Review: Tracers

Twilight-Star Taylor Lautner on the run: Die Parkour-Szene bekommt mit „Tracers“ ihren großen Kinofilm spendiert, wird sich aber sicherlich nicht allzu sehr darüber freuen.

 

Fahrradkurier Cam gerät an eine Gruppe von Parkourläufern, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem ein oder anderen krummen Ding verdient. Für den mit Schulden belasteten Waisen genau die richtigen Bekanntschaften, um sich neben etwas Spaß auch die Flucht aus dem finanziellen Loch zu ermöglichen. Wie befreiend hätte „Tracers“ für den Twilight-Teenieschwarm Taylor Lautner werden können? Nach dem ordentlichen Melken der Vampir-Saga-Kuh schmeißt er sich in hippe Sportklamotten und hüpft sich durch New York, um neben jeder Menge zugegebenermaßen vorhandenem Charisma noch ordentlich Ecken und Kanten abzubekommen. Leider ist das vom noch relativ unbekannten Regisseur Daniel Benmayor in Szene gesetzte Action-Drama lediglich ein lächerlicher Versuch, Parkour-YouTube-Videos mit einem pseudo-tiefgründigen Plot zu verbinden. Schade um die verpatzte Chance.

 

„Tracers“ großer Aufhänger ist zum Glück auch seine große Stärke. Optisch und akustisch muss sich der 11-Millionen-Dollar-Film nämlich fast nichts vorwerfen lassen. Die rasanten Rennszenen, welche untermalt von fetzigen Beats (u.a. Death Beats, Misun und AKA) in den gut eingefangenen Straße New Yorks stattfinden, halten einen durchaus bei der Stange. Sollte man einen Platz direkt vor der Kinoleinwand ergattert haben, könnte die wackelige Kameraführung zwar durchaus Brechreiz erzeugen, doch dafür kleben Kameramann Nelson Cragg und sein Team schwungvoll an den Fersen der Protagonisten. Das ist tatsächlich gutgemachte Action, die es so sicherlich nicht wöchentlich in den Lichtspielhäusern dieser Welt zu sehen gibt. Und das vor einer turbulenten Stadtkulisse, die jedem Film gut steht.

 

Doch immer dann, wenn der Streifen mehr sein möchte, als eine Kinoversion von „WATTS“, kommen eklatante Schwächen zum Vorschein. Dümmliche Twists und haufenweise erzählerische Klischees lassen „Tracers“ – im Gegensatz zu seinen Hauptdarstellern – ordentlich stolpern. Das Publikum wird für dumm verkauft, wenn gemeinsam mit den Figuren Durchgestandenes von einer auf die nächste Sekunde wieder zunichte gemacht wird. Ein Beispiel gefällig? Eine ewig lange Verfolgungsszene, aus der der Protagonist entkommt. Schnitt. Plötzlich wird er in einem Parkhaus ohne Begründung dann doch festgenagelt. Warum wird der Zuschauer fünf Minuten mit einer spannenden Verfolgungsjagd positiv gequält, aus der der Protagonist entkommt, um am Ende alles mit einem Wimpernschlag zu vernichten? Das reicht noch nicht? Okay, warum wird sorgsam eine Beziehung zwischen Cam, der Nachbarin und ihrem Sohn aufgebaut, wenn diese Figuren ab der zweiten Hälfte exakt gar keine Rolle mehr spielen?

 

Und die Liste der Verfehlungen endet nicht: Blasse Charaktere wie Tate und Jax sind so gesichtslos, dass einen – Achtung: Spoiler – der Tod von letzterem völlig kalt lässt. Da hilft es auch nicht, wenn Jax in einer vorangegangenen Partyszene von seiner ach so süßen Zukunftsplanung berichtet. Eine eigentlich knisternde Tanzszene wird dermaßen in die Länge gezogen, bis sie nur noch unangenehm ist. Und warum genau Cam eigentlich Mitglied der Bande wird, bleibt unklar. Wahrscheinlich, weil er die coolsten Moves in der City drauf hat?! Man hätte einen ansehnlichen Parkour-Film machen können, der eine simple, aber erträgliche Geschichte erzählt. Eine, die zwar nie vergessen lässt, dass „Tracers“ style over substance ist, das aber auch gar nicht verstecken möchte. Stattdessen verläuft sich der Film in einem wirren Gangster-Plot, mit austauschbaren Figuren und – zumindest in der deutschen Synchronisation – dämlichen Dialogen. Ein lahmer, gar peinlicher Film, der der Parkour-Gemeinschaft darüber hinaus einen Bärendienst leistet, indem er Angehörige der Szene zu Kriminellen abstempelt, die ihr Können durchaus für das Böse einsetzen. Schämen sollten sich die Drehbuchschreiber für diesen Schund.

 

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