The Intersphere auf dem ZMF: „Wir stellen uns nicht so pussymäßig an!“

17.7.2015 - Freiburg, ZMF

Kurz vor Ende des Zelt-Musik-Festivals auf dem Freiburger Mundenhof durfte noch einmal ein Gitarrenleckerbissen aus Deutschland auf die Bühne: The Intersphere aus Mannheim spielten am 17.7. im kleinen Spiegelzelt – und Lindsey Stirling wegen Hitze nicht parallel im großen Zirkuszelt.

 

 

Bereits beim Einstieg in den Shuttle-Bus, der die tausenden Besucher zum Zelt-Musik-Festival am Mundenhof brachte, war die Unruhe groß. Lindsey Stirling, die an diesem Abend mit ihrer Violine auf der Bühne des großen Zirkuszeltes stehen sollte, hat ihr Konzert wegen Hitze abgesagt. „The temperature was well over 111 degrees inside a tent with little to no circulation. Adding over 2,000 people would have made it even more unsafe to my fans as well as my band and crew”, erklärte sie scheinbar erst zwei Stunden vor Konzertbeginn auf ihrer Website. Laut Veranstalter Marc Oswald eine absolute Frechheit, die sich in 33 Jahren Festivalgeschichte noch kein anderer Künstler erlaubt hätte. Die Aufregung war riesig auf dem Gelände und die Auswirkungen des Vorfalls zogen sich in Form von schnippischen Kommentaren anderer Künstler, verärgerten Fans und amüsierten Nichtkartenkäufern durch den kompletten Abend. Christoph Hessler, Sänger und Gitarrist von The Intersphere, kommentierte dies später auf der Bühne des kleinen Spiegelzeltes mit den Worten „wir stellen uns nicht so pussymäßig an“.

 

 

The Intersphere gingen den klassischen Weg einer Band, die sich in Jugendtagen formierte und im Anschluss langsam aber sicher die Bühnen des Landes eroberte. 2006 waren sie, damals noch unter dem Namen Hesslers, das erste Mal in einer Freiburger Konzertlocation zu Gast – laut Sänger Christoph in irgendeinem JUZ vor fünf Leuten. Viel hat sich seitdem getan bei der sympathischen Band aus Mannheim. Nachdem sich Christoph Hessler, Thomas Zipner, Sebastian Wagner und der von der Musikpresse hochgelobte Schlagzeuger Moritz Mülller auf der Mannheimer Popakademie anfreundeten, 2006 die Hesslers gründeten und sich 2009 in The Intersphere umbenannten, veröffentlichten sie bereits vier Alben, von denen das letztjährig erschienene „Relations In The Unseen“ nicht nur für VISIONS-Leser zu den Schönheiten 2014 zählte. Nun standen sie beim Zelt-Musik-Festival auf der Bühne des Spiegelzeltes, der zweiten, etwas kleineren Stage der Veranstaltung, um ihre Anhänger in Bewegung zu bringen und neue zu gewinnen.

 

 

Die vier Mannheimer präsentierten sich als hart arbeitende Rockband, die auf der Bühne das Sprudelkistenkontigent eines kompletten Getränkemarktes leerte, um der Hitze zu trotzten. Ob „Panic Waves“, „Tear Down The Walls“ oder „The Ones We Never Knew“, das altersmäßig buntgemischte Publikum genoss die rund 100-minütige Show und den wuchtigen Alternative Rock, der sich nicht zwischen hart, progressiv und poppig entscheiden wollte. Neben ein paar beinharten Fans, die jeden Song mitsingen konnten, nutzten sicherlich auch einige Stirling-Anhänger die Chance, sich an diesem Abend an einem Alternativprogramm zu erfreuen. The Intersphere wollten diese Chance auskosten, so spielte Frontmann Christoph Hessler zwischen den Songs perfektionistisch an Gitarre und Effektpedalen herum, um auch ja den besten Sound aus der Technik herauszuholen. Doch so viel Anstrengung forderte seinen Tribut, weshalb der Schweiß literweise von Nasenspitze und Ellbogen des Sängers tropfte. Nach einer ausgiebigen Zugabe, die von Festivalgründer Alexander Heisler höchstpersönlich mit ein paar Seitenhieben gegen Lindsay Stirling angekündigt wurde, war Schluss und The Intersphere um ein Konzert reicher, das ihr Publikum mit besonderer Freude in Erinnerung behalten wird. Manchmal sollte einfach von Anfang auf ehrliche Rockmusik statt auf eine Viertelfinalistin von America’s Got Talent gesetzt werden.

 

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