Kurz & knapp #48: Cardi B, Rikas, Eels, Mauli, Fler, Far Cry 5, A Way Out…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: MC Bomber, Cardi B, Rikas, Fiddlehead, Eels, Mauli, Fler, Thirty Seconds to Mars, Satanic Surfers, Kendrick Lamar, Far Cry 5 & A Way Out.

 

MC Bomber „Gebüsch“

Wer auf trockenen Boombap-Sound steht, wird mit „Gebüsch“ von MC Bomber glücklich werden. Aber auch nur, wer sich nicht an Texten stört, die die Grenzen des guten Geschmacks immer wieder überschreiten: „Die Frau wird irre, weil sie ständig an mein‘ Dick will / doch nein, niemals, denn sie ist leider nur Fickmüll“. Der Berliner ist sicherlich kein Vollidiot, viel eher möchte er stumpf provozieren. Und tatsächlich schafft er es zwischen all den ekligen Zeilen immer wieder lustige Momente zu erschaffen. Trotzdem sind die Zeiten (zum Glück) vorbei, in denen es sich Rapper so einfach machen und menschenverachtende Zeilen als Ironie, Satire oder gar Spaß abtun können. +++ Die Erwartungen an Cardi Bs Debütalbum waren gigantisch. Es gleicht einem Wunder, dass die Rapperin diesen mit „Invasion of Privacy“ gerecht wird. Der energisch vorgetragene Opener „Get Up 10“ holt alle ab, die sich bisher nicht mit der ehemaligen Stripperin beschäftigt haben: „Look, they gave a bitch two options: strippin‘ or lose / Used to dance in a club right across from my school / I said ‘dance’ not ‘fuck’, don’t get it confused!” Die New Yorkerin, die 2017 mit “Bodak Yellow” einen Platinhit landete, beschäftigt sich auf inhaltlicher Ebene mit ihrem Status und den Hatern, die damit einhergehen. Und genau das ist die Stärke von Cardi B, die das in einer eigensinnigen Art zu präsentieren weiß. Musikalisch fällt das so abwechslungsreich aus wie die Feature-Liste, auf der sich Künstler wie die Migos, YG, 21 Savage aber auch Chance The Rapper und SZA wiederfinden. „Invasion of Privacy“ ist ein gelungener Einstieg, der mit 13 Songs angenehm übersichtlich ausfällt. +++ Statt schwäbischer Spießigkeit gibt es bei RIKAS aus Stuttgart lockeren Pop mit südländischen Rhythmen. Ihre EP „Swabian Samba“ beinhaltet sechs Stücke, die laut der Stuttgarter Zeitung nach „Kalifornien und guter Laune“ klingen. Und das ist tatsächlich so.

 

Fiddlehead „Springtime And Blind“

In einer reizvollen Mischung aus Härte und Weichheit brettern sich die Alternative-Rocker von Fiddlehead durch ihr Debütalbum „Springtime and Blind“. Und „brettern“ bedeutet nicht, Vollgas zu geben bis der Schlagzeuger umkippt, sondern sich wie ein schwerer Dampfer langsam aber unaufhaltsam durch die zehn Tracks zu schieben. Die Texte, die Sänger Patrick Flynn über den Tod seines Vaters geschrieben hat, unterstreichen die Schwere und Verletzlichkeit, die jede Sekunde von „Springtime and Blind“ verströmt. Fiddlehead haben eine eindrucksvolle Platte gemacht, die gefühlt alle kreativen Möglichkeiten ausschöpft, die die Band hat. +++ Über viele Jahre hat sich die Arbeit an der zwölften Platte der Eels gezogen. Immer wenn er eine Idee hatte, trommelte Mark Oliver Everett seine Mitmusiker zusammen und nahm einen Song auf. „The Deconstruction“ ist diese vermeintlich konzeptlose Albumentstehung anzuhören. Treibende Songs wie „Bone Dry“ wechseln sich mit schönen, aber den Albumfluss auch bremsenden Stücken wie „Premonition“ ab. Wer „The Deconstruction“ so hört wie es entstanden ist, wird den meisten Spaß damit haben: Favoriten herauspicken und in passende Playlisten einfügen. +++ Sein zweites Album „autismus & autotune“ hat Mauli im Alleingang produziert. Dass der Rapper dabei eine Vision vor Augen hatte, ist jeder der 31 Minuten anzuhören. Mauli nimmt den Sound der Stunde und lässt sich über die Menschen aus, die den Sound der Stunde machen. Und weil dadurch so messerscharfe Jobberatungsstücke („Halbe Molly“), Abrechnungen mit der Oberflächlichkeit der Szene („Sturm“) und Hip-Hop-Entgiftungskuren („Detox“) herausgekommen sind, kann „autismus & autotune“ als das Stimmverzerreralbum bezeichnet werden, das für Menschen geeignet ist, die Stimmverzerreralben eigentlich nicht mögen.

