Michael Landon – Cowboy, Farmer und Engel

Es gibt so ein paar Namen, an die man sofort denken muss, wenn einem das Fernsehen der 70er und 80er Jahre in den Sinn kommt: Tom Selleck als Magnum, David Hasselhoff als Michael Knight, Richard Dean Anderson als MacGyver oder Peter Falk als Columbo. Sie prägten mit ihren Rollen ganze Generationen von Fernsehzuschauern und bekommen noch heute – wenn auch nur auf den hinteren Programmplätzen – ihre Zeit zum Scheinen.

 

Einer, der sich definitiv nicht hinter den autofahrenden Detektiven mit einer Vorliebe für bombenentschärfende Büroklammern zu verstecken braucht, ist der Mann, von dessen Haar schon der Satan aus „South Park“ schwärmte: Michael Landon. Denn kaum ein anderer spielte in so vielen Serien mit, von denen zumindest eine jeder Mensch ab dem Jahrgang 1990 abwärts einmal gesehen hat. „Bonanza“, „Unsere kleine Farm“ und „Ein Engel auf Erden“ sind Titel, die man kennt wie den eigenen Handy-Pin. Wahre Monumente der Fernsehgeschichte.

 

The Golden Age of Television

 

Michael Landon wurde am 31. November 1936 in Queens, New York als Eugene Maurice Orowitz geboren. Wenig später zog er mit seinen Eltern nach New Jersey, wo er aufwuchs und zur High School ging. Als hervorragender Schüler und Leichtathlet lagen ihm die Colleges zu Füßen. Wegen einer Armverletzung musste er seine –  durch ein Stipendium gestützte akademische Laufbahn – jedoch wieder abbrechen. Ein herber Schlag für Landon, der 1954 den weitesten dokumentierten High-School-Speerwurf des Jahres hinlegte. Doch nicht umsonst kam der französische Schriftsteller André Gide auf seinen weltbekannten Kalenderspruch: „Es ist ein Gesetz im Leben: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich dafür eine andere.“

 

Und Landon fand diese andere Tür relativ schnell. In der Nachkriegszeit kam es zu einem wahren Boom der TV-Industrie. Noch heute nennt man die Zeit zwischen den späten 40ern und den frühen 60ern „The Golden Age of Television“. Neue Konzepte von Publikumslieblingen wie Walt Disney, Alfred Hitchcock oder Paddy Chayefsky fesselten eine ganze Nation an die ersten Röhrenbildschirme, die nun auch zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt erschienen. Das erkannte auch Eugene Maurice Orowitz, der im Telefonbuch blätterte und so zu seinem Künstlernamen Michael Landon kam. Ruck zuck wechselte er vom Sportplatz in das Fernsehstudio.

 

Seine ersten Karriereschritte auf dem Bildschirm verliefen recht erfolgreich. Neben zahlreichen Gastrollen in Fernsehserien und Filmen ließ er TV-Fans und Branchenbosse vor allem durch eine Produktion aufhorchen: „I Was A Teenage Werewolf“ (dt. Titel: „Der Tod hat schwarze Krallen“). Ein aus heutiger Sicht selbstverständlich hirnrissiger Horrorfilm, in dem Landon den jungen Tony Rivers spielt, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt und anschließend Cheerleaderinnen reißt. Dennis Grisbeck schrieb 2005 in einer Review für die Genrespezialisten von Monster Shack trotzdem: “Don’t let the title fool you: this was a good movie.”

 

Bei einem Kostenaufwand von 82.000 US-Dollar spielte der Film die stolze Summe von zwei Millionen US-Dollar ein. Ein unglaublicher Erfolg, der Landon viele weitere Angebote einbrachte. So fühlte sich Candlelight Records 1957 dazu animiert, seinen Song “Gimme A Little Kiss (Will „Ya“ Huh)“ (B-Seite: „Be Patient With Me“) zu veröffentlichen. Weitere musikalische Projekte wurden später über RCA Victor Records in die Läden gebracht.

 

 

He was my everything!

 

Michael Landon war insgesamt dreimal verheiratet und hatte neun Kinder (zwei davon waren adoptiert). Ein Umstand, der nicht unbedingt nur Jubelstürme auslöste. Sein fünftes Kind Michael Landon Jr. veröffentlichte 1999 unter dem Titel „Michael Landon, the Father I Knew“ einen Film, der das Leben der Fernsehikone kritisch nacherzählte. Dem Magazin Christianity Today beschrieb er 2005 in einem Interview sein Verhältnis zu seinem Vater: „He was my everything as I was growing up. Then when my dad ended up having an affair and divorcing my mom when I was 15, my world was completely shattered.”

