Kurz & knapp #64: Gucci Mane, Kodak Black, EAV, Spider-Man, Final Space…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Gucci Mane, Tee Grizzley, Kodak Black, Schraubenyeti, Tim Neuhaus, EAV, Token, Tigersclaw, Spider-Man: A New Universe, Final Space & Homecoming.

 

Gucci Mane „Evil Genius“

Mit „Evil Genius“ liefert Gucci Mane ein Rap-Album nach Maß. Gelegenheitshörer werden kaum einen Unterschied zu den Vorgängern erkennen. Stammhörer freuen sich dennoch über 18 Stücke, die sich qualitativ gerade von den Mixtape-Projekten abheben. An der Feature-Front schaut von den Migos bis 21 Savage zudem das Who-Is-Who der aktuellen Hip-Hop-Szene vorbei. +++ Nachdem Rapper Tee Grizzley Mitte 2018 mit seinem Debütalbum “Activated” bis auf Platz 10 der Billboard Charts kletterte, ließ er 2018 mit dem Mixtape „Still My Moment“ ausklingen. Ausschussware aus den Albumsession muss nicht befürchtet werden. Stattdessen gibt Grizzley in der Hustler-Hymne „Babies To Men“ tiefe Einblicke in seinen Werdegang. Der Erfolg bescherte ihm nicht nur Luxusgüter, sondern auch Zufriedenheit, mit der er auf „Wake Up“ nun seine Hörer motivieren möchte. Ausfälle wie das uninspirierte „Bitches On Bitches“ bilden die Ausnahme auf einem soliden Release. +++ Als Chorknabe inszenierte sich Kodak Black nie. Warum auch, der Rapper kennt Gerichtssäle und Gefängniszellen besser als sein Wohnzimmer. Spurlos gingen die Konflikte mit dem Gesetz trotzdem nicht an dem 21-Jährigen vorüber. Auf seinem zweiten Studioalbum „Dying To Live“ zieht er sich selbst immer wieder als abschreckendes Beispiel für einen verfehlten Lebensstil heran. Die 16 Stücke wirken atmosphärisch, zuweilen sogar melancholisch. Dass er deshalb nicht auf Hits verzichtet, beweisen Songs wie „Zeze“ mit Travis Scott und Offset.

 

Schraubenyeti „heute. gestern.“

Jahrelang war Schraubenyeti als einsamer Straßenmusiker unterwegs. Für das Konzeptalbum „heute. gestern.“ formierte er mit Das Mammut eine Band um sich, die dem rauen Folk des Leipzigers mit Klavier, Trompete und Streicher Bombast verleiht. Fernweh, Unehrlichkeit und Depressionen – Schraubenyeti singt über Themen, die ihm das Leben diktiert. Ein sympathisches Album voller Melodien und wertvoller Texte. +++ Klar, der Zeichentrickfilm Spider-Man: A New Universe macht von der Geschichte bis zur Optik vieles richtig. Die Musik trägt aber ebenfalls einen entscheidenden Teil dazu bei, dass das Abenteuer rund um das dimensionsreisende Spinnenteam funktioniert. Über Universal Music erschien nun der Soundtrack, für den die Großen der Stunde aus dem Bereich Hip-Hop und R‘n‘B vorbeischauten. Post Malone und Swae Lee liefern seichten Sonnenscheinpop („Sunflower“), Duckwrth und Shaboozey geben die mit Distortion-Effekt überladene Abrissbirne („Start A Riot“) und Beau Young Prince mimt den melancholischen Crooner („Let Go“). So klingt die Playlist eines jungen New Yorkers wie Miles Morales. +++ Was 2017 mit „Pose I + II“ begann, führt der Multiinstrumentalist Tim Neuhaus mit „Pose III + IV“ fort. Der Hagener versammelt auf der Platte Skizzen und ausgearbeitete Songs, die sich irgendwo zwischen Neoklassik, sphärischen Soundexperimenten und seichtem Sonntagmorgen-Pop einordnen lassen. Neuhaus präsentiert sich als versierter Musiker, für den sich kaum ein Genre-Begriff finden lässt.

