Heinz Rudolf Kunze: Kein Echo fürs Lebenswerk und Rap ist dran schuld?!

Rechtzeitig zum 36. Album protestiert Kunze

Heinz Rudolf Kunze glaubt, dass von Rap – knapp 40 Jahre nach „Rapper’s Delight“ – nichts mehr übrigbleiben wird. Und das nur, weil ihn zwei Rapper um den Echo fürs Lebenswerk brachten?!

 

Heinz Rudolf Kunze hat es nicht leicht. Seit er 1985 mit „Dein ist mein ganzes Herz“ große Erfolge feierte, hat sich die Branche um ihn herum ständig verändert. Eurodance, Schlager und Casting-Show-Abgänger – er hat viel durchmachen müssen. Überlebt hat er alles, parallel immer fleißig Musik veröffentlicht. Doch nun steht ein Genre im Mittelpunkt des Interesses, dem er so gar nichts abgewinnen kann. „Das ist für mich menschenfeindliches Gestammel mit Musikverzicht“, erklärte der 61-jährige Liedermacher seine Ansichten zum Thema Rap-Musik, um anschließend auch noch eine Prognose zu stellen: „Von der ganzen Rap-Musik, bei der nur jemand zu Schlagzeug und Bass rumlabert, wird nichts übrigbleiben.“

 

Schlichtweg sauer

 

Es ist wichtig und richtig, sich kritisch mit Rap-Musik auseinanderzusetzen. Falsch ist es hingegen, hohle Abgesänge auf ein ganzes Genre zu formulieren, das seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Mainstream-Popkultur ist. Ein Genre, das von hart bis weich, von hochmusikalisch bis stumpf alles zu bieten hat, was die Menschheit zu leisten im Stande ist. Möglicherweise liegt Kunzes Problem an einer anderen Stelle begraben. Vielleicht ist er schlichtweg sauer, dass ihm zwei ganz bestimmte „Rüpel-Rapper“ seinen Traum zerstört haben. Im Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen antwortete er auf die Frage, ob der Echo noch zu retten sei, eindeutig: „Das will ich doch hoffen. Ich möchte noch den Lebenswerkpreis haben.“

 

„Und es ist eine seltsame Situation, dass wir alten Säcke den jungen Leuten erklären müssen, wie ‚wild‘ geht“, führt er im gleichen Gespräch schmunzelnd aus. Die Grenze zwischen Rockmusik und Schlager sei in seinen Augen verwischt. Kunze scheint sich nach einer Zeit zu sehnen, in der die Menschheit noch einen Protestler wie Bob Dylan brauchte: Nonkonformistisch, laut und eben wild. Wie wild geht, zeigte der Musiker Mitte April auf seiner Facebook-Seite. Dort postete er ein wirres Gedicht mit dem Titel „Die Allianz der Ränder“, das – im wahrsten Sinne des Wortes – den Hip-Hoppern ein Bündnis mit den Nazis andichtet: „Die Braunen und die Rapper / vereint im Totentanz / wird Zeit, dass wir sie mundtot machen / und ihre Allianz“.

 

Nix verstanden

 

Kunze scheint sich eine Welt zu wünschen, in der er Gruppen eindeutig eingrenzen und daraus seine Feindbilder ableiten kann. Das alte Problem mit den einfachen Lösungen für komplizierte Sachverhalte eben. Kunze erscheint verbittert, holt zum Tiefschlag aus und spricht einem ganzen Genre die Daseinsberechtigung ab. Sowohl Text als auch der musikalische Ansatz sind in seinen Augen Gestammel und Musikverzicht. Dabei schien er schon einmal offener gewesen zu sein, wie ein Interview mit der FAZ aus dem Jahre 2016 beweist: „Ich glaube, wir – meine Band und ich – haben jede Richtung, die es in der Popularmusik gibt, mal angerissen, von elektronischer Avantgarde über Reggae und Rap bis Punk und Liedermacherei.“

 

Vielleicht meint Kunze das alles auch gar nicht so. Vielleicht braucht er nur ein bisschen Aufmerksamkeit für sein 36. Studioalbum „Schöne Grüße vom Schicksal“. Denn die Zeiten, in denen er sechsstellige Verkäufe erreichte, liegen drei Dekaden zurück. Heute muss er sich in den Charts hinter den ganzen Rappern einordnen, die goldene Platten kassieren und dafür auch noch mit Echos belohnt werden. Gut für Kunze, dass ganz Deutschland nun auf Kollegah und Farid Bang eindrischt. Jetzt ist es auch für den Wilden nicht sonderlich schwer, den starken Protestler raushängen zu lassen. Was Kunze dabei übersieht: Er drischt nicht nur auf die beiden Rapper, sondern auf ein ganzes Genre ein, das er nicht einmal im Ansatz verstanden hat.

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