Körpa Klauz: 15 Jahre nach dem Amt-Song geht‘s weiter!

Als Körpa Klauz 2001 mit „Ich geh aufs Amt Baby” seinen ersten Rap-Song schrieb, war noch nicht daran zu denken, dass er 15 Jahre später „Die Verhältnisse zum Tanzen bringen“ wird. Nun hat er zwar ein professionell produziertes Album auf der Habenseite stehen, Probleme mit desinteressierten HipHop-Medien und der allgemeine Struggle als Vollblutkünstler kamen jedoch ebenfalls hinzu.

 

In seinem fünfzehnten Jahr als Musiker machte sich Körpa Klauz Ende Juli selbst ein großes Geschenk. Mit „Die Verhältnisse zum Tanzen bringen“ veröffentlichte er sein erstes Album, aus dessen Produktionsprozess er alles herausholen wollte. Ein professionelles Mastering, durchdachte Songkonzepte und ein stimmiges dennoch abwechslungsreiches Soundbild ergeben ein Werk, das Hörer, die nach eineinhalb Jahrzehnten mit „Ich geh zum Amt Baby“ und „Fahrausweis“ auf musikalischen Nachschub warten, durchaus überraschen könnte. „Ehrlich gesagt war es mir mittlerweile schon peinlich, immer den ‚Amt‘-Song live zu spielen“, gibt Körpa Klauz im Gespräch zu, macht sich aber auch bezüglich des neuen Sounds seine Gedanken: „Ich hatte Bedenken, dass das Album zu sauber produziert und somit weniger nach mir klingt“. Doch diese Sorge muss Klauz nicht haben. Viel eher ist „Die Verhältnisse zum Tanzen bringen“ endlich das Album, das den vermeintlichen Spaßvogel Körpa Klauz als einen ernstzunehmenden Künstler mit einem Sinn für Konzeptlieder etablieren möchte.

 

Die Identitätssuche beginnt

 

„Eine Geschichte, die einen roten Faden hat, ein wenig Witz und Satire sowie ein Chorus, der abgeht“, fasst er das Konzept hinter einem Körpa-Klauz-Song zusammen. Auf „DVzTb“ hat dies mehr als einmal funktioniert. Sei es die im Schwabenländle völlig nachvollziehbare Anti-Autohymne „Mercedes“ mit dem wohl passendsten Gast MC Bruddaal, die Graffiti-Themensongs „Einer dieser Nächte“ und „King of Graffiti“, das wohl poppigste Stück seiner Karriere „Wochenende“ oder eben „2. Soulz in One“, das als das überraschende Highlight des Albums gewertet werden kann. Klauz erzählt darin in einem deutsch-englischen Sprachgemisch, dass er das Ergebnis eines One-Night-Stands ist und sein Vater die junge Familie kurz nach seiner Geburt verließ. Auch seine deutschen und haitianischen Wurzeln macht er darin zum Thema, denn oftmals beschäftigt auch ihn – einen gestandenen Mann, der bereits viel erlebt hat – noch die Identitätssuche. Er habe in der Öffentlichkeit Gitarre gespielt und eine ältere, scheinbar obdachlose Dame teilte ihm daraufhin mit, dass es in Deutschland eine Mittagsruhe gebe. Diese kurze Episode, in der sich eine schon am Rande der Gesellschaft befindende Person anmaßt, sich über den vermeintlich „minderwertigen“ Ausländer stellen zu können, habe ihn beschäftigt und letztendlich zu diesem Lied inspiriert.

 

Doch dass aus solchen Begegnungen Musik entsteht, war eine Zeitlang nicht zu erwarten. Ein Dreivierteljahr habe Klauz nichts geschrieben, bis ihn der Kirchheimer Rapper Fränk da Tänk aus dem kreativen Loch zog. Gemeinsam nahmen sie Songs wie „Facebook ist tot“ oder „Spätzle mit Soß“ auf. Ein komplettes Album schien bereits in der Pipeline, doch kurzfristig entschied sich Klauz gegen die Veröffentlichung. „Leider habe ich die Musik gehört und mir gedacht, dass das nicht Körpa Klauz ist“, resümiert er die Ergebnisse der für ihn dennoch sehr wichtigen Sessions. Er verstehe, dass Frank nach seiner Entscheidung sehr enttäuscht war, er sei ihm aber dennoch dankbar, denn ohne ihn säße er womöglich immer noch in dem tiefen Loch ohne Motivation und Kreativitätsschübe. Eine Besinnung auf die eigenen Stärken scheint bei einem Körpa Klauz, dessen erste Platte „Fear Of A Black Planet“ von Public Enemy war, nicht so eindeutig zu sein. Sein Musikgeschmack ist von Techno bis Reggae breitgefächert, diese Vorliebe hört man auch dem Album an. Eurodance-Beats treffen auf Trap-Experimente. Klauz ist sich bewusst, dass ihm das in einer oftmals in Schubladen denkenden Szene nicht nur Zuspruch bringt.

