzlose Zusammenklatschen einer Grafik nicht seins war. Cover und Musik müssen zusammen passen. Eine Symbiose eingehen. Und um das zu erreichen, vergaß er auch mal seinen Stolz und verwertete Ideen und Hilfen von anderen Künstlern. So stammte der Ballon auf Alan Parsons „On Air“ vom bildenden Künstler John Woods, die Idee zum „Animals“-Cover von Pink Floyds Roger Waters höchstpersönlich und die Blaupause für die Fischmonsterzeichnung auf Weens „The Mollusc“ von Maler Finlay Cowan.

 

Da verwundert es auch nicht, dass Thorgerson 1968 zusammen mit seinem damaligen Mitbewohner Aubrey Powell das Designerunternehmen Hipgnosis gründete. Die Firma arbeitete hauptsächlich für die EMI-Tochter Harvest Records und deren Musiker. 1983 – nach 15 arbeitsreichen Jahren – verlies Storm sein eigenes Unternehmen jedoch wieder. Zwei Jahre später ging Hipgnosis – dessen Name keine wirkliche Bedeutung hat, sondern ein Graffiti-Schriftzug an der Tür ihrer WG war – Konkurs.

 

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Fotobänden, die das Schaffen des Storm Thorgerson zusammenfassen. So erschienen 2007 über Omnibus Press beispielsweise „Taken By Storm“ und „Mind Over Matter“. Sammlungen von Bildern, die zeigen, dass Storm die Kunst immer wichtiger war als das eingeplante Budget. Doch nicht nur Fotografie und Grafikdesign gehören zu seinen Leidenschaften. Die Filmchen, die während den Pink-Floyd-Shows auf Leinwände projiziert wurden, stammen zum Teil ebenfalls aus seinen Händen. Auch vor Büchercovern, Werbefilmen, Dokumentationen und Websitegrafiken machte der Tausendsassa im Laufe seiner Karriere nicht Halt.

 

Storm Thorgerson gab der jüngeren Musikgeschichte mit seinen Arbeiten ein Gesicht. Jugendzimmer werden noch heute mit Postern seiner Bilder geschmückt, Schallplatten in heimischen Ikea-Regalen ausgestellt und Musikmagazine greifen immer wieder auf seine Werke zurück. Es wäre ein Jammer, wenn die mp3-Industrie das klassische Plattencover null und nichtig machen würde und Menschen wie Thorgerson diese Möglichkeit zum Ausleben ihrer Kreativität nicht mehr hätten.

 

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat und sich das Schaffen Throgersons genauer anschauen möchte, sollte www.stormthorgerson.com besuchen. Dort findet ihr alle Bilder des Briten mit vielen interessanten Informationen.

 

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