Kurz & knapp #69: Gunna, Lil Pump, Juice WRLD, Triple Frontier…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: The Claypool Lennon Delirium, Gunna, Lil Pump, Juse Ju, Scargod, Kettcar, Stephen Malkmus, Juice WRLD, American Football, Triple Frontier & Turn Up Charlie.

 

The Claypool Lennon Delirium „South Of Reality“

Primus-Bassist Les Claypool und John Lennons Sohn Sean bilden das duo The Claypool Lennon Delirium. Auf ihrem zweiten Studioalbum “South Of Reality” gelangen sie meisterhaft auf die nächste Zugänglichkeitsstufe. Denn diesmal funktioniert das Zusammenspiel der beiden Musiker noch besser. Entstanden ist experimenteller Rock, der wie das 2019-Update der Beatles klingt. +++ Obwohl es die Zwei im Namen trägt, bezeichnet Gunna „Drip Or Drown 2“ als Debütalbum. Begrifflichkeiten sind aber letztlich schnuppe, wenn die Musik stimmt. Der Rapper versinkt mit den 16 Stücken in einer Monotonie, die sowohl die Beats als auch die Inhalte betrifft. Dass die Platte dennoch funktioniert, liegt an der hohen Produktionsqualität. Gunna gibt sich gelangweilt, nimmt damit aber nur eine perfekt inszenierte Pose ein. +++ „Dropped out, then I got rich“ – so fasst Lil Pump seinen Werdegang auf dem Titeltrack von „Harverd Dropout“ zusammen. Um das Rap-Game zu retten, schmiss er die Uni. Innerhalb kürzester Zeit schaffte es der 18-Jährige in seiner Sparte an die Spitze. Das zweite Studioalbum befeuert diesen Status. Penetrante Synthie-Beats und hedonistische Wohlstand-Raps schmecken nicht jedem. Und so bleibt Lil Pump auch weiterhin dem Motto „lieb es oder hass es“ treu.

 

Scargod „Krankheit Mensch“

Rapper Juse Ju trifft musikalisch nicht unbedingt den Zeitgeist. Will er auch gar nicht, was seine neue EP „Untertreib nicht deine Rolle“ auf ein Neues beweist. Dafür sind Stücke wie „Becoming Juse Ju“, für das er sich im Refrain von Prince inspirieren ließ, und „Männer“, ein Statement zu toxischer Maskulinität, zu eigen. Gut, dass er es trotz mangelnder Massenkompatibilität genau so macht. +++ „Krankheit Mensch“ von Scargod beginnt mit Soundeffekten vom Schlachtfeld. Einen besseren Einstieg könnte es für das dritte Album der Extreme-Metal-Band nicht geben, brettert sie danach doch weiter, als wäre Musik Krieg. Plump klingt trotzdem nichts. Bester Beweis hierfür der Opener „6 Million“, der mit Akustikgitarren- und Streicher-Passagen überrascht. Scargod spielen harte, aber auch verspielte Musik, in der sie sich über die Welt und ihre Bewohner ordentlich auskotzen. +++ Kettcar liefern mit “Der süße Duft der Widersprüchlichkeit“ den Epilog zu „Ich vs. Wir“ von 2017. Und wie auch schon auf dem Album beschäftigt sich Sänger Marcus Wiebusch auf der EP mit politischen und gesellschaftlichen Beobachtungen. In Traurigkeit getränkte Zeilen über verkorkste Leben lähmen die Hörer_innen, bis sie sich von den wunderschönen Melodien wieder aufbauen lassen. Keine Frage, das ist ein Pathos, der nicht allen gefällt.

 

Juice WRLD „Death Race For Love“

Mehr als eine Dekade arbeitete Stephen Malkmus an seinem Soloalbum „Groove Denied“. Nun waren sich der ehemalige Pavement-Frontmann und sein Label einig, die Platte muss raus. Fans des Künstlers freuen sich, bietet sie doch eine ungewöhnliche Mischung aus Electronic und Retrorock. In Stücken wie „Belziger Faceplant“ regieren die Synthies, in „Come Get Me“ garagige Gitarrensounds. Im ständigen Wechsel der Stile dominiert die Kurzweile. +++ Juice WRLD ist kein Fan der Welt. Deutlich wird das auch auf seinem zweiten Studioalbum „Death Race For Love“. Er singt über Misogynie, spielt – wie auf „Empty“ – immer wieder mit Selbstmordreferenzen. Die Stimme des 20-Jährigen presst sich entsprechend schmerzerfüllt über die Beats. Musikalisch sorgen Gitarren- („Ring Ring“), Ho99o9- („Syphilis“) und Hip-Hop-Momente („Out My Way”) für Abwechslung. Gelungene Platte eines Musikers, der die Leiden einer Generation auf die Spitze treibt. +++ Ruhig, gedankenverloren und emotional – die acht Songs auf ihrem selbstbetitelten dritten Studioalbum bringen das Wesen der Band American Football auf den Punkt. Nach der bereits starken Comeback-Platte von 2016 traut sich ihr Emo-Rock noch mehr heraus. Die Stücke nehmen sich Zeit, ohne zu langweilen. Trotz des Genre-Stigmas driftet das Album nicht in Kitsch ab. Um das von neutralen Ohren prüfen zu lassen, lud das Quartett unter anderem Hayley Williams von Paramore und Rachel Goswell von Slowdive ins Studio ein.

 

Triple Frontier

Santiago Garcia rekrutiert seine alten Special-Force-Kameraden, um das Geld eines südamerikanischen Drogenbosses zu stehlen. Ein Update von „Three Kings“ ist Triple Frontier nicht – dafür fällt der Action-Thriller zu dramatisch aus. Gelacht wird nur, wenn die Situation zu bitter für Tränen ist. Die Fünfertruppe kommt an ihre Grenzen: Körperlich und emotional. Am Ende geht es nicht mehr um die Sicherung des Geldes, sondern um den Erhalt der Freundschaft. Ben Affleck, Oscar Isaac, Charlie Hunnam, Garrett Hedlund und Pedro Pascal harmonieren als harte Männer, die Gefühle zeigen. Das Klischee des ausgebrannten Veteranen schwingt immer mit. Plump gerät die Netflix-Produktion trotzdem nicht. „Triple Frontier“ hält die Waage zwischen gutgemachter Action und halbwegs intelligenter Geschichte und bietet damit Stoff für Menschen, die ihre Ballereien tiefgründig mögen. +++ In Turn Up Charlie spielt Idris Elba einen abgehalfterten DJ, der – in der Hoffnung wieder Anschluss im Musikgeschäft zu finden – als Nanny für das Kind einer erfolgreichen DJane arbeitet. Was wie eine Comedy-Serie unter Elbas Niveau klingt, stammt tatsächlich aus seiner eigenen Feder. Und so fühlen sich die acht Folgen nicht wie ein Kalauerfeuerwerk, sondern wie ein Kommentar auf das Leben prominenter Eltern an. Keine Zeit für die Kids, ständige Umzüge und ein beruflicher Erfolgsdruck, der die Ehe belastet – Elba verarbeitet mit Sicherheit viele eigene Erfahrungen in dieser erstaunlich kurzweiligen Netflix-Serie.

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