Kurz & knapp #78: Gucci Mane, Nervus, Once Upon A Time In… Hollywood…

Kurz-Reviews: Unter anderem mit Tarantinos „Once Upon A Time… In Hollywood“

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Gucci Mane, Miss June, Jacob Miller, Horse Jumper Of Love, Morgan Heritage, Nervus, Cultdreams & Once Upon A Time… In Hollywood.

 

Gucci Mane „Delusions Of Grandeur“

Wenn Gucci Mane sein 14. Studioalbum veröffentlicht, ist das erst einmal kein Grund zur Aufregung. Dafür haut der Bosstransformierte zu viel Musik raus. „Delusions Of Grandeur“ bewirbt sich dennoch als Highlight in seiner unübersichtlichen Diskografie. Gucci Mane braucht zwar keine Diamanten und teuren Klamotten mehr, als Kostverächter stellt er sich auf den 18 Stücken trotzdem nicht dar. Zu den Stärken des Albums gehören neben den einprägsamen Refrains die vielseitigen Beats. Gepitchte Vocals („Love Thru The Computer“), G-Funk („Blind“) und Flöten-Samples („Look At Me Now“) zeigen, dass ihm der gesunde Lebensstil nicht die Kreativität genommen hat. +++ Annabel Liddell keift auf dem neusten Album ihrer Band Miss June, als hätte man sie mit der Stecknadel gepikst. Auf „Bad Luck Party“ gibt sie sich nämlich angemessen aufgebracht. Der Punkrock des neuseeländischen Quartetts klingt wie die freche Version der Muncie Girls und bringt den Idioten mit Mittelfinger statt guten Argumenten Benehmen bei. Musik für Menschen, die im Abendkleid ins autonome Jugendzentrum gehen.

 

Jacob Miller „This New Home“

Jacob Miller – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Reggae-Künstler – schnappt sich Stile wie Folk, Singer-Songwriter und Ska, um sie zu einem melancholischen Mix zu verweben. Auch sein neues Album „This New Home“ lebt davon, stellt es doch auf den zehn Stücken immer wieder neue Instrumente in den Vordergrund. Trompeten („Take Me Home“), Geigen („Cut My Teeth“) oder ein einsames Piano („As I Am“) – der Musiker überzeugt durch Vielfältigkeit, die dennoch wie aus einem Guss klingt. +++ “A lot of these songs are about making small things into huge deals“, heißt es in der Pressemitteilung zum zweiten Album von Horse Jumper Of Love. Das passt zum Mauern einreißenden Rock, den sie auf den elf Stücken von „So Divine“ liefern. Aus leise wird innerhalb weniger Takte laut. Auf eine Akustikgitarre folgt ein elektronisches Störgeräusch. Erst beenden sie einen Song nach 90 Sekunden, dann brauchen sie fast vier Minuten. Wer Musik ohne erkennbare Strukturen mag, genießt die Platte der Bostoner mit Sicherheit.

 

Morgan Heritage „Loyalty“

Morgan Heritage feiern auf „Loyalty“ das 25-jährige Bestehen ihrer Familienband. Wie beim Reggae-Quintett üblich fällt das ausgesprochen poppig aus. Mit Gastbeiträgen aus Jamaika, Amerika und Afrika stehen sie dabei stets für Ein- statt Ausgrenzung. Bands wie diese brauchen wir in unseren kalten Zeiten. +++ Der laute Pop-Punk von Nervus lässt anderes vermuten, doch unter der zugänglichen Schale, verbirgt sich schwere Kost. Faschismus, Einschränkungen und die Ausbeutung des Planeten – Sänger Em Foster besingt die daraus folgenden Depressionen und Desillusionierungen. Den Soundtrack zum Weltuntergang liefert die Band trotzdem nicht, denn dafür spendet die Musik zu viel Hoffnung. +++ Kamikaze Girls arbeiten mittlerweile unter dem Namen Cultdreams. Handzahmer fällt die Musik der Lo-Fi-Punks trotzdem nicht aus. In politisch unruhigen Zeiten liefern sie mit ihrem zweiten Album „Things That Hurt“ den hymnischen Soundtrack für den Widerstand. Die Stimme von Sängerin Lucinda Livingstone scheint trotz lauter Gitarren durch die zehn Stücke zu schweben. Das hier läuft auf der richtigen Seite der Straßenbarrikade.

 

„Once Upon A Time In… Hollywood“

TV-Darsteller Rick Dalton und sein Stunt-Double schlagen sich durch das Los Angeles der Sechzigerjahre. Die Schauspieler müssen sich allerdings nicht nur noch vor schlechten Rollenangeboten, sondern auch vor Charles Manson und seinen Anhängern fürchten. Mit Once Upon A Time In… Hollywood hat Quentin Tarantino ein Best-Of seiner eigenen Kunst gedreht: Kung-Fu-, Gangster-, Splatter-, Italo-Western- und Nazikiller-Filme – alles kommt zusammen und wird zu einem selbstreferenziellen Meisterwerk vermischt, das Roman Polanski so etwas wie Genugtuung schenken könnte. Statt auf Action setzt der Film im Laufe seiner kurzweiligen 161 Minuten auf Dialoge. Diese gehören nach wie vor zu Tarantinos Stärken, spielen im Superhelden-Zeitalter aber leider nur noch eine untergeordnete Rolle. Tarantino hat von den Neben- (Luke Perry, Dakota Fanning) bis in die Hauptrollen (Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie) hochkarätige Schauspielerinnen und Schauspieler engagiert. In Kombination mit dem Sechziger-Soundtrack weckt der Streifen Lust, im Anschluss weitere Filme aus dieser dynamischen Epoche des Blockbuster-Kinos zu schauen.

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