Kurz & knapp #3: Zugezogen Maskulin, Sleater-Kinney, The Order: 1886, Evolve…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, diese ausführlich zu behandeln. Im neuen Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Prinz Porno, B-Tight, Funeral For A Friend, Zugezogen Maskulin, Hodgy Beats, Sleater-Kinney, The Order: 1886, Dead Or Alive 5: Last Round, Evolve, Life Is Strange, Apotheon, Moon Knight und Spider-Man.

 

Prinz Porno „pp = mc²“

Prinz Pi macht Pause und lässt sein früheres Alias Prinz Porno Zeit zum Scheinen: „pp = mc²“ schimpft sich das Comeback des ehemaligen Beatfabrik-Rappers und klingt, als hätte es die letzten acht Jahre nicht gegeben. In 16 Stücken zeigt Porno, dass der clevere Vollblutrapper noch immer in ihm steckt. Zurück zu den guten alten Zeiten geht auch sidos Sekten-Partner B-Tight mit seiner Platte „Retro“. Musik für das gepflegte Cruisen durch das Zentrum der hiesigen Kleinstadt. Bobby Dick ernennt sich erst selbstbewusst zur „Nummer Einz“ und anschließend folgerichtig zum „König der Rapper“. Da fragt man sich zu recht: „Wer will was machen“ gegen diese 14 mitreißenden und mit treibenden Hooks ausgestatteten Bretter? Meiner Meinung nach das bisher beste B-Tight-Album. Die Waliser von Funeral For A Friend bringen mit „Chapter & Verse“ ihr siebtes Studioalbum heraus und stutzen in einer guten halben Stunde alle Zweifler zurecht, die der Post-Hardcore-Truppe spätestens seit „Memory & Humanity“ nichts mehr zugetraut haben. Ob gegen organisierte Religion („You’ve Got A Bad Case Of The Religions“) oder dröge 9-to-5-Jobs („Pencil Pusher“), Sänger Matt Davies-Kraye schreit/singt sich in eingängigen Refrains den Frust zu knüppeligen Gitarren und Drums von der Seele.

 

Zugezogen Maskulin „Alles brennt“

Und noch eine Runde Musik: Kaum eine Review zu Zugezogen Maskulins neuem Album „Alles brennt“ kommt ohne K.I.Z.-Vergleiche aus. grim104 und Testo bieten auf ihrer Platte einen derartigen Facettenreichtum, dass die Hördurchgänge noch bis in den Sommer anhalten müssen, um „Alles brennt“ in der Gänze zu erfassen. Ob sich über Werbeagenturen ausgekotzt, intelligente Szenekritik betrieben oder das Spanieraufkommen in Berlin thematisiert wird, dieses Album bietet die ganz großen Inhalte. Odd Futures Hodgy Beats releast sechs Jahre nach dem ersten Teil sein „Dena Tape 2“. Wo die erste Runde auf die frühen Jahre des Musikers zurückblickte, geht der zweite Teil eher in die Richtung eines Standard-Mixtapes. Mit Unterstützung des Mischkassetten-Königs Don Cannon peitscht Hodgy 12 kostenlose Rap-Tracks durch die Laptop-Boxen. So geht das mit den kurzweiligen HipHop-Veröffentlichungen. Ein gelungenes Comeback feiern die Riot Grrrls von Sleater-Kinney mit ihrem achten Studioalbum „No Cities To Love“. Ob die Rückenstärkung der Arbeiterklasse „Price Tag“ oder die Hymne für Außenseiter „Gimme Love“, Corin Tucker und ihre Damen setzen sich für die ein, die sich eben nicht mit Kanye-West-Problemen herumschlagen müssen. Eine packende halbe Stunde, die den Ohren schmeichelt und zur gleichen Zeit Zähne einschlägt.

