Kevins Wrestling-Kommentar: Vince, you’reeee fireeeed!!!

Davon träumt die WWE: So volle Hallen wie bei AEW // Foto: Stefan Mertlik

Wir schreiben das Jahr 2019. Der WWE geht es gut. Wenn man sich den Zustand des aktuellen Produkts anschaut, stellt sich allerdings die Frage: Warum geht es der WWE immer noch so gut?

 

Vince McMahon schaufelt der WWE seit Jahren ein Grab. Nicht mit einem Spaten – damit würde es zu schnell gehen. Vince benutzt einen goldenen Löffel: Dauert länger und vor allem kann er es sich leisten. Schließlich zahlen die Saudis viel Geld für ihre Gladiatorenspiele. Wo wir beim Thema sind: Musste es ausgerechnet Saudi-Arabien sein?

 

Ein Land, das Todesstrafen durchführt, Homosexuelle verfolgt und in dem Frauen so viele Rechte haben wie Kinder im Casino? Gab es keine anderen Länder, die mit Geld um sich werfen? Japan zum Beispiel? Ach nein, die haben mit NJPW bereits eine Promotion, die die WWE mit besserem Wrestling in den Schatten stellt. Dann lieber Saudi-Arabien, denkt sich Vince. Was sind schon Menschenrechte, wenn der Preis stimmt.

 

Vorteil des Saudi-Deals: Die weiblichen Superstars können Pause machen. Schließlich dürfen die in Saudi-Arabien nicht in den Ring steigen. Allein das wäre Grund genug gewesen, den Deal platzen zu lassen. Aber nein, Vince‘ Pupillen verwandelten sich in Dollarzeichen.

 

AEW war Vince‘ größte Leistung

 

Vince‘ größte Leistung der letzten Jahren war die Erschaffung von All Elite Wrestling (AEW). Denn nicht Tony Khan, Cody Rhodes oder die Young Bucks haben AEW kreiert, es war Vince selbst durch seine Entscheidungen und die Ausrichtung der WWE. Für Fans eine geile Sache, da Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt.

 

Die Konkurrenz wächst: „All Out is sold out!“ Der nächste AEW-PPV „All Out“ war nach 15 Minuten ausverkauft. Angeblich befanden sich 80.000 Menschen in der Warteschleife, um Tickets zu bestellen. Wir sprechen nicht über „Wrestlemania„, sondern „nur“ über den nächsten AEW-PPV. Die AEW hätte ein Stadion füllen können. Die Tickets für den nächsten WWE-PPV „Stomping Grounds“ verstauben dagegen in einem kleinen Kassenhäuschen in Stamford. Für Vince muss sich das anfühlen wie ein Tritt in die Eier – mit Anlauf und einem Stahlkappenschuh.

 

RAW“ und „SmackDown Live“ bauen immer weiter ab. Jede Folge gleicht sich wie ein Ei dem anderen. Wer vier Wochen pausiert, verpasst nix. Selbst die PPVs konnten in letzter Zeit kaum überzeugen. Die WWE verfügt über das beste Roster aller Zeiten. Teilzeitwrestler wie Brock „The Geldsack“ Lesnar stehen aber an der Spitze. Bray Wyatt, Dolph Ziggler, Finn Balor oder Cesaro sind dagegen Wrestler, die seit Jahren unter Wert verkauft werden. Gerade beim Schweizer Cesaro ist es ein Trauerspiel. Wäre der Mann Amerikaner, wäre er vermutlich mehrfacher WWE Champion geworden: „Claudio, komm nach Hause in die wXw“, möchte man ihm zurufen.

 

Luxusdampfer gegen Schlauchboot

 

Aktuell darf sich WWE Champion Seth Rollins mit Baron Corbin herumschlagen. Das ist wie Luxusdampfer gegen Schlauchboot oder Düsenjet gegen einen selbstgebastelten Papierflieger. Es passt einfach nicht. Stattdessen könnte Rollins gegen AJ Styles, Cesaro, Bray Wyatt, Sami Zayn oder Ricochet antreten.

 

Aufgepasst, jetzt gibt’s einen Spoiler: Baron Corbin kämpft bei „Extreme Rules“ in einem Tables Match gegen Seth Rollins. Dort wird Rollins per vermurkstem Finish durch den Tisch gehen. Nach Jinder Mahal haben wir also bald Baron Corbin als Champion der größten Wrestling-Promotion der Welt. AEW freut sich jetzt schon darauf.

 

Der Tiefpunkt nach einer schwachen „Wrestlemania 35“ war „Money in the Bank 2019„. Sieben Männer liefern sich ein herausragendes Match, bis Brock Lesnar am Ende den „Money in the Bank“-Koffer abstauben darf, ohne auch nur eine Schweißperle zu verlieren. Immerhin musste er von der Stage zum Ring laufen, hineinklettern, die Leiter hochsteigen und den Koffer abhängen. Ein verdammt harter Arbeitstag. Dafür gab es vermutlich mehr Gage als für die anderen sieben Wrestler zusammen. Was machen solche Entscheidungen mit der Moral im Lockerroom?

 

Randy Orton – die personifizierte Lustlosigkeit

 

Vince vergiftet die WWE mit dem schleichenden Gift einer Viper. Wo wir gerade beim Thema sind: Randy Orton. Was zum Teufel ist nur aus der Viper, dem Apex Predator, dem Legend Killer geworden? Einst genialer Psycho-Heel, in den letzten Jahren nur noch ein Schatten seiner selbst. Orton ist zur personifizierten Lustlosigkeit geworden. Er spult sein Programm lieblos ab, wodurch jedes Match zu einem einzigen Einheitsbrei wird: Ein Sinnbild für das aktuelle WWE-Produkt.

 

Das gesamte WWE-Produkt? Nein, ein kleines Dorf mit dem Namen NXT leistet erbitterten Widerstand: Super Fehden und tolle Action im Ring. NXT und WWE trennen keine Welten mehr, sondern Dimensionen. Dementsprechend heißt das WWE-Flaggschiff schon lange nicht mehr „RAW“ oder „SmackDown Live“, sondern NXT.

 

Triple H leistet einen unglaublich guten Job. Schließlich ist er für NXT das, was Vince für die WWE ist. Für viele Fans ist NXT der einzige Grund, der WWE noch treu zu bleiben. Denn bei „RAW“ und „SmackDown Live“ blamieren sich die Superstars mit Ideen wie dem 24/7-Titel. Dieser ist zwar unterhaltsam, hat mit Wrestling allerdings wenig zu tun. Der 24/7-Titel ergibt so viel Sinn wie ein Staubsauger in der Wüste.

 

Es ist unfassbar, dass die wXw aus Deutschland derzeit ein besseres Produkt abliefert als die WWE, obwohl sie im Vergleich nur über einen Bruchteil der finanziellen Mittel verfügt. CM Punk hat es bereits 2011 gesagt: Der WWE geht es erst wieder gut, wenn Vince weg ist. Es wird Zeit, dass Vince den Löffel abgibt – und zwar den goldenen an Triple H. Er soll sich um seine Football-Liga kümmern und ein paar Millionen in den Sand setzen. Danke für das, was du fürs Business getan hast, Vince, jetzt ist deine Zeit aber vorbei: You’reeee fireeeed!

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