 

Fler „Flizzy“

Bereits sein 14. Soloalbum hat Fler mit „Flizzy“ veröffentlicht. Und dass sich der Berliner musikalisch trotzdem noch steigern kann, ist beeindruckend. Inhaltlich muss man den rauen Ton, der von Oberflächlichkeiten und Materialismus zeugt, nicht mögen – man kann ihn sogar verachten. So prägnant wie Fler kann derzeit aber kaum ein Rapper den eigenen Lebensstil einfangen. Die Hochglanzproduktionen, die erst auf Soundanlagen ihre volle Wirkung entfalten, die sich kaum ein Hörer leisten kann, tun ihr übriges. +++ Mit ihrem fünften Studioalbum schlagen Thirty Seconds to Mars neue Wege ein. Denn „Amerika“ passt besser auf das nächstbeste EDM-Festival als in die Anlagen der erwachsen gewordenen Fans. Nun war Jared Letos Band nie dafür bekannt, zugunsten des guten Geschmacks auf massentaugliche Sounds zu verzichten. Auf „Amerika“ übertreibt es das Trio aber. Bombast trifft auf Popkitsch und wird ordentlich mit Bumsbeats unterlegt. Da fallen selbst die löblichen Lyrics, die die Ereignisse der Ära Trump kommentieren, nicht mehr ins Gewicht. +++ Die Satanic Surfers sind nach 13 Jahren mit einem neuen Studioalbum zurück. Wo sie zwischenzeitlich waren? Der Albumtitel „Back From Hell“ gibt vermutlich die beste Antwort. Die Schweden knüppeln sich durch 30 Minuten gefüllt mit melodischem Punk, der kaum Verschnaufpausen zulässt. Dabei spielt die Rhythmussektion so sauber, dass es eine wahre Freude ist. Wohl auch für Sänger Rodrigo Alfaro, der mit seinen eingängigen Refrains immer wieder zum Mitsingen animiert. Dafür haben sich 13 Jahre Wartezeit gelohnt. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein kostenloser Download-Tipp. DJ Critical Hype hat auf dem Mixtape „The Damn. Chronic“ Verse von Kendrick Lamar über Beats von Dr. Dre gelegt. Spannende Angelegenheit!

 

A Way Out

Auch wenn Far Cry 5 dem Spieler weismachen möchte, dass es die „Far Cry“- beziehungsweise Ubisoft-Formel durchbrochen hätte, verbirgt sich hinter der „Alles anders“-Fassade immer noch das gleiche Spielprinzip. Türme müssen zwar nicht mehr erklommen werden, doch Außenposten immer noch eingenommen und Schätze geborgen werden. Ein Abhaken von Aufgaben macht nach wie vor das Spielprinzip des grafisch wunderschönen First-Person-Shooters aus. Denn erst wenn eine bestimmte Menge an Jobs erledigt wurde, schreitet die Geschichte voran. Die bietet zwar charismatische Figuren, hätte dennoch spannender und vor allem mutiger erzählt werden können. Eine Sektengemeinschaft im Herzen der USA bietet Futter für bissige und unangenehme Kommentare auf die echte Welt. Leider haben sich die Macher darauf beschränkt, das Klischee einer gefährlichen Glaubensgemeinschaft abzubilden. „Far Cry 5“ ist trotzdem kein Reinfall. Wer die alten Teile mochte, wird sich auch hier sofort wohlfühlen. +++ Ein interessantes Konzept haben die Entwickler der Hazelight Studios mit A Way Out umgesetzt. Das Action-Adventure, in dem zwei Gefängnisinsassen aus ihrem Kerker ausbrechen und anschließend auf einen Rachefeldzug gehen, ist nur zu zweit im Online- oder Couch-Koop spielbar. Per Split-Screen sehen die Spieler zu jedem Zeitpunkt, was ihr Partner treibt. Kommt es zu Cut-Scenes oder Momenten, in denen eine der Figuren die wichtigere Situation meistern muss, verschiebt sich die Aufteilung des Bildschirms. „A Way Out“ besticht nicht durch moderne Technik und ein raffiniertes Gameplay, macht diese Defizite aber durch einen Spielspaß gut, der sich aus der Interaktion mit dem Mitspieler speist. Denn die Entwickler haben in jeder Kulisse daran gedacht, mehr als nur die Aufgaben einzubauen, die die Geschichte vorantreiben. Auf einer Farm können die Spieler beispielsweise gegeneinander im Hufeisenwerfen antreten. Diese Details machen „A Way Out“ zu einem Erlebnis, das zwei Freunde gemeinsam erleben können und dadurch noch lange im Kopf behalten werden.

2 Comments

  1. Werd 30 Seconds to Mars beim Rock im Park sehen. Bin ich mal gespannt, was mich erwartet… neues Album hab ich noch nicht gehört.

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