 

The Order: 1886

Die PlayStation 4 bekam mit The Order: 1886 ihren nächsten großen Exklusivtitel. Im viktorianischen London kämpft man in der Rolle des Galahads gegen Werwölfe und Feinde der Krone. Während der Spieldauer von rund acht Stunden ist dieser beinahe schon interaktive Film – denn gefühlt die Hälfte der Zeit schaut man zu – zwar tierisch schick anzusehen, am Ende aber keine 70 Euro wert. Müsste ich zwei Monatstaschengelder hierfür auf den Tisch legen, würde ich den Kauf durchaus überdenken. So hatte ich ein teures, dennoch spaßiges Wochenende. Spaßig ist auch der feuchte Traum jedes Heranwachsenden: Dead Or Alive 5: Last Round. Im finalen Update der fünften Runde des Kampfspiels steigen willige Couchprügler serientypisch mit halbnackten Schlägerchicks in den Ring. Das Kampfsystem ist leicht zu lernen, jedoch schwer zu meistern. Der Umfang von Kämpfern und Arenen stimmt. Und der Preis nimmt mit seinen 40 Euro nicht die finanziellen Ausmaße eines Vollpreistitels an. Als Überbrückung bis „Mortal Kombat X“ eine super Sache. So richtig reingekommen bin ich in den Online-Shooter Evolve noch nicht. Ob man einer von vier menschlichen Jägern oder der Gejagte in Form eines kolossalen Monsters ist, muss vor den – je nach Können – mal mehr oder weniger langen Runden sorgfältig entschieden werden. Denn die Rolle der eigenen Spielfigur muss in Fleisch und Blut übergehen, um entweder zu überleben oder seinen Teamkameraden nicht nutzlos im Weg zu stehen.

 

Life Is Strange

Die “Remember Me”-Macher Dontnod Entertainment haben mit der ersten Episode von Life Is Strange ein Adventure-Spiel nach dem Vorbild von Telltale Games in die Online-Stores der Konsolenhersteller geladen. Die 18jährige Max kämpft sich durch eine klassische Coming-Of-Age-Story mit all den Dramen, die es auf High Schools eben so gibt. Vermeintlich, denn Visionen einer drohenden Apokalypse und die Fähigkeit die Zeit zurückzudrehen, geben dem Spiel den entscheidenden Schuss Spannung. Ein fantastischer Soundtrack, zig Popkulturreferenzen und eine malerische Grafik runden „Life Is Strange“ ab. Mit Apotheon erscheint dieser Tage ein Sidescroller, der durch sein Setting in der griechischen Mythologie und einem außergewöhnlichen Grafikstil ordentlich auf Einzigartigkeit setzt. Das Gameplay fetzt und die Story ist erstaunlich umfangreich ausgefallen – so gehen Zwischendurchspiele, die sich ganz schnell zu einem großen Ding entfalten können.

 

Moon Knight: Aus dem Reich der Toten

Und zum Abschluss werfe ich noch einen Blick auf aktuelle Comic-Veröffentlichungen: Autor Warren Ellis und Zeichner Declan Shalvey haben Marvels Antihelden Moon Knight mit „Aus dem Reich der Toten“ neu in Szene gesetzt. Nicht ganz, aber beinahe im Stile von „Batman: Gotham Knight“ schlägt sich der in weiß gekleidete Mitternachtsdetektiv durch sechs Kurzgeschichten, die eher durch grafischen Stil als durch spannend ausgefüllte Sprechblasen überzeugen. Kategorie: Ist mal etwas anderes. Klassischer geht es in Spider-Mans Abenteuer „In den Fängen des Oktopus“ zu. Dr. Otto Octavius wird zum neuen Spider-Man und muss gemeinsame Sache mit Hulk und den X-Men machen. Ein bunter Stil gepaart mit Zeichnungen der alten Schule machen aus dieser abgeschlossenen Geschichte ein rasantes Lesevergnügen, das sich fast schon in einer Wiederholungsschleife genießen ließe.

1 Comments

  1. Zugezogen Maskulin und PP, großes Kino.

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