Review: Slender – The Eight Pages

 

Nachts alleine im Wald. Eulen rufen, Wind rauscht, Äste rascheln und dazwischen nur der Klang der eigenen Schritte. Ausschließlich mit einer Taschenlampe und etwas Kondition ausgestattet, macht ihr euch auf die Suche nach acht Manuskriptseiten. Ihr kommt an heruntergekommenen Gebäuden und verwaisten Fahrzeugen vorbei. Die Stimmung ist angespannt, die Atmosphäre elektrisierend. Theoretisch kann euch nichts passieren. Trotzdem schwingt in diesem Szenario eine Urangst mit, die jeder Mensch kennt. Vielleicht schleicht sich von hinten ein blutrünstiger Mörder heran, springt hinter dem nächsten Busch ein vermummter Mann hervor?! Mit dieser Furcht spielt „Slender: The Eight Pages“ – das neue Indy-Horror-Game von Parsec Productions.

 

“The Slender Man“ ist ein Internetphänomen, das seinen Ursprung im „Something Aweful“-Forum hatte. Gruselige Bilder wurden gepostet, die einen bedrohlich wirkenden Schlacks mit langen Armen und schlecht zu erkennendem bzw. nicht vorhandenem Gesicht zeigten. Dazu gab es Geschichten wie diese: „One of two recovered photographs from the Stirling City Library blaze. Notable for being taken the day which fourteen children vanished and for what is referred to as ‘The Slender Man’. Deformities cited as film defects by officials. Fire at library occurred one week later. Actual photograph confiscated as evidence.“ Der Mythos “Slender Man” kam ins Rollen.

 

Mark J. Hadley entwickelte – basierend auf der Unity-Engine – das Survival-Horror-Game, dessen Spielprinzip zwar nicht simpler sein könnte, trotzdem zu 110% effektiv ist. Mit jeder gefundenen Seite wird der Slender Man – und somit auch der Herzschlag – schneller. “Slender: The Eight Pages“ fühlt sich mit seinem First-Person-Shooter-Stil und der reduzierten Steuerung wie der blanke Horror an. Okay, ich bin in Sachen Survival-Horror-Games vielleicht nicht gerade das mutigste Beispiel, doch ein so dermaßen furchteinflößendes Spiel habe ich bis dato noch nicht gezockt. Sich im abgedunkelten Raum völlig alleine auf die Suche nach den acht Blättern zu machen, geht tatsächlich unter die Haut. Die Gewissheit, dass da was im Wald ist, man deshalb innerhalb der nächsten zehn Minuten definitiv aufschrecken wird, als Spieler aber nicht genau weiß wann, macht einen völlig wahnsinnig.

 

Der Slender-Man kommt näher, vielleicht glaubt man sogar, ihn irgendwo zwischen den Bäumen schon entdeckt zu haben. Der Begriff Nervenkitzel ist weit untertrieben. „Slender: The Eight Pages“ erzeugt den Hosenschiss, den man sich von Videospielen nicht mehr zu erhoffen gewagt hat. Zu Recht wird das Spiel, das man vorsichtshalber nicht ohne Windel zocken sollte, sowohl von einer starken Fangemeinde als auch den Mainstream-Medien (zuletzt in einem Beitrag bei MTV Game One) hochgejubelt. Alex Bielski von altergamer.com schrieb in einer Review: „’Slender’ manages to tell us how, in a nutshell, real Survival Horror Games should be. A lot of Horror game developers could learn from Slender, and I hope they will.“

 

Völlig kostenlos herunterlad- und innerhalb von dreißig Sekunden installierbar ist „Slender: The Eight Pages“ der kleine Überraschungshit des Sommers. Wer sich darauf einlässt, wird sich auf eine Gänsehaut gefasst machen müssen. Versprochen! Wem die etwas mittelmäßige Grafik jedoch zu 2002 aussieht, kann sich freuen. Ethereal Entertainment haben angekündigt, das Spiel mit der Source-Engine (u.a. „Half-Life 2“ und „Portal 2“) unter dem Titel „Slender: Source“ neu herauszubringen. Co-op-Modus inklusive.

 

Zum Download!

 

3 Comments

  1. Blair Witch zum Zocken. Ja es wirkt ein wenig, das rumwandern macht durchaus einen Gänsehautfaktor. Nur leider ist der Slender Man wenig beängstigend wenn er denn mal da ist. Die recht drollige Figur, die auch noch mit Bildrauschen „angekündigt“ wird, ist einfach noch etwas zu nett. Hier müsste in alter John-Carpenter-Manier etwas böseres mit entsprechendem Sound her. Der Aufbau bis dahin ist klasse.

  2. ich finde dieses Spiel sehr beängstigend, ihr auch?

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