 

EAV „Alles ist erlaubt“

Die Erste Allgemeine Verunsicherung – kurz EAV – veröffentlicht mit „Alles ist erlaubt“ ihr bereits 17. Studioalbum. Aus dem Kelch der Innovation trank die österreichische Gruppe hierfür zwar nicht, der gewohnt kritische Augenzwinker-Poprock funktioniert aber auch noch vier Jahrzehnte nach Bandgründung bestens. Sänger Klaus Eberhartinger setzt sich kritisch mit Politik („Trick der Politik“), Religion („Rabenschwarz und weiß“) und Ernährung („Salatisten-Mambo“) auseinander. Dass das trotz der ernsten Themen so viel Spaß macht, liegt vor allem an den cleveren Texten. +++ Die Fachpresse erklärte Token schon vor Jahren zum Wunderkind des Raps. Vorschusslorbeeren und eindrucksvolle Social-Media-Zahlen konnte er jedoch nie in monetäre Erfolge umwandeln. Mit dem Album „Between Somewhere“ soll sich das ändern. Wobei die Zeichen nicht gut stehen, präsentiert sich Token doch als technisch hochversierter Rapper, der zwar an der Seite von Tech N9ne besteht, dafür aber eine für heutigen Rap so typische Lässigkeit vermissen lässt. Nebenbei lassen sich die 17 Stücke, die sich um die Themenkomplexe Fame, Familie und Frauen drehen, nicht hören. Hip-Hop-Kenner mit Lust auf inhaltlichen und vor allem handwerklichen Tiefgang werden sich an diesem basslastigen Brocken dagegen nicht satthören können. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein kurzer Tipp für Fans von Symphonic Metal: Aragorn hatte mit Sicherheit „Force of Destiny“ von Tigersclaw auf dem mp3-Player, als er in die Schlacht am Morannon zog.

 

Spider-Man: A New Universe

Spider-Man: A New Universe bringt frischen Wind in das stark überlaufene Superhelden-Genre, indem er gleich mehrere Spider-Men aus unterschiedlichen Dimensionen gegen den Kingpin kämpfen lässt. Dabei funktioniert der Streifen nach ähnlichen Mustern wie die Realverfilmungen von Thor, Iron-Man & Co. Die Protagonist_innen – allen voran Miles Morales – wirken jedoch deutlich sympathischer als ihre Kollegen aus Fleisch und Blut. Ein außergewöhnlich schicker Animationsstil sowie ein arschcooler Soundtrack runden einen der besten Superheldenfilme von 2018 ab. +++ Aufgrund einer Haftstrafe lebt Gary seit Jahren isoliert auf einem Raumschiff. Die Einsamkeit vergeht allerdings, nachdem er erst das Alien Mooncake und anschließend viele weitere freundlich, aber auch feindlich gesinnte Lebewesen kennenlernt. Bei der Zeichentrickserie Final Space drängen sich Vergleiche mit „Futurama“ auf. Doch wo Matt Groenings intergalaktischer „Simpsons“-Ableger durch smarten Humor und Verweise auf die Jetztzeit überzeugt, verrennt sich „Final Space“ in simplen Späßen, die meistens auf der Verrücktheit der Hauptfigur basieren. Die erste Staffel, die hierzulande bei Netflix zu sehen ist, bietet dennoch Stoff für ein paar unterhaltsame Stunden. +++ Julia Roberts verkörpert in der Amazon-Prime-Serie Homecoming die Sozialarbeiterin Heidi Bergman, die sich aus unerklärlichen Gründen nicht mehr an ihre Anstellung in einer geheimen pharmazeutischen Testseinrichtung erinnern kann. Als ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums auf die dortigen Machenschaften aufmerksam wird, beginnt er sich für Bergmans Vergangenheit zu interessieren. Da die zehn Episoden des Psychothrillers bis zuletzt offenlassen, was sich damals abspielte, rätseln die Zuschauer_innen gemeinsam mit der großartig spielenden Roberts. „Mr. Robot“-Regisseur Sam Esmail inszenierte Handlungsstränge in der Gegenwart und Vergangenheit optisch unterschiedlich. Diese Kniffe machen „Homecoming“ zu einer Serie, die nicht nur spannend, sondern auch visuell außergewöhnlich ist.

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