 

Über 200 Medienvertreter sagen Nein zum Album

 

Cover der aktuellen Platte

Nachdem Klauz 2009 die „Yardcore“-EP veröffentlichte und mit dem Video zur darauf enthaltenen Graffiti-Hymne „Babumm macht mein Herz“ zumindest bei einschlägigen Szenemedien auf offene Ohren stieß, ging er voller Optimismus in die Promophase für sein erstes großes Album „Die Verhältnisse zum Tanzen bringen“. Doch sieben Jahre später ticken die Uhren ein wenig anders. Die Resonanz auf sein Schaffen seitens der sogenannten Meinungsmacher ist verhalten, was er auf seiner Facebook-Seite sogar öffentlich thematisiert: „Nach über 200 angeschriebenen Medien mit fast nur Absagen, bin ich glücklich über das erste unaufgeforderte Review“, schrieb er Anfang August. Doch möglicherweise sind die Zeiten der großen HipHop-Medien, die Karrieren ins Rollen bringen können, vorbei. Die Juice, Deutschlands wichtigstes HipHop-Printmagazin, erscheint mit einer Auflage von rund 24.000 Exemplaren nur noch sechsmal im Jahr. 2001 waren es noch zehn Ausgaben mit einer Auflage von je 51.000 Exemplaren. Künstler müssen ihr Schicksal vermutlich selbst in die Hand nehmen, statt darauf zu warten, dass jemand anderes verkündet, welcher Musiker die frischeste Sahne im HipHop-Kaffee ist.

 

„Ich dachte auf so Seiten wie den Blogrebellen sei es eine sichere Sache“, formuliert er die einsetzende Enttäuschung konkreter, denn dort sei man sich von der Einstellung her ähnlich. Ganz auf die Anderen verließ sich Klauz trotzdem nicht. Zu „Tanz den Aal“ versuchte er einen kleinen Hype in den sozialen Medien zu generieren. Ein HipHop-Tanz, den Fans und Supporter des Musikers selbst interpretieren, sich dabei filmen und das Video anschließend auf ihre Profile stellen sollten. Die Reaktionen fielen zwar überschauber, dafür aber seitens der Unterstützer und Fans sehr intensiv aus. Er müsse sich bei solchen Aktionen selbst noch austesten, erklärt der selbsternannte Afroschwabe im Gespräch, er habe keinerlei Erfahrungen mit dem Bewerben der eigenen Musik und musste sich am Ende eingestehen, dass das alles nicht so einfach ist, wie gedacht. „Ich mache halt Musik, die nicht von allen gemocht wird“, versucht Klauz Gründe für die ablehnende Haltung der schreibenden Zunft zu finden, „dieser Europop-Sound wie in ‚King of Graffiti‘ gefällt einfach nicht jedem.“

Zwischen Konzerten vor 40.000 Menschen und dem Arbeitsamt

 

Klauz‘ erste EP „Yardcore“

Bei einer ganz bestimmten Website, die er selbst seit Jahren gerne besucht, wollte er es genauer wissen, nachdem diese auf seine Mails einfach nicht antworten wollten. Er rief in der entsprechenden Redaktion an, die wollten den Hörer jedoch nicht abnehmen, wohl wissend, dass der Klauz am anderen Ende der Leitung wartet. Zwei Minuten später versuchte er es mit einer anderen Handynummer. Erfolg. Das Tuten wird von einem „Hallo“ unterbrochen. Der genervt wirkende Empfänger des Anrufs fragte nur, ob er es mit einem Stalker zu tun habe. Solche Aktionen nimmt Klauz glücklicherweise mit Humor. Er ist reif genug, um über den Dingen zu stehen und vor allem selbstreflektiert damit umzugehen. Erfolg und Niederlage wechseln sich in seinem Künstlerleben ab und auf Facebook fand er dafür Mitte September mal wieder die selbstironischsten Worte: „Gestern noch vor 20 Leuten vor einem Café und heute vor 40.000 Leuten auf der TTIP-Demo aufgetreten. Am Montag geht’s dann wieder zur Agentur für Arbeit.“

 

Der Ursprung für dieses Künstlerleben liegt in Berlin. Dort hat Klauz eine klassische Artistenausbildung absolviert, in der ihm alles von Jonglage bis Akrobatik beigebracht wurde. Klauz bereitete dieser Abschnitt seines Lebens so viel Freude, dass er sich körperlich bis ans Limit pushte. Mehrere schwerwiegende Verletzungen zwangen ihn daraufhin, die Laufbahn als Artist in Varietés abzubrechen. Dies sei tragisch, doch in diesem Berufsfeld normal, berichtet Klauz. Von den 19 jungen Menschen, die die Ausbildung mit ihm begannen, konnten nur drei erfolgreich abschließen. Doch umsonst sollen seine Lehrjahre in Berlin nicht gewesen sein. Zum einen konnte er seine Erfahrungen als Schwabe in der deutschen Hauptstadt in dem Anti-Trendjäger-Song „Kenn ma alles scho“ verarbeiten, zum anderen plant er – inspiriert von seiner Ausbildung – neben klassischen Rap-Konzerten nun auch Auftritte vor kleinerem Publikum mit einem speziell zugeschnittenen Programm. Aber keine Sorge: Neben verstärkter Live-Präsenz ist auch ein Remix-Album geplant, denn nochmal sollen nicht sieben Jahre ins Ländle gehen, bevor es neue Musik von Körpa Klauz gibt.

 

Körpa Klauz im Internet:
Website
Facebook
YouTube
Bandcamp
SoundCloud

 

2 Comments

  1. Sehr schön geschrieben ….

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