Review: Casper – XOXO

Wenn man in Deutschland von Casper spricht, denkt kaum noch jemand an den knuffigen Geist, der es einfach nicht übers Herz brachte, Menschen in seinem eigenen Schloss zu erschrecken. Mittlerweile steht Casper im Land der Dichter und Denker für etwas ganz anderes. In allererste Linie für einen krassen Hype, den in den letzten Jahren so wohl kaum ein anderer Künstler erzeugen konnte. Und niemand macht sich wirklich Sorgen darüber, ob der Bielefelder den Vorschusslorbeeren mit seinem Album „XOXO“ überhaupt gerecht werden kann.

 

Seit letztem Donnerstag wissen wir es nun. „XOXO“ ist draußen und wurde, möchte man den Trendcharts Glauben schenken, fleißig eingetütet. Zwölf Songs. Ein Skit. Rund 48 Minuten Spielzeit. Gleich vorweg: Das Ding geht ab wie der letzte Space-Shuttle-Start der Atlantis. Die Band spielt sich direkt flächendeckend ins Ohr, gibt Casper aber noch genügend Luft, um mit kaputter Stimme im Vordergrund zu scheinen. Dieser kommt ohne „wie“-Vergleiche und sonstige HipHop-Phrasen aus. Stattdessen gibt es Zeilen, die alle sofort verstehen und trotzdem unter die Haut gehen. Es wird zitiert, verwiesen und eine Menge musikalische Einflüsse preisgegeben. Casper macht Rap, Rock und alles andere dazwischen auch. Mit jedem Hördurchgang wächst die Scheibe.

 

Dass Casper nicht nur für Rapfans, sondern auch für Musikliebhaber im Allgemeinen interessant sein dürfte, zeigen Gastbeiträge von Seelenverwandten wie Thees Uhlmann und Marteria. Jedem Ton hört man an, dass der ehemalige Selfmade-Records-Künstler genau die Scheibe gemacht hat, die er schon immer machen wollte, aber bisher nicht konnte. „Michael X“ ist ergreifende Abschiedsmusik, ohne peinlich zu sein. „So perfekt“ der Hit für Ohrwurmfanatiker. „Blut sehen“ die Rechtfertigung für das Cover. Und „Lilablau“ Musik zu der man mit geschlossenen Augen Fallschirmspringen möchte.

 

Casper hat sich und der deutschsprachigen Musiklandschaft ein Album zusammengeschustert, das auch in ein paar Jahren, ach was sage ich, in ein paar Jahrzehnten noch (und von da an für immer) relevant sein wird. Für „XOXO“ hat sich Casper wahrlich ein paar Umarmungen und Küsschen verdient.

 

4 Comments

  1. Den Text würde ich dir auf der Stelle unterschreiben. Ein Kracher der seines Gleichen sucht und für mich das erste Rap/HipHop Album welches von Anfang bis Ende in Dauerschleife den Weg aus meinen Boxen findet.
    Fav ist auf jedenfall Michael X. Pure Emotionen!

    Gruß Markus P.

  2. Sehr gut. Danke.
    Mein Favorit ist immer noch der Titeltrack.

  3. Mir gefällt auch Michael X am besten. Traumhaft. Ohne Worte. ♥

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  1. 2011 – Der große Jahresrückblick – like it is '93 // das Popkultur-Magazin

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