Ja, Panik: Für den Kater danach…

das aktuelle Album „Libertatia“

Ja, Panik sind mit neuem Album und einer dazugehörigen Tour zurück. Vom Quintett auf’s Trio geschrumpft, spielen sich die Wahlberliner mit verhältnismäßig lockeren Stücken den Kater nach der Party schön.

 

Im Vergleich zum direkten Vorgänger „DMD KIU LIDT“ ist „Libertatia“ beschwingter, schneller und tanzbarer ausgefallen. Die offensive Proteststimmung blieb zuhause und das einsichtige, aber definitiv nicht resignierte Zugeständnis zu einfachem Liedgut macht sich stattdessen auf den zehn Stücken des Albums breit. Mehrschichtige Inhalte werden in gewohntem Denglish und geschmeidigen Beinah-Schlager-Hooklines verpackt. Das könnte so im Radio laufen und niemand würde sich herausgefordert fühlen. „Mit Barcadi-Feeling gegen das Scheiß-System“, betitelte Spiegel Online einen Artikel zur Band da nicht ganz unpassend.

 

Sich frei von allen unbequemen Einstellungen machen und dabei durchaus politisch sein, könnte die Devise lauten. Eben nicht aufzugeben, sondern sich mit dem wahren Feind noch einmal anzulegen. Aus ACAB das vermeintlich dümmliche „All Cats Are Beautiful“ machen, weil der Assi-Punk neben iPhone, Astra-Flasche und Volltarif-Verbundspass halt doch keine Ahnung hat. Denn Wut und Aggressionen finden auf „Libertatia“ bei aller Groove-Orientierung nach wie vor statt, man wird aber älter und der Blutdruck steigt stündlich. Dann doch lieber auf diese eine Insel flüchten, auf der alles besser ist. Und wenn sie nicht mehr existiert, dann wird sie halt während der 39 Minuten des Albums erschaffen.

 

Libertatia schwebte über den Köpfen

 

der Keller Klub war voll

 

Ein Freitagabend für den Tour-Stopp im Stuttgarter Keller Klub hätte nicht geeigneter sein können. Im Rahmen des Flux Fridays durften die gebürtigen Burgenländer ein von der Woche gescholtenes Publikum in Empfang nehmen und mit den Klängen ihres neuen Albums gut gelaunt in das Wochenende entlassen. Etwas zu ausgeprägt war die Laune und vor allem der Gesprächsbedarf des Publikums dann aber doch, weshalb Sänger Andreas Spechtl dieses während des recht ruhigen „Eigentlich wissen es alle“ mit einem freundlichen, aber bestimmten „Pssst“ zur Ruhe bat. Der randvolle Club hätte sich hier und da vielleicht etwas mehr Action erhofft, Spechtl und Co traten trotzdem selbstbewusst mit schwarzem Halstuch, halbgeschlossenen Augen und Strähnen im Gesicht vor ihr Publikum. Die Flux-FM-Jünger wollten möglicherweise weniger an „Post Shakey Time Sadness“ und etwas mehr an „Zwischen 2 und  4“ erinnert werden, machten sich aber spätestens bei den Zugaben in Richtung Libertatia auf.

 

„Libertatia“ erschien am 31.1.2014 über Staatsakt.

 

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