Impala Ray live: „Stay gschmeidig!“

24.11.2016 - Freiburg, Waldsee

Impala Ray waren am 24. November im Freiburger Waldsee zu Gast: Mit stampfenden Hymnen, intimer Konzertatmosphäre und einem irrsinnig komischen Dialekt spielten sich die fünf Musiker direkt ins Herz ihres Publikums.

 

alle haben gefeiert und getanzt

Es gibt sie noch, diese kleinen Konzerte, nach deren Besuch man sich so wohlig fühlt, dass man erst die komplette Diskografie des gesehenen Künstlers in den Amazon-Warenkorb zieht, um anschließend die ganze Welt zu umarmen. Am 24. November bewarben sich die fünf Damen und Herren von Impala Ray für genau dieses Gefühl und wurden bereits nach den ersten Konzertminuten in die Herzen ihrer Hörer aufgenommen. Die Anwesenden, die die Band bereits kannten, wussten es schon, alle anderen wurden vom Gute-Laune-Folk der Münchner unvorbereitet gepackt. Davor durften jedoch die vier Freiburger von Between Owls, deren punkigen Songs erste Tanzlust versprühten, das Eis brechen. Das funktionierte ausgesprochen gut, was nicht zuletzt an den sympathisch unbeholfenen Ansagen zwischen den Songs lag. Leider hatten sie keine CDs ihrer selbstbetitelten EP am Merchandise-Stand vorrätig, nehmen derzeit aber ihr erstes Album auf. Geduld heißt es also für Frischverliebte. Oder der Griff zur Kassette, die für faire vier Euro noch verkauft wurde.

 

Bevor die Show von Impala Ray begann, wurde der Bereich zwischen Bar und Bühne mit einem großen Vorhang abgetrennt. Keine schlechte Idee, denn schon Between Owls merkten an, dass sie ihr Publikum wegen zu viel Gegenlicht nur als „schwarzes Loch“ wahrnehmen würden. Der dadurch künstlich verkleinerte Konzertraum wirkte entsprechend kuschelig, was der persönlichen Atmosphäre durchaus zuträglich war. Impala Ray verschwendeten keine Zeit. Nach einem instrumentalen Intro stampften die von Trompete und Tuba unterfütterten Hymnen los wie eine Elefantenherde und gingen – wie es Frontmann Rainer Gärtner immer wieder betonte – direkt „Ins G’sicht“. Das war so energetisch, dass die ein, zwei Besuchergruppen, die einen Konzertbesuch mit einem Kaffeeklatsch verwechselten, völlig untergingen. Großzügig bediente sich die Band aus ihrem Oeuvre, das mittlerweile aus den beiden Langspielplatten „Old Mill Valley“ von 2014 und dem dieses Jahr erschienenen „From The Valley to the Sea“ besteht.

 

es gab auch ruhigere Momente

Die Pause zwischen den Liedern nutzte Rainer Gärtner, der vor Impala Ray unter dem Namen RainTom Musik machte, um sein Publikum kennenzulernen. Das war sympathisch und ehrlich, entlockte den Anwesenden dank des eher ulkig wirkenden bayrischen Dialekts jedoch den einen oder anderen Lacher. „Seid nett zueinander“, war seine Message, nachdem er sich erkundigte, ob es in Freiburg wirklich so schlimm sei, wie es die Medien in Bezug auf die schrecklichen – derzeit noch ungeklärten – Mordfälle von Maria L. und Carolin G. tagein tagaus berichten würden. So recht wussten die Freiburger nicht, wie sie darauf reagieren sollten und tanzten einfach weiter. Geburtstagskind Kati freute sich dagegen über einen Song, der ihr zu Ehren gespielt wurde, während ihre Freundinnen, die diese Überraschung vermutlich eingefädelt hatten, liebenswert kicherten. Dann wollte es der schlaksige Bartträger jedoch genau wissen, kam ins Publikum und stellte konkrete Fragen über die Anreisedauer seines Publikums. Der San-Francisco-Fan fand mit einer jungen Dame aus den USA eine Besucherin, die wohl die meisten zurückgelegten Kilometer vorweisen konnte: „Haben sie dich noch rausgelassen“, scherzte er in Bezug auf den Ausgang der zurückliegenden Präsidentschaftswahl.

 

Zum Ende hin hielt Gärtner noch eine letzte Motivationsrede, die die Empfänger dazu ermutigen sollte, im Leben wirklich das zu tun, worauf sie Lust hätten. Sieben Jahre soll der Musiker selbst in einem Büro gesessen haben, bis er sich vom 9-to-5-Arbeitsalltag losriss und voll und ganz der Kunst widmete. Man bildete sich ein, die dadurch gewonnene Lebensfreude zu spüren. Überhaupt die komplette Band machte den Eindruck, als hatte sie an diesem Abend in Freiburg den Spaß ihres Lebens. Sei es die Tubaspielerin, die mit ihrem Instrument herumwirbelte, als wäre es eine Gitarre, oder die Dame an der Zither, die während besonders treibenden Liedpassagen mit einem lebensbejahenden Lächeln ihr Hackbrett spielte. Für die Zugabe formierten sich Impala Ray direkt im Publikum, um dem so schon sehr intimen Konzert noch mehr Vertrautheit zu geben. Der liebgemeinte Vorschlag einer Besucherin, sich doch lieber unter den an der Decke des Waldsees angebrachten Kronleuchter zu stellen, wurde von der Band sofort angenommen. Und so ging ein Abend vorüber, der einem die abschließende Bitte des Sängers nicht schwermachte: „Stay gschmeidig!“

 

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