 

Doch was privat vielleicht nicht immer klappte, machte er in seiner Karriere goldrichtig. Einwandfreie Entscheidungen treffen und dann langfristig am Ball bleiben. So bekam er 1959 die Rolle des Little Joe in „Bonanza“ und wurde weltberühmt. Mit 428 gedrehten Folgen innerhalb von 14 Jahren, wurde er zum ersten The Hoff des amerikanischen Fernsehens. Stefan Wagner schrieb 2009 zum 50jährigen Jubiläum der Serie im Focus: „Bonanza war, wie Amerika sein sollte. Die Familien-Seifenoper im Western-Setting bestärkte den Glauben an das Gute.“

 

Nach dem Ende von „Bonanza“ setzte Landon seine Erfolgsgeschichte im US-Fernsehen fort. 1974 spielte er den Charles Ingalls in „Unsere kleine Farm“. Ein Format, das sich an die Biografie von Schriftstellerin Laura Ingalls Wilder anlehnte und Landon in der Rolle eines Familienvaters und vor allem Gutmenschens erster Güte zeigte. Die Serie wirkte zwar unerträglich dank dem Abfrühstücken aller traditionellen Werte, die sich jemals zwischen Kirchenbesuch und guter Kinderstube entwickelt haben, doch so war das damals halt. Die USA retteten noch die Welt vor sich selbst und Serien wie „Unsere kleine Farm“ zeigten, warum die Amis das dürfen und ausdrücklich müssen. Denn auch wenn es der Wilde Westen war, die Nordamerikaner hatten wenigstens noch einen Sinn für Gerechtigkeit. Zumindest dachten sie das.

 

 

Doch ganz so einfach ist es nicht. Als eines von Landons Kindern schwer erkrankte, wurde endgültig deutlich, was er trotz mehrerer Ehen und Weltruhm tatsächlich wollte: Eine heile Familie und innere Ruhe. Landon, der mittlerweile Kraft in seinem Glauben an Gott fand, betete für die schnelle Genesung seiner Tochter und versprach als Gegenleistung eine Serie zu produzieren, die zeigen sollte, was Gott für ein irrer Typ ist. „Ein Engel auf Erden“ wurde 1984 – nachdem „Unsere kleine Farm“ ein Jahr zuvor dem Quotentief zum Opfer fiel – das erste Mal ausgestrahlt. Seine Tochter konnte die Krankheit also erfolgreich bekämpfen. 1989 ging jedoch auch die letzte Folge seiner selbstproduzierten Engel-Soap auf Sendung.

He leaves a legacy of love and laughter

 

Bauchspeicheldrüsenkrebs hieß die Diagnose, die Landon im April 1991 ereilte. Schon zwei Monate später  starb er im Alter von nur 54 Jahren. In einem Interview kurz vor seinem Tod sagte er noch: „I love my work. I’ve had three successful series, and I want to find out if I can make a fourth.” Doch dazu sollte es nie kommen. Ein großer Verlust – nicht nur für die Unterhaltungsbranche.

 

Landon mimte in seinen Erfolgsserien den netten Kerl, der familiäre Werte für das Wichtigste hält. Stets bemüht den richtigen Weg einzuschlagen und seinen Mitmenschen zu helfen. Es ließen sich dutzende Abhandlungen darüber verfassen, wie sehr das mit seinem tatsächlichen Privatleben zusammenhängt. Ob der Wunsch auch außerhalb seiner Serien auf der Sonnenseite des Familienlebens zu stehen, die Wahl seiner Rollen intensiv beeinflusst hat. Doch dies würde dem Schauspieler Michael Landon und dem Menschen Eugene Maurice Orowitz sicherlich nicht gerecht werden.

 

Auf seinem Grabstein steht „He seized life with joy. He gave to life generously. He leaves a legacy of love and laughter.” Und genau so sollten wir ihn in Erinnerung behalten. Als einen Mann, den wir mindestens schon einmal mit Freude auf dem Bildschirm bewundert haben. Als Charles Ingalls, Little Joe oder Jonathan Smith.

 

2 Comments

  1. Es ist schade das Michael Landon nicht mehr lebt ?

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