Madsen live: Pur für Indie-Kids

30.1.2016 - Freiburg, Haus der Jugend

Die Niedersachsen von Madsen besuchten gestern im Rahmen ihrer „Kompass“-Tour die wärmste Stadt Deutschlands. Dem stürmischen Regenwetter zum Trotz versammelten sich Freunde und Fans der Band im Haus der Jugend und feierten ein schweißtreibendes Fest.

 

Madsen machten im Rahmen ihrer „Kompass“-Tour auch in Freiburg halt, um die Menschen der Breisgaumetropole mit Musik aus ihrer mittlerweile rund 12-jährigen Bandgeschichte zu begeistern. Und gekommen sind ins Haus der Jugend an diesem verregneten Samstagabend die unterschiedlichsten Leute. Vom mit Punk sozialisierten Mitdreißiger, der sein Ignite-Shirt aus dem Schrank gekramt hat, über die Mädchengruppe, die die abgeschlossene Klausurphase mit Bier und Mitgrölrefrains vergessen machen möchte, bis hin zur jungen Familie, die ihre Kinder vor der Lautstärke bewahrend mit Ohrenschützern ausgestattet hat. Ein buntgemischtes Publikum eben, das so friedlich wie sympathisch war. Da verzichtet man schon einmal auf eine offizielle Garderobe und deponiert seine Jacke auf einem Haufen im Eingangsbereich. Hier will niemand jemandem etwas Böses. Das Ding wird auch in drei Stunden noch dort liegen.

 

 

So viel Nettigkeit bekam auch die Vorband Van Holzen aus Ulm zu spüren, deren Songs vom fairen Publikum artig beklatscht wurden. Kurz nach neun betraten dann aber Madsen die Bühne und zwangen damit einige Besucher, ihre Bierkaufmission abzubrechen. Lange Schlangen – vor allem in den Pausen – forderten einiges an Geduld bei den durstigen Konzertgängern. Doch wer braucht schon Bier, wenn musikalische Dampfwalzen wie „Sirenen“ oder „Die Perfektion“ den gleichen Effekt auf die Feierlaune haben. Sebastian Madsen spürte das und suchte bereits beim zweiten Song körperlichen Kontakt mit den vordersten Reihen. Die dankten es ihm mit euphorischen Madsen-Rufen.

 

Pur für die Indie-Kids könnte man Madsen nennen. Und dieser Vergleich mit Hartmut Englers Popband ist nicht einmal böse gemeint, denn diese einfachen Texte, die kein langes Nachdenken abverlangen, dafür aber direkt ins Ohr gehen, erfordern nicht viel, lediglich Begeisterung und die Bereitschaft eine gute Zeit zu haben. Da passte es nur zu gut ins Bild, dass die Band auf dem Peak der Ekstase „Zu spät“ von den Ärzten coverte und das Publikum damit nicht mehr nur Madsen, sondern Musik im Allgemeinen feierte. Hauptsache lieb sein, war das Credo im stickigen und heißen Konzertsaal, weshalb die „Nazis raus“-Rufe eher Prinzipsache als notwendige Überzeugungsarbeit waren. Doch bei all der Ernsthaftigkeit durfte auch ein wenig Klamauk nicht fehlen. Den schenkte uns Johannes Madsen mit seinem Gesangsbeitrag „Kein Mann für eine Nacht“ und schuf damit den WIZO-Moment des Abends.

 

 

Ihr letztes Album „Kompass“ erschien im Sommer 2015 zur Festival-Hochzeit. Sebastian Madsen stellte entsprechend fest, dass das Hallenkonzert – so wie wir es an diesem Abend erlebten – eigentlich viel besser sei als diese anstrengenden Outdoor-Festivals. Ein bisschen recht hatte er damit ja. Aber eben nur ein bisschen. Doch wenn das komplette Haus der Jugend „Hättest du nicht Lust…“ grölt, weiß man eh nicht mehr, wo man ist. Man weiß nur, dass sich das Konzert mit diesem Bandhit leider dem Ende entgegen neigt. Noch ein letztes Mal die Kräfte sammeln und beim „Blitzkrieg Bop“-Cover „Hey ho, let’s go“ schreien, als hätte sich Joey Ramone in die Madsen-Familie eingeheiratet. Durchgeschwitzt und glücklich strömten die Fans anschließend aus dem Konzertsaal, warfen noch schnell die Bierbecher in die Tonnen von Viva con Agua und gingen mit „Lass die Musik an“ im Ohr hinaus in die regnerische Nacht. Denn der Abend war noch jung und Freiburg wurde von Madsen in Laune gebracht, um steilzugehen.

 

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