Dö Chefs: Badesalz waren in Freiburg

Badesalz sind „Dö Chefs“

Badesalz sind zurück und bringen mit ihrem neuen Programm „Dö Chefs“ eine humoristische Folge von „Goodbye Deutschland! Die Aussteiger“ auf die Bühnen des Landes. Am 5. Februar kamen die Freiburger im Paulussaal in den Genuss der neuen Show.

 

Vier Jahre sind seit ihrem letzten Bühnenprogramm „Bindannda!“ vergangen. Dazwischen hat sich das hessische Comedy-Duo Badesalz um Henni Nachtsheim und Gerd Knebel außer ein paar Gastauftritten in Film und Fernsehen eher bedeckt gehalten. Früher sagte meine Generation noch, dieser Rockstah ist doch der Sohn von Henni Nachtsheim. Heute sagt sie, dass dieser Typ von Badesalz doch der Papa von Nerdrapper und Podcast-Legende Rockstah ist. Die großen Heydays für Badesalz liegen weit zurück, was aber nicht schlimm ist. Das Tempo, das die hessischen Humoristen vor allem Mitte/Ende der Neunziger Jahre mit dem Kinofilm „Abbuzze!“ und dem überaus erfolgreichen Album „Wie Mutter und Tochter“ vorgelegt haben, kann kein halbwegs talentierter Unterhalter bis ans Karriereende ohne völliges Burnout durchziehen.

 

Doch nun sind die vermeintlichen Vorbilder von Mundstuhl zurück und präsentieren mit „Dö Chefs“ ein neues Bühnenprogramm, das die Geschichte der beiden Kneipenbesitzer Paul und Henry erzählt, die sich – von gastronomischer Erfolglosigkeit geplagt – entschließen, ein neues Leben in Spanien zu beginnen. Rund um diese Rahmenhandlung haben Badesalz verschiedene Segmente gestrickt, in denen es sich unter anderem um Inhalte einer gemeinsamen Speisekarte, eine geträumte Oscarverleihung für ein von Henry geschriebenes Drehbuch, einen explosiven Spanischkurs und ein von Running-Gag Eddy geklautes Handy dreht. Die Stücke werden zum Großteil in schnellen Dialogen vorgetragen, die wie für Badesalz bekannt, nicht in flachen Pointen münden, sondern schon auf dem Weg zur Pointe durch Witz überzeugen. Zu Beginn der Show hatte man bei der Geschwindigkeit des Vortrags zwar Probleme, sich im Szenario zurecht zu finden, nach einigen Minuten war man jedoch drin in Henrys und Pauls Welt.

 

miserable Sicht von der Empore des Paulussaals

Rund 90 Minuten haben sich Badesalz Zeit genommen, um auch in Freiburg ihre Rückkehr auf die Bühnen des Landes zu feiern. Als großgewachsener Zuschauer hatte man es auf der Empore des Paulussaals jedoch nicht leicht. Eng an eng und mit einer Beinfreiheit wie im Fernbus von Mailand nach Berlin war man froh, nach 1,5 Stunden endlich wieder die Beine ausstrecken zu können. Auch die Sicht auf die Bühne war derart eingeschränkt, dass trotz ständigem Vorlehnen nur gut die Hälfte der Kulisse zu sehen war. Schade, denn so konnte ich das herrliche Spiel von Henni Nachtsheim meistens nur akustisch und nicht visuell verfolgen. Ein völlig ungeeigneter Veranstaltungssaal – zumindest, wenn man einen Platz auf den seitlichen Emporen abbekommen hat.

 

Doch daran ist nur mein zu schmaler Geldbeutel und nicht Badesalz selbst schuld, die an diesem Abend nicht nur durch das gesprochene Wort überzeugt haben. Kurz vor Henni Nachtsheims finaler Verkaufsrede, in der er die Zuschauer aufforderte die „kleine dicke“ Merchandise-Dame Gabi mit Komplimenten zu überschütten, griffen die beiden Hessen zu Gitarre und Saxofon. Ein eigener Song über die Reise nach Spanien sowie zwei eigenwillige Cover von „Happy“ und „Get Lucky“ brachten das Publikum zu teils unrythmischer Klatschbeteiligung und zeigten, wie vielfältig talentiert Badesalz sind. „Don’t call it a comeback“, rappte LL Cool J einst und auch Badesalz waren gefühlt eh nie weg. Mit „Dö Chefs“ liefern sie ein Programm ab, das an den richtigen Stellen hart ist, nicht auf das plumpe Erzählen von Witzen baut und durch den charismatischen Humor ihrer Protagonisten lebt. Wenn Comedy aus Deutschland, dann so!

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